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Heimleiter von Flüchtlingsunterkunft muss gehen

Skandal in Gifhorn Heimleiter von Flüchtlingsunterkunft muss gehen

Nachdem Flüchtlinge aus einer Unterkunft im Landkreis Gifhorn schwere Vorwürfe gegen den Leiter der Einrichtung erhoben haben, muss dieser gehen. Der Vertrag mit dem Betreiber ist gekündigt. Doch einige Bewohner stellen sich hinter den Mann.

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In dieser Unterkunft haben sich Bewohner über den Leiter beschwert.

Quelle: Aller-Zeitung/Archiv

Gifhorn. Nach Vorwürfen gegen den Leiter einer Flüchtlingsunterkunft in Brome zieht der Landkreis Gifhorn Konsequenzen: Der Vertrag mit der Sicherheitsfirma, die die Unterkunft betreibt, werde zum 31. August gekündigt, sagte Gifhorns Erste Kreisrätin Evelin Wißmann der HAZ. Der Fall hatte am Wochenende für Schlagzeilen gesorgt: Einige Bewohner hatten sich gegenüber Medien und dem Landkreis über einen ruppigen Umgangston des Unterkunftsleiters Frank E. beklagt. Außerdem soll dieser für kleinste Vergehen Geldstrafen verhängt haben. Zuletzt soll er Bewohnern im Streit ein Propaganda-Video der Terrormiliz IS gezeigt haben, auf dem Enthauptungen zu sehen waren. Gegenüber dem NDR berichteten Flüchtlinge von einem Klima der Angst in der Unterkunft.

Unterhält man sich mit Bewohnern und Anwohnern der Flüchtlingsunterkunft in Brome, bekommt man allerdings auch andere Stimmen zu hören. „Von solchen Sachen habe ich überhaupt nichts gehört“, versichert eine Nachbarin, die ehrenamtlich in der Unterkunft arbeitet. Sie helfe Frauen bei Arztbesuchen und Behördengängen, erzählt sie. Die Kommunikation sei nicht immer leicht, aber solche Sorgen hätten die Flüchtlinge ihr gegenüber nie geäußert.

„Ja, es hat Ärger gegeben“, bestätigt dagegen ein Bewohner des Hauses schulterzuckend. Weiter will er nicht darauf eingehen. Dass er selbst allerdings keine Angst vor dem Heimleiter hat, zeigt er kurz darauf, als er Frank E. in eine kurze, aber ernste Diskussion verwickelt. Andere Bewohner wollen sogar ihre Solidarität mit Frank E. zeigen. Weil ihnen die Worte fehlen, nehmen sie den kräftigen Mann einfach in ihre Mitte und heben vor den anwesenden Kameras wie bei einem Olympiasieger seinen Arm in die Höhe.

E. lächelt, aber eigentlich ist ihm nicht zum Lächeln zumute. Er fühlt sich missverstanden. „Es gab einige wenige, die böses Blut gemacht haben. Mit den meisten habe ich aber überhaupt keine Probleme, im Gegenteil“, sagt er über die Situation in der Unterkunft. Natürlich seien einige Bewohner mal unzufrieden, weil sie lieber heute als morgen von der Kommune ein Haus oder eine Wohnung zugeteilt bekommen hätten. „Aber das kann ich doch nicht beeinflussen. Für die Wohnungsvergabe bin ich schlicht nicht zuständig.“

Als Frank E. im Juli den Zuschlag bekam, war er für die Kreisverwaltung kein Unbekannter. Mit seiner Sicherheitsfirma hatte er bereits seit Anfang des Jahres in einer anderen Unterkunft im Kreis für Ordnung gesorgt. Da hatte es nie Klagen gegeben. Doch beim Pastor-Bammel-Haus war E. nicht nur für Sicherheit, sondern auch für Sozialarbeit und die gesamte Verwaltung zuständig. Und hier lief es dann nicht mehr glatt.

Bereits Anfang August hätten sich einige Bewohner bei der Ausländerbehörde des Kreises über den Umgangston des Heimleiters beschwert, bestätigt Wißmann. Daraufhin habe sie Frank E. zu einem Gespräch gebeten – und gehofft, dass die Sache damit erledigt sei.
Doch eine Woche später erfuhr Wißmann von einer Sanktionsliste, die im Eingangsbereich neben der Hausordnung aufgehängt worden war. Dort waren „Vergehen“ aufgelistet, samt dazugehöriger Strafe: „Besucher nicht angemeldet – 20 Euro“ oder „Essen außerhalb des Gemeinschaftsraumes – 20 Euro“. „Das geht gar nicht“, sagt Wißmann und ließ die Liste vergangene Woche wieder abhängen.

Das Maß voll machte ein Bericht über ein Enthauptungsvideo der Terrormiliz „Islamischer Staat“, das E. den Bewohnern gezeigt haben soll. Das sei auch wieder eine solche Situation gewesen, meint der Heimleiter: Einige Bewohner hätten sich beklagt, dass zu Hause alles besser gewesen sei als in Deutschland. „Da habe ich das Video zeigen wollen, um klarzumachen: Das hier ist das, was bei euch abgeht. Und das ist in keinster Weise besser als die Situation hier in Deutschland.“ Tatsächlich sei es aber nicht abgespielt worden.

Für Wißmann ist das der Punkt, an dem sie sich entschloss, der Sicherheitsfirma zu kündigen. Nun muss es eine Übergangslösung geben, die Betreuung dann neu ausgeschrieben werden. Eine Sicherheitsfirma will Wißmann nicht wieder mit der Heimleitung beauftragen: „Wir werden in der Ausschreibung den Schwerpunkt auf Kompetenz in der Sozialarbeit legen.“     

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