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Der Norden Hier entsteht ein Testgelände für zivile Drohnen
Nachrichten Der Norden Hier entsteht ein Testgelände für zivile Drohnen
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00:15 06.11.2016
Von Gabriele Schulte
Auf die Plätze, fertig: Drohnenpilot Matthias Engels will die Vermessungsflüge seiner Drohne HT8 C180 optimieren. Quelle: Samantha Franson
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Rotenburg

Wer die Augen gen Himmel richtet, sieht immer häufiger Drohnen. Die unbemannten surrenden Fluggeräte breiten sich vor allem im Hobbybereich aus, sind billig sogar beim Discounter zu haben. Am Himmel über Rotenburg (Wümme), genau genommen über dem Segelflugplatz, sind neuerdings größere, professionelle Flugobjekte unterwegs. Dort wird ein Zentrum für zivile Drohnentests aufgebaut, das vor allem Wirtschaft und Wissenschaft dienen soll. Betreiber ist ein Verband mit zurzeit 40 unterschiedlichen Mitgliedern, vom Chiphersteller NXP über das Forschungsinstitut Northern Business School bis zum TÜV Rheinland. Sie verbindet das Interesse an großen Drohnen.

HT8 C180 ist so ein Profi-Gerät: fünf Kilo schwer mit schwenkbarer Kamera, 1,18 Meter Durchmesser bei ausgestellten Rotoren. 40 000 Euro hat sie gekostet, ein Vielfaches einer Spielzeug-Drohne für den heimischen Garten. Matthias Engels gerät ins Schwärmen, wenn er von den Einsätzen erzählt: „Sie kann Brücken und Windräder von unten fotografieren, filmen und auf Risse überprüfen, sie kann über einen Sensor Gase messen und das genaue Volumen von Halden bestimmen.“ Für seine Hamburger Firma Heitmann Copter ist HT8 C180 schon bei der Inspektion von Raffinerien im Einsatz. Doch in welcher Höhe reagiert sie wie auf welchen Wind? Solche Fragen lassen sich auf Norddeutschlands erstem Testgelände in Rotenburg klären, das der Anfang des Jahres gegründete Bundesverband für unbemannte Systeme (Buvus) betreibt.

An Platz fehlt es nicht. 84 Hektar umfassen die weiten Rasenflächen samt Asphaltlandebahn. Das Gelände im Norden der Stadt gehörte bis 1997 der benachbarten Bundeswehr, nun ist es nach Angaben des Betreibers der größte Segelflugplatz in Deutschland.

Das Gewicht entscheidet

Im Hobbybereich wird für den Flug mit einer Drohne keine Flugerlaubnis benötigt, erforderlich ist allerdings eine erweiterte Haftpflichtversicherung. Ab einem Drohnengewicht von fünf Kilogramm, wie bei der professionellen Nutzung üblich, ist eine Aufstiegserlaubnis Pflicht. Diese kann bei der Landesluftfahrtbehörde beantragt werden und ist kostenpflichtig. Für alle Drohnen gilt derzeit, dass sie „auf Sicht“ geflogen werden müssen. Eine gewerbliche Nutzung im Transportgewerbe ist daher bisher nicht möglich. Es gibt lediglich Modellversuche, etwa im Paketdienst zwischen dem Festland und der Insel Juist.

Das Bundesverkehrsministerium arbeitet an schärferen Sicherheitsrichtlinien. Gedacht ist an eine Kennzeichnung von Drohnen mit mehr als 250 Gramm, damit die Besitzer leichter festgestellt werden können. Für Drohnen ab fünf Kilogramm könnte es eine Pflicht zum Drohnenführerschein geben. Die Deutsche Flugsicherung und die Pilotenvereinigung Cockpit wollen den Führerschein auch für kleinere Drohnen. Der Interessenverband Buvus wünscht sich flexiblere Regeln. In seiner „Rotenburger Erklärung“ wendet er sich unter anderem gegen die Vorschrift, Drohnen nur auf Sicht fliegen zu dürfen.

Drohnenpilot Engels zieht sein Fluggerät in Einzelteilen aus einem Koffer. An die orange leuchtende Mitte steckt er die acht Rotoren, wie Spinnenbeine sehen sie an der Kugel aus. Dann befestigt Engels die Kamera, stellt die Belichtungszeit ein und klappt einen zweiten Koffer mit Bildschirm auf. Nun könnte er den Starthebel ziehen - fehlt bloß die Genehmigung. Flughafen-Geschäftsführer Werner Meyer, der dem Drohnenflug zusehen wollte, eilt mit einem Zettel herbei: Die Flugaufsicht in Oldenburg hat ihre ursprüngliche Erlaubnis für diesen Nachmittag aus formalen Gründen zurückgezogen und den Widerspruch dagegen nicht akzeptiert. Begründung: Der Flughafen habe nicht ausreichend klar dargelegt, dass dort an diesem Nachmittag keine Flugzeuge landen.

„Unsinn“, schimpft Meyer. Den Drohnentests würden von der Landesbehörde immer wieder Steine in den Weg gelegt.„Wir hoffen auf eine Daueraufstiegsgenehmigung von montags bis freitags“, sagt er. Denn der Sportflugzeugbetrieb beschränke sich ohnehin auf die Wochenenden.

„Die Wirtschaft hat auf ein solches Freigelände gewartet“

Immerhin hat es seit dem Sommer schon einige interessante Versuche gegeben, wie Matthias Still von Buvus erzählt. „Die Wirtschaft hat auf ein solches Freigelände für Drohnentests gewartet“, sagt er. So testete der Energiekonzern Eon den Einsatz von Drohnen, die zukünftig über Funk Stromzähler ablesen und „Smart-Home“-Elektrogeräte steuern könnten. Ein Chiphersteller überprüfte in Rotenburg seine neue Software, ohne sich in die Karten gucken zu lassen. Andere stehen, wie Still sagt, in den Startlöchern: Die Landwirtschaft arbeitet an noch genaueren Systemen, um Wild in Feldern aufzuspüren und ihm in der Erntezeit so das Leben retten zu können. Forstwirte, Feuerwehren und Rettungsdienste würden Drohnen gern zur Erkennung von Brandherden nutzen. Das würde der Sicherheit dienen. An vielen Stellen ließen sich aber auch Arbeitskräfte durch billigere Drohnen ersetzen.

An diesem Tag darf Matthias Engels seine HT8 C180 nicht in die Luft schicken. Ihre Stärken stellt sie andernorts unter Beweis: die Wendigkeit und die Geschwindigkeit bis zu 80 Kilometer pro Stunde, die schnelle Bildfolge der Kamera, die Elektronik, die die Fotos schnell zum Vermessungsgesamtbild zusammenfügt. Wenn das Fluggerät summend abhebt, weht das Gras darunter wie bei starkem Wind. Wenn die Drohne zurückkehrt, tanzt sie vor der Landung auf ihrem eigenen Abluftpolster.

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) hat die Schirmherrschaft für das Testgelände übernommen und erhofft sich positive Signale für seine Stadt. Das Verkehrsministerium in Hannover sagte der HAZ, grundsätzlich halte man kontrollierte Drohnentests für wirtschaftlich wichtig. „Für die Entwicklung solcher Anwendungen müssen auch Tests in einem sicheren Luftraum stattfinden können“, sagt Tobias Haneklaus vom Fachreferat „Luftfahrt“. Eine Daueraufstiegsgenehmigung in Rotenburg werde geprüft. Auch sonst macht das Ministerium dem Flughafenbetreiber Hoffnung: Man unterstütze die Standortsuche von Airbus in Niedersachsen, sagt Haneklaus. „Dabei könnte sich auch der Flugplatz Rotenburg als geeignet herausstellen.“ Ob und wie all die Drohnen nach den Tests den Himmel über Niedersachsen füllen, ist eine andere Frage.

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