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Der Norden Die „Sonne“ lässt die Forscher strahlen
Nachrichten Der Norden Die „Sonne“ lässt die Forscher strahlen
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21:30 17.11.2014
Von Kristian Teetz
Das 116 Meter lange und rund 20 Meter breite Forschungsschiff hat in Wilhelmshaven angelegt. Quelle: dpa
Wilhelmshaven

Manganknollen, möglicher Unterwasserbergbau, Leben ohne Licht und fantastische Lebewesen: Die Tiefsee gehört zu den letzten Geheimnisträgern der viel erforschten Erde. Auch deutsche Wissenschaftler arbeiten daran, mehr Licht ins Meeresdunkel zu bringen. Nun können sie mit der „Sonne“ ein hochmodernes, knapp 124 Millionen Euro teures Tiefsee-Hightech-Schiff nutzen. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) spricht sogar vom modernsten Forschungsschiff der Welt.

Außer zahlreichen Wissenschaftlern waren am Montag Wanka und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach Wilhelmshaven gekommen. Die beiden Politiker übernahmen das schwimmende Großlabor in seinem Heimathafen von der Meyer Werft, die das 116 Meter lange und rund 20 Meter breite Schiff in Papenburg gebaut hat. Der Chef der Meyer Werft, Bernard Meyer, bezeichnete den Neubau als Quantensprung und Herausforderung für seine Ingenieure und Techniker. „Machen Sie was damit, denn das Meer hat mehr Geheimnisse als der Weltraum“, sagte er.

Forscher wie Prof. Oliver Zielinski werden nun Forschungsfahrten vor allem in den Pazifik und den Indischen Ozean unternehmen. Zielinski arbeitet am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) an der Universität Oldenburg, der wissenschaftlichen Heimat der „Sonne“. „Das Schiff ist größer, breiter und moderner als sein Vorgänger“, sagt Zielinski. Er hat während der zweimonatigen Erprobungsfahrt auf der „Sonne“ gearbeitet und kennt daher bereits ihre Stärken. Unter anderem hebt er die Möglichkeit hervor, das Schiff genau zu positionieren. „Der Kapitän drückt auf einen Knopf, und es kommt auf der angegebenen Position zum Stehen“, erläutert Zielinski. Dies sei enorm wichtig bei Messungen. Die Wissenschaftler können zudem acht Kilometer lange Kabel nutzen, die Videoaufnahmen aus der Meerestiefe ermöglichen. Das längste Kabel für Meeres- oder Bodenproben ist sogar zwölf Kilometer lang. „Theoretisch können wir damit bis zum Marianengraben runter“, sagt Zielinski. „Mehr geht auf dieser Erde nicht.“

Jetzt können 40 statt bislang 25 Wissenschaftler auf Forschungsreisen mitfahren

Die kilometertiefen Messungen im Wasser werden zudem durch Hubkompensation vereinfacht. Geräte in der Tiefe bewegten sich dadurch nur um rund zehn Zentimeter, während das Schiff auf acht Meter hohen Wellen schwanke, erklärt Zielinski.

Das Schiff wurde nach neuesten Umweltstandards konstruiert. Zur Ausrüstung gehören unter anderem Kräne, Kühlräume, ferngelenkte Unterwasserroboter und Labore sowie Fächerlote, mit denen der Meeresboden kartografiert werden kann. Erforscht werden sollen in den kommenden Jahren unter anderem Rohstoffvorkommen auf dem Meeresgrund und Wasserströmungen im Pazifik. Zudem sammeln die Forscher Daten zum Klimaschutz und zur Erwärmung und Versauerung der Meere.

Im Unterschied zum Vorgängerschiff, das ebenfalls „Sonne“ hieß, können 40 statt bislang 25 Wissenschaftler auf Forschungsreisen mitfahren. Die Besatzung des Schiffes besteht aus 35 Männern und Frauen. Die alte „Sonne“ wurde aus Altersgründen aus dem Dienst genommen. Die Kosten für ihren Nachfolger trägt zu 90 Prozent der Bund, den Rest der 124 Millionen Euro teilen sich die Länder Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Genutzt wird das neue Hightech-Schiff von zahlreichen Instituten und Institutionen. Neben dem ICBM fährt unter anderem die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (GBR), die ihren Sitz in Hannover hat, mit der „Sonne“ zur See. Grundsätzlich stehe das Schiff der gesamten deutschen Meeresforschung zur Verfügung, sagt Zielinski. Die erste Fahrt wird die „Sonne“ ab Januar in den Atlantik und anschließend in den Pazifik führen. Zuvor aber kann das Forschungsschiff noch besichtigt werden: Die Vorstellungsreise führt es am Dienstag und Mittwoch nach Bremen, am 21. und 22. November nach Hamburg und am
27. und 28. November nach Kiel.

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