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Der Norden Hightech-Waffe aus dem Mittelalter
Nachrichten Der Norden Hightech-Waffe aus dem Mittelalter
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00:59 30.07.2014
Von Kristian Teetz
Hieb- und stichfest: Henning Haßmann, Erich Barke und Gabriele Heinen-Kljajic (v. l.) betrachten das „Ulfberht“-Schwert. Quelle: Jochen Lübke
Hannover

Die „Ulfberht“-Schwerter gelten als Hightech-Waffen ihrer Zeit, denn sie waren leicht und trotzdem hart und scharf. Vom späten 8. bis Ende des 10. Jahrhunderts kämpften Krieger mit den Hieb- und Stichwaffen. Nun wurde zum ersten Mal ein solches Schwert in Niedersachsen gefunden. Gemeinsam mit einem ebenso sensationellen archäologischen und ebenfalls nahezu komplett erhaltenen Fund, einem rund 6000 Jahre alten Kupferbeil, wurde es am Dienstag im Kali-Chemie-Hörsaal der Leibniz Universität von Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic, dem Präsidenten des Landesamts für Denkmalpflege, Stefan Winghart, sowie Erich Barke, Präsident der Leibniz Universität, präsentiert.

Gefunden wurde das „Ulfberht“-Schwert aus dem 10. Jahrhundert bei Baggerarbeiten in der Weser bei Großenwieden (Kreis Hameln-Pyrmont). „Weil es im Fluss lag, gehen wir davon aus, dass es sein Träger beim Überqueren verloren hat“, sagt Friedrich-Wilhelm Wulf, Bezirksarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege. Europaweit sind fast 170 „Ulfberht“-Exemplare bekannt, die in 23 unterschiedlichen Ländern lagen - oft in Begräbnisstätten. „In Mitteleuropa entdecken wir allerdings selten diese Schwerter, da nach der Christianisierung Grabbeigaben nicht mehr üblich waren“, erläutert Wulf. Deshalb sei der Fund von Großenwieden von immenser Bedeutung. Die meisten dieser Schwerter würden in Skandinavien aufgespürt. Das sei insofern überraschend, als dort die feindlichen Wikinger hausten - und es karolingischen Kaufleuten untersagt war, mit Waffen zu handeln, sagt der Bezirksarchäologe weiter. „Dass diese Schwerter zu den Wikingern gelangt sind, gilt uns als ein Indiz dafür, dass einzelne Kaufleute das Waffenembargo umgangen haben“, sagt Wolff.

Dass heute so viele Informationen über das Schwert und das Kupferbeil vorliegen, ist der Zusammenarbeit zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege mit der Leibniz Universität und vor allem dem Institut für Anorganische Chemie zu verdanken. Dank modernster Analyseverfahren haben die Chemiker unter anderem ermittelt, dass die Materialquelle des Eisens, aus dem das Schwert gefertigt ist, im Rheinischen Schiefergebirge liegt. Folge man der gut untermauerten These, dass solche Waffen häufig in Klostern hergestellt wurden, kämen als Werkstatt des Schwerts Fulda und Lorsch in Betracht, sagt Robert Lehmann vom Institut für Anorganische Chemie. Wer sich allerdings hinter dem namengebenden „Ulfberht“ verbirgt, bleibt weiterhin ungeklärt. „Ein Bischof mit diesem Namen ist uns nicht bekannt“, betont Archäologe Wulf. „Es muss ein anderer Würdenträger gewesen sein.“

Auch beim 9,5 Zentimeter langen und 400 Gramm schweren Kupferbeil, das in Steinbergen bei Rinteln gefunden wurde, haben die Wissenschaftler der Leibniz Universität mit ihren chemischen Analysen maßgeblich dazu beigetragen, der historischen Wahrheit näherzukommen. Demnach diente das trapezförmige Flachbeil aus Kupfer nicht als Werkzeug, sondern als Prestigeobjekt.

Der Fund sei aus mehreren Gründen eine Sensation, sagt Landesarchäologe Henning Haßmann. Erstens handele es sich um den ältesten Metallfund des Landes. Zweitens sei es das erste Artefakt seiner Zeit überhaupt in Niedersachsen. Drittens liege der Fundort genau an der Grenze zwischen dem schon früh entwickelten Südniedersachsen, wo die Menschen im 4. Jahrtausend vor Christus bereits sesshaft waren und Ackerbau betrieben, und dem nördlichen Tiefland, wo diese Entwicklung erst rund 1000 Jahre später einsetzte.

Vor allem aber verdeutlicht laut Haßmann der Fund, dass das heutige Land Niedersachsen offenbar schon vor rund 6000 Jahren eine Mittlerrolle einnahm und als Drehscheibe für den Handel fungierte. Kupferbeile aus der Jungsteinzeit wurden bislang fast nur im Alpenvorland gefunden - „und überraschenderweise in Skandinavien“, sagt Haßmann. „Bislang haben uns immer die Informationen gefehlt, wie die Beile nach Nordeuropa gelangt sind“, sagt Haßmann. Der jetzige Fund in der Weser zeige, dass der Fluss offenbar schon damals einen wichtigen Nord-Süd-Handelsweg bildete.

Beide Artefakte befinden sich mittlerweile im Eigentum des Landes. „Das Schwert wird mit Sicherheit einen ausgewählten Platz bei uns erhalten“, sagte der stellvertretende Direktor des Landesmuseums, Martin Schmidt. Beim Kupferbeil sei eine Präsentation für ein Jahr in Rinteln denkbar, ergänzt Haßmann - und dann in der neuen Dauerausstellung im Landesmuseum.

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