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Hightech fürs Hähnchenfilet

Wiesenhof in Lohne Hightech fürs Hähnchenfilet

Der Brand im Schlachthof des Geflügelfleisch-Marktführers Wiesenhof in Lohne war ein Schock für Mitarbeiter und Unternehmen. Jetzt wurde das Werk für Millionen neu aufgebaut. Entstanden ist eine Fleischfabrik.

Zunächst bis zu 250 000 Tiere pro Tag: Das ist das Ziel für Wiesenhof im neu aufgebauten Schlachthof im Kreis Vechta.

Quelle: Foto: dpa

Lohne. Es ist eine lange, hohe Halle, in der die lebenden Tiere den Schlachthof erreichen, eingetaucht in blaues Licht. Ventilatoren sorgen für ein rauschendes Hintergrundgeräusch. „Die Tiere nehmen das Licht anders wahr als wir“, sagt Peter Wesjohann, Vorstandschef der PHW-Gruppe. Auf die Hähnchen wirke die Umgebung beruhigend, sagt der Chef des Unternehmens, das mit einer Marke wie Wiesenhof größter Geflügelfleischproduzent Deutschlands ist.

Im März vergangenen Jahres vernichtete in Lohne (Kreis Vechta) ein Feuer große Teile des alten Geflügelschlachthofes. Jetzt läuft der Testbetrieb in der für 140 Millionen Euro neu gebauten Schlachtfabrik – im Januar soll wieder regulär geschlachtet werden.

Vor dem Brand hatte der Schlachthof der PHW-Tochter Oldenburgische Geflügelspezialitäten eine genehmigte Kapazität von 432. 000 Schlachtungen – pro Tag. Tatsächlich seien 370.000 Tiere am Tag geschlachtet worden, sagt Wesjohann. Wenn die Schlachtfabrik in einigen Wochen wieder den Betrieb mit zunächst nur einer Schlachtlinie anfährt, sei das anvisierte Ziel bis zu 250. 000 Tiere pro Tag, also rund ein Drittel weniger.

Die Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamts in Oldenburg lässt derzeit noch etwas Luft nach oben, aber nicht viel. Langfristig ist laut Wesjohann die Aufnahme einer zweiten Schlachtlinie geplant. 

Es gibt größer Schlachthöfe    

Der Schlachthof in Lohne gehöre zu den größten in Deutschland, sagt der Experte für Geflügelwirtschaft, Hans-Wilhelm Windhorst, von der Universität Vechta. „Er ist aber nicht der größte“, setzt er hinzu. Konkurrent Rothkötter aus dem emsländischen Meppen betreibe dort und in Wietze (Kreis Celle) zwei Hähnchen-Schlachtereien, die kapazitätsmäßig vor dem Schlachthof in Lohne lägen. Die tatsächlichen Schlachtzahlen lägen jedoch ein wenig im Dunkeln.

Der neue Schlachthof sei derzeit der modernste seiner Art, sagt Wesjohann auf dem Rundgang durch den Betrieb. In riesigen Hallen werden die Hähnchen bei ohrenbetäubendem Lärm geschlachtet, vom Gefieder befreit, ausgenommen und zerlegt. Vieles dürfen Besucher zwar sehen, aber nicht fotografieren. Die Anlagen zerlegen die Tiere, schneiden Füße, Flügel und Beine ab. Keine Bilder, die Lebensmittelhersteller gern in der Öffentlichkeit zeigen.

Arbeiten bei fünf Grad Celsius

Röntgengeräte checken, ob noch Knochenreste in den Filetstücken sind und sortieren sie im Fall der Fälle aus. Die Mitarbeiter – die meisten sind Frauen – sind für die Feinarbeiten zuständig: Sie legen die Fleischstücke schöner in die Plastikschälchen, schneiden überschüssiges Fett ab oder entfernen die Knochenreste. All das bei einer Temperatur von um die fünf Grad Celsius.

Roboter verteilen, verpacken, wiegen die Ware, verschweißen die Verkaufspackungen und fotografieren sie sogar. Über die gesamte Produktionskette hinweg sei die Zuordnung des einzelnen Fleischstücks zur Herkunftsfarm gegeben, sagt Wesjohann.

Rund 500 festangestellte Mitarbeiter arbeiten wieder in dem Schlachthof. Vor dem Brand hatte das Unternehmen 750 eigene Mitarbeiter und etwa 350 bis 400 Beschäftigte bei Werkvertragsunternehmen. Einer Vereinbarung zufolge liegt das Verhältnis zwischen eigenen Mitarbeitern und Werkvertragsbeschäftigten bei 60 zu 40.

Aus Sicht der Beschäftigten und der Gewerkschaft NGG sind das alles gute Nachrichten aus Lohne. Viele alte Mitarbeiter seien wieder dabei, sagt der Regional-Gewerkschaftschef Matthias Brümmer. „Deshalb begrüßen wir es, dass es im Januar wieder voll mit der Schlachtung losgeht.“ Damit würden Arbeitsplätze gesichert. Aus seiner Sicht sei Wiesenhof ein Arbeitgeber, der die Mitbestimmung und den Tarifvertrag achte. Es gebe „einen kurzen Draht“ zwischen Geschäftsführung und Gewerkschaft, sagt Brümmer.

Aber nicht alle sehen den Wiederaufbau positiv. Wiesenhof habe eine „riesengroße Schippe draufgelegt“, sagt Lutz Neubauer, der für die „Ratsgruppe Lohner – Die Linke“ im Stadtrat sitzt und auch für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Aktivitäten des Geflügelgroßunternehmens kritisch betrachtet. Eigentlich habe die alte Schlachterei nur wiederaufgebaut werden sollen. Was jetzt daraus entstanden sei, habe gänzlich andere Dimensionen. „Ich rechne damit, dass man über kurz oder lang die Schlachtzahlen wieder erweitern will“, sagt Neubauer.

Streit um Grundwasser

Vorher müsste aber noch ein Streit um Wasserrechte ausgefochten werden. Der Fleischkonzern darf nach dem jüngsten Urteil nicht wie geplant jährlich 800.000 Kubikmeter Wasser aus der Erde pumpen, sondern muss sich mit 550. 000 Kubikmetern begnügen. Die Grundwasser-Entnahme habe gravierende Umweltschäden nach sich gezogen, sagt Neubauer. Der Nabu hatte vor einer Gefährdung zweier Moore in der Nähe gewarnt.

Erst das niedersächsische Oberverwaltungsgericht reduzierte die genehmigte Wassermenge. Neubauer befürchtet, dass Wiesenhof mit einem neuen Antrag beim Landkreis zunächst durchkäme. Auch dann werde es wieder Gegenwind von den Umweltschützern geben.

1000 Landwirte liefern Geflügel für Wiesenhof

Wiesenhof gehört zur PHW-Gruppe mit Sitz in Visbek-Rechterfeld (Kreis Vechta). PHW steht für die Initialen von Paul-Heinz Wesjohann, der den väterlichen Geflügelbetrieb stark ausgebaut hat. Inzwischen hat sein Sohn Peter Wesjohann die Geschäfte übernommen. Im Geschäftsjahr 2015/16 hatte die PHW-Gruppe nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,46 Milliarden Euro und beschäftigte 6876 Mitarbeiter. Rund 1000 Landwirte liefern Geflügel für Wiesenhof. Geschlachtet und zerlegt werden die Tiere vor allem in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Von Elmar Stephan

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Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 15. Oktober 2017
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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