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Der Norden Hildesheim, Hauptstadt der Sinti
Nachrichten Der Norden Hildesheim, Hauptstadt der Sinti
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00:20 14.07.2015
„Django ist der König für uns, wir lieben ihn“: Der Gitarrist Kussi Weiss spielt auf dem Django-Reinhardt-Festival. Er ist einer von 2500 Sinti in Hildesheim. Quelle: dpa
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Den Wohnwagen, sagt Ricardo Laubinger, behält man auf jeden Fall. Sinti-Ehre, sozusagen, wenn auch die meisten der Hildesheimer Sinti inzwischen in Häusern und Wohnungen leben. Aber sobald es Sommer wird, holen sie ihre Wohnwagen aus dem Winterquartier, um damit in den Urlaub zu fahren.

Im Fall von Ricardo Laubinger geht es erst nach dem Django-Reinhardt-Festival an diesem Wochenende los, das er seit 15 Jahren organisiert. Seitdem ist Hildesheim Treffpunkt für internationale Gypsy-Musiker und Freunde der traditionellen Musik der Sinti. Sie alle huldigen dem legendären Jazz-Gitarristen Django Reinhardt, der 1910 in einem belgischen Zigeunerwagen zur Welt kam und 1953 bei Paris ebenfalls in einem Wagen starb.

Aber zurück zum Urlaub und den Wohnwagen. „Das ist das größte“, sagt Laubinger. Der 56-jährige Hildesheimer fährt nach Spanien, viele seiner Verwandten und Freunde fahren an die Nord- oder Ostsee oder in den Schwarzwald. Ziemlich deutsch also. „Wir sind Deutsche, wir sind voll integriert“, sagt Laubinger.

Seit mehr als 600 Jahren in Hildesheim

In Hildesheim lebt die größte und älteste Sinti-Gemeinde in Deutschland. Die aus Indien eingewanderten Sinti leben seit mehr als 600 Jahren in der Stadt, in Deutschland wahrscheinlich noch viel länger, erklärt Laubinger. Aber in Hildesheim sind sie erstmals urkundlich erwähnt – im Jahr 1407. Damals kam eine Gruppe mit einem Geleitbrief des Kaisers nach Hildesheim. Nur, wer hier beruflich zu tun hatte, kam in die Stadt – oder wer solch einen Geleitbrief vorweisen konnte. „Während also die Sinti auf die Entscheidung des Stadtkämmerers warteten, wurden sie mit Wein beköstigt“, erklärt Laubinger. Die Rechnung blieb erhalten und ist sozusagen der Beweis für die jahrhundertelange Tradition der Hildesheimer Sinti.

Laubinger lebt an der Münchewiese, nur wenige Minuten entfernt vom Festivalgelände, dem Gut Steuerwald, das 1310 als bischöfliche Burg gebaut wurde – also noch bevor die Sinti nach Hildesheim kamen. Einst standen an der Münchewiese nur Wohnwagen. Seit Mitte der Neunzigerjahre wurden hier im Halbkreis Häuser gebaut, die allesamt von Sinti bewohnt werden, etwa 200. Es ist der Kern der Hildesheimer Sinti-Gemeinde. Aber sie ist noch viel größer. Etwa 2500 leben in der Stadt und im Landkreis. Hildesheims Stadtsprecher Helge Miethe sagt: „Die hiesige Sinti-Gemeinschaft ist ein wichtiger Bestandteil und eine Bereicherung unserer Stadtgesellschaft – wir pflegen mit ihr einen intensiven Austausch und Kontakt.“

An der Münchewiese wohnt auch Kussi Weiss, wenn er nicht gerade durch Jazzclubs tourt. Der 38-Jährige wird am heutigen Sonnabend mit seinem Kussi-Weiss-Trio beim Festival auf der Bühne stehen. „Django ist der König für uns, wir lieben ihn“, sagt er.

Karl Doeleke und Christina Schicht

Zu Ehren Django Reinhardts

Ein Festival gegen Vorurteile: Zum 15. Mal laden die Hildesheimer Sinti in diesem Jahr zum Django-Reinhardt-Festival ein. In Erinnerung an den Stammvater des sogenannten Gypsy-Jazz, Django Reinhardt (1910–1953), spielen Bands aus Frankreich, den Niederlanden und Deutschland auf Gut Steuerwald in Hildesheim. „Unser Ziel ist, Vorurteile abzubauen“, sagt Organisator Ricardo Laubinger. „Wir wollen freundschaftlich auf die Mehrheitsgesellschaft zugehen.“
Das Romno Swing Quartett hat bereits gestern Abend das Festival eröffnet. Danach kamen die Preisträger des Jazz-Echos, Django Deluxe aus Hamburg, und The Gipsy Fusion Power auf die Bühne.

Am Sonnabend wird das Festival auf Gut Steuerwald mit dem Rehan Syed Ensemble fortgesetzt. Danach tritt das Kussi-Weiss-Trio auf. Kussi Weiss stammt aus Hildesheim und wurde von Django Reinhardts Sohn Babik entdeckt. Den Abend beendet das Lollo Meier Ensemble feat. Paulus Schäfer aus den Niederlanden.

Das Festival findet auf Gut Steuerwald in Hildesheim, Mastbergstraße 19, statt. Eintrittskarten kosten 15 Euro, der Eintritt für unter 18-Jährige ist frei. Beginn ist heute um 19.30 Uhr.

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