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Der Norden Hildesheimer ergaunert 630.000 Euro bei Sparkasse
Nachrichten Der Norden Hildesheimer ergaunert 630.000 Euro bei Sparkasse
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00:15 08.05.2016
Symbolbild. Quelle: dpa
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Hildesheim

Der 38-Jährige hatte seinen Coup offenbar von langer Hand geplant. Als Chef einer Handelsgesellschaft eröffnete er vor anderthalb Jahren eine Geschäftsgirokonto bei der Sparkasse, über das er seinen ganz normalen Zahlungsverkehr abwickelte. Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich um eine Art Briefkastenfirma gehandelt haben, auf deren Konto es zunächst aber keine auffälligen Buchungen gab.

Deshalb schöpfte bei der Sparkasse anfangs auch niemand Verdacht, als sich im Jahr 2015 die SEPA-Firmenlastschrift-Verfahren bei der GmbH häuften. Dieses Modell eröffnet Geschäftskunden die Möglichkeit, Rechnungsbeträge von anderen Konten abzubuchen. Allerdings nur, wenn vorher ein sogenanntes Firmenlastschrift-Mandat eingeholt wurde. Gegenüber der Sparkasse gab der 38-jährige Hildesheimer an, im Besitz der entsprechenden Genehmigungen zu sein. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Hildesheim eine glatte Lüge.

Betrug dank Schneeballsystem

Innerhalb weniger Wochen kam es so zu 34 nicht autorisierten Abbuchungen bei mehreren Firmenkunden der Sparkasse in einer Gesamthöhe von 636 000 Euro. Sobald das Geld auf dem Konto des windigen Unternehmers war, überwies dieser nach Ansicht der Ermittler das Geld blitzschnell auf ein Konto einer spanischen Firma. Deren Geschäftsführer soll der Hildesheimer selbst gewesen sein.

Dass der Schwindel nicht sofort entdeckt wurde, lag am besonderen Timing der Überweisungen. Zwar merkten die betroffenen Firmen sehr schnell, dass irgendjemand zu Unrecht Geld eingezogen hatte und veranlassten umgehend eine Rücküberweisung. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte der Hildesheimer bereits neue Geschäftskonten angezapft, wodurch sein eigenes Konto stets ein Guthaben aufwies. Ein raffiniertes Schneeballsystem, das erst nach rund fünf Wochen aufflog.

Suche mit internationalem Haftbefehl

Allerdings hätte es laut den eigenen Geschäftsbedingungen der Sparkasse gar nicht zu den Abbuchungen kommen dürfen. Dort ist klar geregelt, dass ohne ein bestätigtes Mandat keine Zahlung an den Empfänger erfolgt. Ob die Sparkasse nach Treu und Glauben gehandelt hat, in ihrem Geschäftspartner einen „ehrbaren Kaufmann“ sah, ist bislang unklar. Für eine Stellungnahme waren die drei Vorstandsmitglieder nicht zu erreichen.

Im Dezember 2015 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Betrugs, beantragte gleichzeitig einen Haftbefehl. Da sich der Gesuchte längere Zeit in Spanien aufgehalten haben könnte, wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht. Am Dienstagnachmittag waren die Fahnder am Ziel, nahmen den Mann um 15.30 Uhr in Hildesheim fest. Bei einer Verurteilung wegen gewerbsmäßigem Computerbetrug droht ihm pro Tat eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Von Peter Rütters 

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