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Der Norden „Die älteste Elefantenjagd der Welt“
Nachrichten Der Norden „Die älteste Elefantenjagd der Welt“
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00:15 25.10.2015
Von Gabriele Schulte
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Schöningen

Von einem „Sensationsfund“ war am Donnerstag in Schöningen immer wieder die Rede. Im früheren Braunkohletagebau neben dem Paläon-Museum im Kreis Helmstedt wurden bei Grabungen gut erhaltene Reste eines 300 000 Jahre alten Waldelefanten entdeckt – ganz in der Nähe der zuvor dort gefundenen „Schöninger Speere“. Altsteinzeitforscher präsentierten gemeinsam mit Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic Rippe und Stoßzahn. Das bisher nie Dagewesene: An der Rippe sind Spuren menschlichen Werkzeugs erkennbar. „Wir haben hier die älteste Elefantenjagd der Welt“, meint Paläon-Geschäftsführer Florian Westphal, ein Archäologe. 

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Paläontologen haben in Niedersachsen an einer mehr als 300 000 Jahre alten Tierrippe Indizien für eine der frühesten Elefantenjagden der Menschheitsgeschichte entdeckt.

Auf den ersten Blick imposanter ist der zwei Meter lange Stoßzahn aus gut erhaltenem Elfenbein, der vorübergehend im Flur des Paläon aufgebaut ist. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks haben ihn samt dem feinen Sand der Umgebung – ein früheres Seeufer – mithilfe eines Krans dorthin bugsiert. Die Rippe dagegen misst nur 40 Zentimeter, ist aber wegen ihrer sichtbaren Verbindung mit dem Menschen der Altsteinzeit das eigentlich Besondere.

„Ich gehe davon aus, dass wir hier Kratz- und Schneidespuren entdeckt haben“, sagte Prof. Thomas Terberger vom Landesamt für Denkmalpflege. Den Erkenntnissen zufolge ist der präsentierte Waldelefant vor 300 .00 Jahren vermutlich mit einer Art Schlachtwerkzeug aus Feuerstein traktiert worden – man habe ihm wohl gleich nach seinem Tod Fleisch von den Rippen geschnitten. Möglicherweise hätten die Frühmenschen in einer Gruppe Elefanten angegriffen und ermüdet, sagte Terberger. Der Urmensch könnte viel klüger und kommunikativer gewesen sein als bisher gedacht.

Überreste von Waldelefanten waren in Niedersachsen vorher schon bei Verden und auch in Schöningen entdeckt worden. Dies sei jedoch der erste Fund, der Mensch und Elefant der Altsteinzeit „direkt zusammenbringt“. Ministerin Heinen-Kljajic sagte: „Gegebenenfalls muss die Menschheitsgeschichte noch mal neu geschrieben werden.“

Dieses Ziel hat sich das Paläon ohnehin auf die Fahnen geschrieben, das direkt neben einer noch fortwährenden, wissenschaftlich begleiteten Grabung liegt. Das aufwendig gestaltete Museum, wegen seiner Kosten von 15 Millionen Euro umstritten, wurde für die „Schöninger Speere“ errichtet.

Die als älteste Jagdwaffen der Welt geltenden, mehr als mannsgroßen Holzspeere waren in den Neunzigerjahren beim Braunkohleabbau gefunden worden. Sie sollen zur Pferdejagd gedient haben und sind etwas jünger als der nun entdeckte Waldelefant. 2014, ein Jahr nach der Eröffnung, konnte das Paläon Zähne und Knochen eines Säbelzahntigers präsentieren, über den man zurzeit eine Sonderschau vorbereitet. Geschäftsführer Westphal ist überzeugt: „Es wird hier weitere Sensationsfunde geben.“

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