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Der Norden Damwild-Halter sorgen sich um ihre Zukunft
Nachrichten Der Norden Damwild-Halter sorgen sich um ihre Zukunft
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00:15 08.12.2016
Von Gabriele Schulte
„Die Tiere kennen mich gut“: Landwirt Gustav Evers hält in Müden im Kreis Gifhorn in einem Gatter fast 40 Tiere. Quelle: Villegas
Müden

Wild wirkt dieses Damwild-Rudel auf den ersten Blick nicht. Der Zuchthirsch und seine 37 Gefährtinnen und Kälber laufen auf Gustav Evers zu, als sie ihn Hunderte Meter entfernt mit einem Eimer Äpfel im Gehege erblicken. Sie drängen sich um ihren Halter, zupfen ihn am Ärmel, Einzelne stecken ihren Äser direkt in den Eimer. „Sie kennen mich gut“, sagt der Landwirt aus Müden im Kreis Gifhorn. Auch jahrzehntelange Zucht habe dazu geführt, dass das „Farmwild“ immer mehr von seiner ursprünglichen Scheu verliert.

Als Weihnachtsbraten gefragt

Als Evers’ Tochter Maren klein war, hat sie den Tieren Namen gegeben. Davon hat sich die Familie schnell wieder verabschiedet. „Das schafft zu viel Nähe“, sagt der 65 Jahre alte Nebenerwerbslandwirt, ein früherer Landesbeamter. Schließlich betreibt Evers keinen Streichelzoo, sondern will das – nicht zuletzt als Weihnachtsbraten – stark nachgefragte Fleisch vermarkten. Eine Woche zuvor ist seine Herde noch um vier Tiere größer gewesen. Zurzeit ist Hochsaison für die Schlachtung weiblicher Tiere, die im Sommer vergangenen Jahres geboren wurden. Ihre männlichen Halbgeschwister waren rund zwei Monate früher an der Reihe, um Brunftgeschmack im Fleisch zu vermeiden.

Und dann zeigt sich, dass Damwild doch kein zahmes Nutztier ist. „Die Tiere lassen sich nicht einfach festhalten wie Schafe“, sagt Evers. Statt Bolzenschussgerät ist die Büchse gefragt. Farmwild wird nicht unter Stress zu einem weit entfernten Schlachthof gefahren, sondern an Ort und Stelle erlegt. Um Panik in der Herde zu vermeiden, lockt Evers die Tiere in einen Fangflur neben dem Heuschober und schießt sie dort.

Im Heuschober hört der Landwirt sonst oft dem Damwild beim Wiederkäuen zu. Das genussvolle Knirschen, sagt er, mache ihm Freude. Ganz ohne emotionale Bindung geht es eben doch nicht: Das gilt besonders für die spät im Jahr geborenen Kälber, die von Hand aufgezogen werden mussten. Auch deshalb macht ihm große Sorgen, dass seine Tiere Opfer des in der Region aufgetauchten Wolfs werden könnten. Da die weitläufigen Wiesen von großen Bäumen umstanden sind, lässt sich ein wolfssicher eingegrabener Maschendrahtzaun dort nicht errichten.

Zurzeit treibt Evers noch eine andere Sorge um: Die Hygieneauflagen für die Vermarktung würden immer teurer. Im Namen des Vereins für landwirtschaftliche Wildhaltung hat er einen Brief an Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) mit unterschrieben. Tenor: Die Damwildhaltung ist in Gefahr. Denn nun sollen Direktvermarkter Zusatzkontrollen durch die Landesbehörde für Verbraucherschutz bezahlen; die Rede ist von mehr als 80 Euro je Tier. Dabei würden die Halter mit eigener Schlachtstätte schon jetzt streng von den Landkreisen überwacht, sagt Evers: So dürfe das Waschbecken nicht mit der Hand zu bedienen sein, sondern nur per Knie oder Lichtschranke, regelmäßig werde das Leitungswasser untersucht, und die Landwirte schickten von den abwaschbaren Wänden auf eigene Kosten Proben ein.

Medikamente sind verpönt

Dabei wissen die Kunden gerade den Kauf beim Landwirt ihres Vertrauens zu schätzen. Der setzt beim Damwild praktisch keine Medikamente ein und spritzt das Futter nicht, den Dünger für die Wiesen liefern die Tiere mit ihrem Kot weitgehend selbst. Bei Evers lassen sich an diesem Tag drei Kunden aus Braunschweig je ein halbes portionsfertig zerlegtes Tier in Wannen und Tüten packen. „Heute gibt es Steak, zur Feier des Tages“, sagt Ingrid Jaschke. Und weil die Nachfrage so groß ist, bestellt sie gleich für das kommende Jahr.

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