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Der Norden Homosexueller Lehrer gibt auf
Nachrichten Der Norden Homosexueller Lehrer gibt auf
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19:31 02.05.2012
Von Saskia Döhner
Die sexuelle Orientierung eines Lehrers hat an einer Grundschule bei Visbeck Empörung hervorgerufen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Visbek/Hannover.

Ein homosexueller Lehrer aus Bremen, der von Sommer an eigentlich die Grundschule Rechterfeld bei Visbek (Kreis Vechta) leiten sollte, hat seine Bewerbung am Mittwoch zurückgezogen. Zehn Bürger hatten bei dem katholischer Pfarrer Hermann Josef Lücker telefonisch Bedenken gegen den Pädagogen angemeldet.

Um welche Sorgen es in den Telefonaten ging und wer angerufen hatte, durfte der Geistliche nicht sagen. Er sprach allgemein von einer „Angst vor dem Anderssein“. Angerufen hätten nicht nur Eltern schulpflichtiger Kinder. Lücker informierte den Lehrer und seinen Lebensgefährten umgehend über die Anrufe. „Der Kandidat hat ein Recht darauf, das zu wissen“, sagte Lücker am Mittwoch. „Man sollte lieber miteinander als übereinander reden.“

Vor knapp zwei Wochen hatten sich der Schulvorstand der Rechenfelder Grundschule und die Gemeinde einstimmig für den Lehrer ausgesprochen. Der Bremer war ohnehin der einzige Bewerber gewesen. Bei der Landesschulbehörde hieß es, der Bewerber sei für den Job geeignet gewesen. Die sexuelle Orientierung dürfe bei der Bewertung der pädagogischen Fähigkeiten keine Rolle spielen.

Der Visbeker Bürgermeister Gerd Meyer (CDU) sagte am Mittwoch nach einem erneuten Treffen mit dem Lehrer, dass dieser für den Schulleitungsposten nicht mehr zur Verfügung stehe.„Das ist sehr schade, wir hätten ihn gern als Rektor gehabt.“

Die Schule mit den 69 Schülern und vier Lehrern wird zurzeit kommissarisch von dem früheren Rektor geleitet, der an eine Grundschule nach Visbek gewechselt war. Vor nächstem Februar wird die Stelle in Rechterfeld vermutlich nicht wieder besetzt werden. Die Grundschule ist eine katholische Bekenntnisschule in staatlicher Trägerschaft. Sie wird laut Bürgermeister Meyer von allen Kindern des 1000-Einwohners-Dorfes besucht, ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit. In sozialen Netzwerken wie Facebook war nach Bekanntwerden des Falls eine Welle der Entrüstung ausgebrochen.

Es sei sehr bedauerlich, dass Rechterfeld jetzt als Hort der Intoleranz dargestellt werde, sagte Meyer, obwohl nur wenige Bürger Bedenken geäußert hätten. Scharfe Kritik kommt auch von den niedersächsischen Parteien. „Ich würde mir wünschen, dass der Lehrer die Stelle trotzdem antritt“, sagte Björn Försterling (FDP), „von solchen Leuten sollte man sich heutzutage nicht mehr vertreiben lassen.“ Ina Korter (Grüne) forderte, dass Kirche und Gemeinde klar für den Bremer eintreten müssten. Rechterfeld dürfe nicht vor dem Diktat der Dummheit zurückweichen, sagte Hans-Henning Adler (Linke). Frauke Heiligenstadt (SPD) verwies auf das Antidiskriminierungsgesetz.

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