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Der Norden Hummer im Windpark
Nachrichten Der Norden Hummer im Windpark
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10:56 05.06.2017
Ein junger Hummer in der Aufzuchtshalle der Biologischen Anstalt Helgoland. Offshore-Windparks können möglicherweise einen neuen Lebensraum bieten. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Bremerhaven/Borkum

Der Europäische Hummer ist ein Riffbewohner, weshalb er sich vor allem auf dem Felsriff der Insel Helgoland wohl fühlt. In der Deutschen Bucht gibt es sonst nur vereinzelt felsige Gebiete. Gleichzeitig ist der Großkrebs in seinem Bestand gefährdet.

Offshore-Windparks als neuer Lebensraum

Könnten nicht ausgesuchte Windparks auf See einen neuen Siedlungsraum bieten? Schließlich werden an einigen Anlagen Kies und grobe Steine an die Fundamente geschüttet. Diese Frage stellten sich Wissenschaftler der Biologischen Anstalt Helgoland, die zum Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) gehört. Die Forscher sind der Antwort nun ein Stück näher gekommen.

2400 Tiere ausgesetzt

In einem vom Land finanzierten Pilotprojekt wurden vor drei Jahren 2400 einjährige Hummer im Offshore-Windpark "Riffgat" vor der Insel Borkum ausgesetzt. "Es gibt starke Hinweise, dass der Lebensraum geeignet ist für Hummer", sagt der AWI-Meeresökologe Roland Krone. Nach einem Jahr hatten die Wissenschaftler die vier Steinfelder überprüft, an denen sie die Tiere ausgesetzt hatten. Mindestens drei Prozent des ausgewilderten Bestandes waren an den Stellen geblieben. "Das klingt erst einmal sehr wenig", räumt Krone ein. Denn die natürliche Sterblichkeit liegt innerhalb eines Jahres nur bei 30 Prozent. Deshalb hatten seine Kollegen und er sich auch erhofft, mehr Hummer in den besetzten Steinfeldern an den Windkraftanlagen zu zählen.

Gute Bedingungen für die Tiere

Die vorgefundene Bestandsgröße entspreche aber der in natürlichen Habitaten wie vor Helgoland, so Krone. Auch seien die Hummer schneller gewachsen als in der Zucht - ein Zeichen dafür, dass sie gute Bedingungen vorfinden. "Grundsätzlich scheinen die Steinfelder in Windparks also als Lebensraum geeignet zu sein", sagt Krone.  Im Vergleich zu natürlichen Felsformationen sind die Steinfelder aber klein. "Es ist wahrscheinlich, dass sich ein bedeutender Anteil auf die übrigen Fundamente im Windpark verteilt hat", betont Krone.

Weitere Kontrollen sinnvoll

Den Verbleib der Meeresbewohner würde der Umweltwissenschaftler und Taucher gerne überprüfen. Der 42-Jährige sucht deshalb nach einer Möglichkeit, eine umfassendere Kontrolle zu finanzieren, diesmal dann an 17 der insgesamt 30 Windmühlen. "So könnte man einen verlässlichen Überblick über die Hummer und auch die Entwicklung der übrigen Riffbewohner gewinnen."

Das erste Projekt hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit knapp 700.000 Euro finanziert. Das Geld stammte aus Mitteln, die der Errichter von "Riffgat", der Oldenburger Energiekonzern EWE, als Ausgleich für den Eingriff in die Natur geleistet hatte. EWE hatte den Windpark für das erste Forschungsvorhaben nach eigenem Bekunden gerne freigegeben. Auch eine künftige Unterstützung des Projekts sei "grundsätzlich vorstellbar", sagt ein Sprecher. Allerdings nicht in finanzieller Hinsicht.

Hummer-Bestände erholen sich

AWI-Wissenschaftler erforschen seit 20 Jahren, wie die Hummer-Bestände in der deutschen Nordsee wieder vergrößert werden können. Nach den Bombardements im und nach dem Zweiten Weltkrieg und einer intensiven Fischerei war die Population vor Helgoland stark eingebrochen, seitdem hat sie sich nie erholen können. Mehr als 12.000 Jungtiere hat das AWI seit 1999 vor der Nordseeinsel zu Forschungszwecken ausgesetzt. Eine hohe Hummerpopulation gewährleiste eine hohe Artenvielfalt und eine natürliche Struktur in der Nordsee, betont Krone. Der Forscher würde sich deshalb wünschen, dass mit den Offshore-Windparks weitere geeignete Habitate entstünden. Der Taschenkrebs - immerhin - hat sich im "Riffgat"-Feld schon ganz allein angesiedelt, in friedlicher Koexistenz mit dem Hummer.

dpa

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