Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Warum gibt es diesen Hype um Spargel?

Im Ausland uninteressant Warum gibt es diesen Hype um Spargel?

Ob Nienburger oder Burgdorfer Spargel – die Deutschen und besonders die Niedersachsen fiebern jedes Jahr der ersten Ernte entgegen, um dann bis zum 24. Juni das Stangengemüse zu genießen. Aber warum eigentlich? Was in Deutschland alljährlich einen Hype auslöst, interessiert im Ausland kaum Köche.

Voriger Artikel
LKA-Zahlen zeigen Anstieg bei Flüchtlingskriminalität
Nächster Artikel
Göttingen demonstriert für freie Wissenschaft

Gilt in Deutschland als Delikatesse, im Ausland versteht niemand den Hype: Es ist wieder Spargelsaison.

Quelle: dpa

Hannover/Köln. Es gibt zwei Dinge, die Deutsche im Ausland für gewöhnlich vermissen: Schwarzbrot und Spargel. Dass man das Brot andernorts lieber fluffig als fest isst, mögen viele noch wissen. Dass der Spargel aber in vielen Teilen der Welt kaum verbreitet ist, kommt als böse Überraschung. Man kann sich dann glücklich schätzen, wenn man nach langem Suchen auf obskuren Stadtteilmärkten irgendwann einen kleinen Bund grünen Spargels ergattert, oft zu horrenden Preisen. In solchen Momenten plant man den nächsten Heimflug für die Spargelzeit ein. Oder gleich die dauerhafte Rückkehr.

Die deutsche Begeisterung für die bleichen Stangen ist ein Phänomen. Jedes Frühjahr beginnt der Hype aufs Neue. Dann bewegt Deutschland die Frage: Wann schießt der Spargel? Jahr für Jahr verzehren die Deutschen größere Mengen der Liliengewächse: 2016 waren es nach Angaben der Marktforscher von Agrarmarkt-Information (AMI) in Bonn 120 000 Tonnen - so viel wie nie zuvor. Die Bundesländer mit der größten Anbaufläche sind Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

Spargelanbau bei Bauer Heuer in Fuhrberg.

Zur Bildergalerie

Das einstige Königsgemüse ist damit zur Stangenware herabgesunken. Einst war es eine an Dekadenz grenzende Spezialität, erschwinglich nur für die Reichen - ein Mehrgänge-Menu begann man seinerzeit gern mit Drossel auf Spargel. Erst in den letzten Jahrzehnten verlor der Spargel vollends den Nimbus der exklusiven Delikatesse und wurde sozusagen demokratisiert.

Seitdem kann man sich nicht mehr durch den Verzehr an sich profilieren, sondern höchstens noch dadurch, wie man das Gemüse verkostet: immer von der Spitze zum Stiel, sagen Ratgeber. Dagegen gilt es heute nicht mehr als barbarisch, beim Spargelessen Besteck zu benutzen. Auch die frühere Methode, mit der Gabel ins dicke Ende der Stange stechen und sie alsdann zum Mund zu balancieren, um im richtigen Moment den Kopf abzubeißen, ist aus der Mode gekommen. Im Kölschen gibt es übrigens den Ausdruck "Dat hät en Schnüss, dat kann de Sparjel quer essen." (Sie hat einen Mund, mit dem sie Spargel quer essen kann.) Das ist aber nur eine Redensart für Leute mit auffallend breitem Mund.

Spargel im März - das begeistert nicht alle Verbraucher. Wir haben nachgefragt.

Zur Bildergalerie

In Köln hängt der Spargel sogar millionenschwer im Museum: Edouard Manet malte ihn um 1880. Nach Angaben des römischen Geschichtsschreibers Plinius schossen die Spargelstangen in Germanien schon in der Antike aus dem Boden. Im Mittelalter verschwand das Gemüse und feierte dann im 16. Jahrhundert, aus Frankreich kommend, sein Comeback.

Natürlich gibt es auch Leute, die sich nichts aus Spargel machen, sogar in Deutschland. Fast alle Kinder gehören dazu - sie hassen den Spargel wie Spinat. Andere fühlen sich durch den charakteristischen Geruch des Spargelurins abgestoßen. Berühmt ist eine Szene aus Marcel Prousts Jahrhundertroman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", in der sich ein Nachttopf nach einem ausgiebigen Spargelessen "in ein Parfümgefäß verwandelt". Im französischen Original: "un vase de parfum". Proust verglich den Effekt mit einer "Feenkomödie von Shakespeare".

Den Verächtern bleibt die Gewissheit, dass jede Spargelsaison einmal ihr Ende hat. Spätestens Ende Juni ist Schluss, gemäß der alten Bauernregel: "Kirschen rot, Spargel tot".

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der Norden
So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Esel schützen Schafe vor Wölfen

Klaus und Claus heißen die beiden Esel, die die Schafherde von Kay Krogmann vor Wölfen schützen sollen.