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Alte Dampfmaschine für Senfproduktion liebevoll saniert

Industriedenkmal in Eystrup Alte Dampfmaschine für Senfproduktion liebevoll saniert

In Eystrup haben die Freiwilligen der Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman die alte Dampfmaschine der Senffabrik Leman restauriert. Und gleich nebenan können die hochwertigen Senf- und Essigsorten sowie Speiseöle verköstigt werden.

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Majestätische Maschine: Wolfram-Wernher Köhr (v. li.), Walter Müller und Axel Meng haben sie mit viel Liebe und in vielen Tausend Stunden Arbeit restauriert.

Quelle: Villegas

Eystrup. Wenn das keine Liebe ist. Da stehen sie alle drei um das große schwarze Ungetüm herum. Ihre Augen leuchten. Sie lauschen dem Surren der Räder und Ventile und Pleuelstangen. In ihren Gesichtern kann man lesen, dass sie hier jeden Quadratzentimeter Gusseisen mit den eigenen Fingern angefasst, jede Schraube gedreht, jedes Verbindungsstück von Hand geölt haben. Man kann Hingabe in ihren Gesichtern lesen. Und Stolz. Sie haben allen Grund, stolz zu sein.

Die "Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman“ ist ein Museum in Eystrup, produziert mit den alten Maschinen aber Senf.

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Die drei, das sind Wolfram-Wernher Köhr, Axel Meng und Walter Müller. Sie stehen im sogenannten Krafthaus der Senf- und Essigfabrik Leman in Eystrup um die große alte Dampfmaschine herum. Eystrup gehört zur Samtgemeinde Grafschaft Hoya im nördlichen Landkreis Nienburg. Das Krafthaus ist der Teil der Firma Leman, aus dem früher die elektrische Energie kam, erzeugt mit eben jener Dampfmaschine. Sie stammt aus der Maschinenfabrik Möller in Brackwede, der Kessel dazu ist ein Hanomag von 1911. Die damaligen Firmeninhaber haben das alles Mitte der Zwanzigerjahre gebraucht gekauft.

Das Krafthaus ist ein Museum. Aber die Firma Leman ist ein nach wie vor produzierender Betrieb. Vergangenheit und Gegenwart existieren nebeneinander. Und ein bisschen Zukunft ist auch zu sehen.

Sie eint das Interesse an Technik

Wolfram-Wernher Köhr, Axel Meng und Walter Müller gehören zur „Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman“, die eine Abteilung des örtlichen Heimatvereins ist und aus zwei Handvoll Menschen besteht. Sie haben sich 2011 zusammengefunden, weil sie nicht mit ansehen wollten, dass etwas Unwiederbringliches verloren ging, nämlich die historischen Teile der Senffabrik. Was sie eint, ist das Interesse an Technik. Köhr ist 63 und pensionierter Berufssoldat und hat immer auch als Fahrlehrer und TÜV-Prüfer gearbeitet. Meng, 57, ist Fernsehtechniker und restauriert aus Leidenschaft Traktoren. Müller ist 79 und im Krafthaus der Firma Leman nahezu zu Hause: Er war Betriebsschlosser in dem Unternehmen.

Die Firma wurde 1809 von einem gewissen Johann Ludwig Leman gegründet, dessen Familie aus Pommern stammte und eigentlich Lemanowski hieß, den Namen aber eingedeutscht hatte. Senf kannte man damals in der Region nur als Gründüngung auf dem Acker. Leman brachte das Gewürzherstellungsverfahren aus Frankreich mit nach Eystrup.

In besten Zeiten beschäftigte die Firma 160 Leute. Um die Jahrtausendwende herum aber wechselten die Besitzer zweimal, die Finanzen wurden wackelig, und als 2009 eigentlich das 200-jährige Jubiläum anstand, war der Betrieb pleite. Siegfried Heidorn, ein Unternehmer aus dem nahen Heemsen, kaufte schließlich die Firma. Die Fabrik stellt also weiterhin hochwertige Essig- und Senfsorten und Speiseöle her - aufwendig produziert, mit guten Zutaten, keine Allerweltsdiscounterprodukte.

Das nächste Projekt wartet

Aber die alte Technik war schon lange nicht mehr nötig. Den Drehstrom, den Leman sich früher selbst mit der Dampfmaschine und ihrem zweieinhalb Meter großen und 20 Tonnen schweren Schwungrad produzierte - 400 Volt, die in einem acht Zentimeter dicken Kabel zum Schaltschrank flossen - konnte man schon in den Sechzigerjahren billiger zukaufen. Immerhin kam die Dampfmaschine 1972 noch mal zum Einsatz, als der Orkan Quimburga in der Region hektarweise Wälder abrasierte und Stromleitungen zerfetzte.

Dann aber drohte alles zu zerfallen. Doch Wolfram Wernher Köhr und seine Kameraden verstanden sich gut mit Siegfried Heidorn und begeisterten ihn und die Gemeinde für ein Mammutvorhaben: Restaurierung. Sie sammelten Spenden und bekamen Geld aus den Töpfen für die Städtebauförderung, sie räumten fünf Tage lang mit sechs Mann Metallschrott und Schutt aus den historischen Gebäuden. Maschinenteile wurden zerlegt, gereinigt, geschmiert, wieder zusammengebaut, die Räume wurden renoviert. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft schufteten 9000 Stunden, ehrenamtlich, versteht sich. 200.000 Euro hat das alles trotzdem gekostet.

Jetzt läuft die Dampfmaschine mit ihrem Hoch- und ihrem Niederdruckzylinder wieder, leichtgängig und erstaunlich leise und majestätisch, wie geschmiert - und das ist sie ja auch. Nur Strom erzeugt sie nicht, es wäre zu kompliziert, ihn ins Netz einzuspeisen. Köhr und seine Freunde führen alles vor und erklären jedes Detail geduldig. Dann gehen sie in den Nebenraum, ihr „Dampfcafé“, und decken die Tische. Eine Besuchergruppe hat sich angekündigt. Etliche Tausend Gäste kommen jedes Jahr.

Wie geht es weiter? Köhr deutet zum Mühlengebäude der Firma hinüber, noch nicht renoviert, drei Stockwerke hoch plus Silo, und innen warten fünf historische Senfmühlen aus den Dreißigerjahren unter viel Senfstaub auf den Tag ihrer Wiederbelebung. „Das da“, sagt Köhr, „ist das nächste Projekt für unsere schlaflosen Nächte.“

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