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Der Norden 26-Jähriger gesteht Planung eines Anschlages
Nachrichten Der Norden 26-Jähriger gesteht Planung eines Anschlages
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21:21 20.09.2017
Der Angeklagte Sascha L. wird in Handschellen in die Schutzkammer des Landgerichts Braunschweig geführt. Quelle: dpa
Northeim/Braunschweig

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Braunschweig der Prozess gegen einen bekennenden IS-Sympathisanten aus Northeim begonnen. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle wirft dem 26-jährigen Sascha L. vor, einen Sprengstoffanschlag gegen Polizisten oder Bundeswehrsoldaten geplant und vorbereitet zu haben. Sie hat ihn wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie unerlaubten Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen angeklagt. Drei weitere Mitangeklagte - der 21-jährige deutsche Staatsangehörige Wladislav S. aus Katlenburg-Lindau (Kreis Northeim), der 27-jährige Afghane Masie S. aus Bünde (Westfalen) und der 28-jährige Türke Alpaslan Ü. aus Köln - sollen ihn in dem Plan bestärkt und Beihilfe geleistet haben.

Mehrere Sicherheitsschleusen

Die Verhandlung begann mit halbstündiger Verspätung, weil zahlreiche Journalisten und mehr als ein Dutzend weitere Prozessbesucher mehrere Sicherheitsschleusen passieren mussten und erst nach umfangreichen Kontrollen einzeln in den Gerichtssaal eingelassen wurden. Zu den Besuchern gehörte auch Wladislav S., der als einziger der Angeklagten zwischenzeitlich aus der Untersuchungshaft entlassen wurde und sich auf freiem Fuß befindet. Die anderen drei Angeklagten, die in unterschiedlichen Gefängnissen einsitzen, wurden von vermummten Sicherheitsbeamten in den Saal geführt. Sascha L. trug sowohl Hand- als auch Fußfesseln.
Der 26-Jährige räumte die Anklagevorwürfe weitgehend ein, betonte aber, dass er zum Zeitpunkt seiner Festnahme im Februar von seinen Anschlagsplänen wieder Abstand genommen habe.

Konkrete Vorbereitungen

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft Sascha L. vor, bereits konkrete Vorbereitungen für einen Sprengstoffanschlag gegen Polizisten getroffen zu haben. Der 26-Jährige habe mehrere Sprengsätze selbst hergestellt und im Januar dieses Jahres auf dem Tourlaviller Wall in der Innenstadt von Northeim und am Northeimer Freizeitsee an der A 7 getestet. Er sei fest entschlossen gewesen, zuvor angelockte Polizeibeamte per Fernzündung mit einem Sprengsatz aus 15 Metern Entfernung zu töten. Alternativ hätte er Bundeswehrsoldaten auf dem Heimweg in die Luft sprengen wollen.
Spätestens im Dezember 2016 habe er sich alle notwendigen Materialien und Chemikalien verschafft, unter anderem Aceton, flüssigen Wasserstoff und Schwefelsäure. Bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte, nahm ihn die Polizei im Februar in seiner Wohnung in Northeim fest.

Vor dem Landgericht Braunschweig hat am Mittwoch der Prozess gegen Sascha L. begonnen, dem die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen wird. 

Ende April wurden die drei Mitangeklagten festgenommen. Nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft hatten sie ihn in seinem Vorhaben bestärkt und teilweise mit Geld unterstützt. Während zwei von ihnen vor allem seine islamistische und antisemitische Haltung teilten, sei Wladislav S. ein Anhänger des Nationalsozialismus. Er habe Sascha L. bei den Sprengstofftests begleitet und diese auf Video aufgenommen. Beide hätten eine ausgeprägte antisemitische Haltung, sie betrachteten alle deutschen und US-amerikanischen Soldaten und Polizisten laut Anklageschrift als „Judendiener“.
Sascha L. gab sich zu Prozessbeginn ausgesprochen redselig. Seinen Angaben zufolge hatten die beiden Angeklagten aus Nordrhein-Westfalen von seinen Anschlagsplänen nichts gewusst. Sie hätten ihm Geld überwiesen, weil er sich kein Essen mehr habe kaufen können, da er so viel Geld für die Materialien zum Bombenbau ausgegeben habe.

Ausreise nach Syrien geplant?

Als Motiv für die Anschlagspläne gab er an, dass er sich geärgert habe, weil die Polizei zuvor mehrere Hausdurchsuchungen bei ihm vorgenommen und er seinen beschlagnahmten Computer nicht zurückbekommen habe. Außerdem habe er 600 Euro zahlen müssen, weil er eine Aufnahme mit einer IS-Flagge verbreitet hatte. Seiner Ansicht nach befindet sich der IS „im Kriegszustand mit der BRD“. Die Ermittler hatten damals den Verdacht, dass er nach Syrien ausreisen wollte, weil er im Sommer 2016 eine Anfrage an eine entsprechende Organisation gestellt hatte. Kurz bevor die Polizei im Februar erneut bei ihm auftauchte, habe er einen Sinneswandel gehabt und von seinen Anschlagsplänen Abstand genommen, sagte der 26-Jährige.

Der Prozess wird Mitte Oktober fortgesetzt. Insgesamt hat das Gericht 14 Verhandlungstage anberaumt.

Von Heidi Niemann

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