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Der Norden Immer mehr Cyber-Attacken in Niedersachsen
Nachrichten Der Norden Immer mehr Cyber-Attacken in Niedersachsen
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00:22 02.10.2015
„Das Ziel ist es, an Geld zu kommen“: Kriminelle versuchen zunehmend Passwörter aus dem Datenstrom des Internets zu fischen. Quelle: Boris Roessler
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Hannover

Eine sogenannte Dunkelfeld-Befragung von 40 000 Niedersachsen hatte vor zwei Jahren ergeben, dass neun von zehn Attacken im Internet nicht gemeldet werden, selbst wenn die Betrüger Geld erbeutet haben. Bei Viren und Trojanern, die Daten zerstört haben, meldet sich noch nicht einmal jedes 20. Opfer bei der Polizei. Ein Diebstahl wird angezeigt, ein Internet-Fischzug nicht - vermutlich weil die Opfer sich schämen, einem billigen Trick auf den Leim gegangen zu sein. Dabei geht es bei Cyberkriminalität um dieselben Dinge wie im realen Leben, meint Gerhard Schmoll, Sachgebietsleiter für Cybercrime beim niedersächsischen Landeskriminalamt. „Das Ziel ist es in vielen Fällen, an Geld zu kommen.“ Die Methoden, um dieses Ziel zu erreichen, hätten sich allerdings stetig weiterentwickelt.

Auch die Zahl der Attacken steigt: Wurden in Niedersachsen im Jahr 2007 noch 100 Angriffe auf Online-Banking registriert, waren es 2015 bislang schon über 2000. Die einzelnen Schäden können enorm sein. Gelingt dem Cyberkriminellen der Zugriff auf das Konto, sind im Schnitt 3000 bis 10.000 Euro weg. In einem Fall, bei dem gerade eine Hausfinanzierung anstand, fehlten anschließend sogar 200 000 Euro.

Plumper Trick hat Erfolg

Den Anfang machte vor Jahren der sogenannte BKA-Trojaner. Eine Schadsoftware, die den Computer sperrte und dem Benutzer nur noch eine Nachricht zeigte, die angeblich vom Bundeskriminalamt (BKA) kam: In oftmals fehlerhaftem Deutsch („Es wurde folgender Verstoß festgestellt“), aber garniert mit Polizei-Logos erfuhr der Benutzer, dass von seinem Rechner aus Kinderpornos abgerufen worden sein sollten. Der Benutzer sei daher verpflichtet, 100 Euro Strafe zu zahlen, danach würde der Computer wieder freigeschaltet. Ein plumper Trick, der aber oft genug funktionierte, weil viele lieber zahlten, als mit Kinderpornos in Verbindung gebracht zu werden. Dass nach der Lösegeldzahlung der Rechner wieder freigeschaltet wurde, ist nicht gesagt - oft genug blieben die Kisten schwarz.

Wie kann ich mich schützen?

Jeder Nutzer kann selbst viel gegen Angriffe aus dem Internet tun. Unter
 www.polizei-praevention.de finden sich aktuelle Nachrichten zu Schadsoftware sowie hilfreiche Tipps und Hinweise was zu tun ist, wenn der Cyberangriff doch erfolgreich war. „Man sollte in jedem Fall die Polizei einschalten“, sagt Fahnder Jens Kolpack. Folgende Tipps sorgen für Sicherheit:

  • E-Mails unbekannter Herkunft sollten nicht geöffnet werden. Im Zweifel lieber löschen.
  • Bei Einkäufen im Internet ist Misstrauen angebracht: Wie seriös wirkt der Anbieter?
  • Bei Bankgeschäften sollten nie per E-Mail zugesandte Links genutzt werden.
  • Eine sichere Verbindung zur Bank ist Pflicht, die Adresszeile muss mit „https“ beginnen.
  • Passwörter sollten aus einer unvorhersehbaren Kombination von Zeichen bestehen.
  • Gewinnspiele und Gratisangebote sollen in der Regel nur die Daten der Nutzer abgreifen.     

Der BKA-Trojaner spiele mittlerweile keine Rolle mehr, sagt Schmoll. Anders als dieser legt es neue Software darauf an, vom Nutzer des befallenen Computers gar nicht bemerkt zu werden. Die Programme spähen Rechner nach ihren Sicherheitslücken aus - einer veralteten Browser-Version, nicht vorhandenem Virenschutz - und nisten sich auf dem Rechner ein. Ohne dass der Nutzer es merkt, wird der Computer dann dazu benutzt, Spam-Mails zu verschicken oder als Tarnung (Proxy) für kriminelle Aktivitäten benutzt zu werden. „Wenn es geschickt gemacht ist, bemerkt der Nutzer des PCs nicht, was mit seinem Rechner geschieht“, sagt Schmolls Kollege Jens Kolpack.

Die Scham der Opfer, die sich in der niedersächsischen Dunkelfeldstudie zeigt, ist aber in gewissem Sinne begründet: Denn die größte Schwachstelle ist der Mensch - weil er einen verseuchten Link anklickt oder eine Datei öffnet. Um ihn zu diesem Schritt zu bewegen, werden die Hacker kreativ. „Es ist immer eine Geschichte, die erzählt wird“, so Kolpack: Es kann eine Liebesgeschichte sein, wie die der 59-jährigen Göttingerin, die glaubte, über das Internet mit einem kanadischen General romantische Bande geknüpft zu haben, in Wahrheit aber von einer nigerianischen Bande dazu gebracht wurde, 240 000 Euro zu überweisen. Cybercrime ist kein Geschäft für Einzeltäter, aber es sind auch keine großen mafiaähnlichen Organisationen, die sich den Markt aufteilen. Stattdessen hat sich ein Marktplatz für Kriminelle aufgetan, auf dem man jede Dienstleistung einkaufen kann. „Es gibt da keine festen Strukturen, keine Hierarchien. Die Täter unterstützen sich gegenseitig“, so Kolpack. Sogar Hotlines und Garantie-Leistungen werden in der Untergrund-Marktwirtschaft nach BKA-Erkenntnissen angeboten. „Einer bietet E-Mail-Adressen mit Passwörtern an, der nächste hat eine Schadsoftware geschrieben“, beschreibt Kolpack diesen Austausch.

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