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Leos letzte Reise

Kleintierkrematorium Leos letzte Reise

Immer mehr Tierhalter lassen ihre Lieblinge nach deren Tod einäschern. Sie sehen darin eine echte Alternative zur Abdeckerei. Denn das ist der Ort, an dem tote Haustiere meist landen - zusammen mit Abfällen aus den Schlachthöfen. Ein Besuch im Kleintierkrematorium in Badbergen.

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„Wir machen das für die Menschen, die übrig bleiben“: Hund Leo auf dem Totenbett im Krematorium „Im Rosengarten“.

Quelle: Alexander Körner

Badbergen. Gedankenverloren rührt Marion Tepperwein in der Porzellantasse mit dem Milchkaffee. Gleich wird sie Leo zum letzten Mal sehen, ihm zum letzten Mal über das weiche Fell streicheln. Friedlich wird er vor ihr liegen, den Kopf auf ein Kissen gebettet, über die Hinterläufe eine dunkelrote Decke gebreitet. Er wird aussehen wie immer, wenn er gerade tief schläft. Doch Leo lebt nicht mehr. Vor ein paar Tagen musste Marion Tepperwein ihren Hund einschläfern lassen.

Jetzt möchte sie ihm Auf Wiedersehen sagen, bevor er seine letzte Reise antritt: in den Ofen des Kleintierkrematoriums „Im Rosengarten“.

Marion Tepperwein kennt das Prozedere. Leo ist das 16. Tier, das sie im Tierkrematorium am Rande des 3000-Seelen-Dorfs Badbergen bei Osnabrück einäschern lässt. Erst im Juni war die Bremerin, die hin und wieder in der Gastronomie arbeitet, mit einer Katze hier. Deren Asche steht nun auch in einer kleinen Tierurne in einem Regal bei ihr zu Hause. Daneben ist schon ein Platz für Leo freigeräumt.

Es ist längst zu einem Trend geworden, die Asche des verstorbenen Haustiers aufzubewahren. Schätzungen des Bundesverbands der Tierbestatter zufolge werden etwa acht Prozent aller deutschen Hunde und sechs Prozent der Katzen nach ihrem Tod auf Tierfriedhöfen bestattet oder eingeäschert - Tendenz steigend. Die Zahl der Tierkrematorien ist deutlich gestiegen. Der Rosengarten in Badbergen öffnete 2002 als zweites Tierkrematorium in Deutschland, heute gibt es bereits 28 solcher Institute.

„Ich konnte Krümel nicht einfach wegwerfen“

Marion Tepperwein hatte diese Möglichkeit der Tierbestattung entdeckt, nachdem ihr geliebter Kater Krümel gestorben war. „Ich konnte Krümel nicht einfach wegwerfen“, sagt sie. Also forschte ihr Sohn nach Alternativen zur Abdeckerei. Denn das ist der Ort, an dem tote Haustiere meist landen - zusammen mit Abfällen aus den Schlachthöfen.

Dort werden sie weiterverarbeitet, zu Schmieröl etwa oder zu Füllmaterial für den Straßenbau. Dieses Schicksal wollte Tepperwein ihrem Kater Krümel unbedingt ersparen. „Wir hatten zuerst an einen Tierfriedhof gedacht, aber bei einer Anfrage erfuhren wir, dass das Grab nur maximal vier Jahre gemietet werden kann“, erzählt Holger Tepperwein. Am Ende stießen Mutter und Sohn auf das Angebot des Rosengartens.

Das deutschlandweit agierende Unternehmen bietet seinen Kunden mehrere Optionen an. Es gibt die sogenannte Basiskremierung, bei der das Tier zusammen mit anderen verbrannt und auf den Wiesen am Dorfrand von Badbergen verstreut wird. Bei der Gemeinschaftskremierung landet die Asche anschließend auf einer Streuwiese im Krematoriumsgarten. Und bei der Einzelkremierung kann der Tierhalter selbst entscheiden, ob er die Überreste seines Haustiers verstreuen, begraben oder in einer Urne mit nach Hause nehmen möchte. „Einzelkremierungen sind mit Abstand die häufigsten Aufträge“, sagt Unternehmenssprecher Emanuel Holle. Sie machten 80 Prozent der Aufträge aus. In zehn Prozent der Fälle kommen Herrchen oder Frauchen mit nach Badbergen.

Was anschließend mit der Asche passiert, kann Holle nur vermuten. Die steigende Nachfrage nach Urnen legt nahe, dass viele die Überreste ihrer Lieblinge zu Hause aufbewahren. Rund 2000 Urnenmodelle hat der Rosengarten im Angebot, von der einfachen Spanschachtel für 15 Euro bis zur etwa 500 Euro teuren Marmorpyramide. „Alles in allem kann man für die Kremierung einer Katze oder eines kleinen Hundes mit etwa 300 Euro rechnen“, sagt Holle. Der Preis geht nach Gewicht, für große Hunde ist der Halter mit 400 bis 500 Euro dabei.

Wer sich das leistet? „Nicht nur alte Menschen“, sagt Holle. Er habe schon Jugendliche empfangen, die das letzte Taschengeld zusammengekratzt hatten, um ihr Tier einäschern zu lassen. Viele Familien verabschiedeten hier Hund, Katze oder Kaninchen. Und dann sind da die Alleinlebenden. Sie hängen oft besonders an ihrem Tier, es ist Freund und Familienersatz zugleich. Holle zeigt auf das Gräberfeld im Garten. Auf einem Foto ist eine West Highland Terrier-Hündin zu sehen, darunter ließ ihr Besitzer in Stein gravieren: „Abenteurerin, Weltenbummlerin, Copilotin“. „Da weiß man, welchen Stellenwert die Hündin bei ihrem Herrchen hatte“, sagt Holle.

Für Marion und Holger Tepperwein geht es jetzt aufs Abschiednehmen zu. Eine Mitarbeiterin führt sie in den Raum, in dem Leo aufgebahrt liegt. Leise erzählt Marion Tepperwein Leo von der Urne, die sie für ihn ausgesucht haben: ein dunkles Keramikherz mit weißen Sprenkeln. Dann wird Leo von einer hydraulisch betriebenen Maschine in den leuchtenden Ofenschlund geschoben. „An diesem Punkt ist es bei den meisten mit der Selbstbeherrschung vorbei. Dann fließen auch bei den Männern die Tränen“, sagt Holle. Um diesem Augenblick den Schrecken zu nehmen, ist an der Wand ein großes beleuchtetes Landschaftsbild installiert. Es zeigt einen Regenbogen über einem Rapsfeld. Holle weiß: „Wir machen das im Endeffekt nicht mehr für das Tier, sondern für den Menschen, der übrig bleibt.“

Das sagt das Gesetz

Man kennt das Bild aus zahlreichen amerikanischen Filmen, doch die Urne mit Großmutters Asche auf den Kaminsims zu stellen, ist in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen verboten. Die Asche von Haustieren jedoch darf ohne Weiteres in der Urne zu Hause aufbewahrt werden. Der Unterschied ist im Gesetzbuch zu finden. Für Menschen gilt die sogenannte Bestattungspflicht, die – religiös motiviert – eine Beisetzung in Erde oder Wasser zur Pflicht macht. Für Tiere dagegen gilt nur eine Entsorgungspflicht, was bedeutet, dass die Überreste der Tiere nicht irgendwo zum Verrotten hingelegt werden dürfen. Mit der Kremierung ist dieser Grundsatz erfüllt, deshalb darf der Besitzer anschließend selbst entscheiden, was er mit der Asche seines Tieres tut.

Bis auf zwei Ausnahmen darf er sie allerdings auch nicht mit ins eigene Grab nehmen. Nur in der Nähe von Essen und Koblenz gibt es seit Juni sogenannte Mensch-Tier-Friedhöfe, auf denen Urnen mit menschlicher Asche zusammen mit den Überresten des Lieblingstieres bestattet werden dürfen. Ein Grab kostet dort zwischen 1300 und 1800 Euro und wird für 20 Jahre vermietet.

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