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Der Norden 8000 Fantasy-Fans kämpfen um Mythodea
Nachrichten Der Norden 8000 Fantasy-Fans kämpfen um Mythodea
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08:53 04.08.2017
Sieht gruselig aus, ist aber ein Freizeitspaß für 8000 Teilnehmer aus aller Welt: Das Fantasy-Rollenspiel "ConQuest of Mythodea" in Brokeloh. Quelle: dpa

Vor der „Weltenschmiede“, dem Quell aller Schöpfungskraft „Mythodeas“, tobt ein erbitterter Kampf. Böse und furchterregende Gestalten wie das „Schwarze Eis“, das „Untote Fleisch“, die „Ölige Pestilenz“ und die „Armee des Zweifels“ verteidigen die wichtige Festung. Die Spieler müssen diese zurück erobern, sonst sieht es schlecht aus für den Kontinent „Mythodea“. 

Die Schlachtenwiese befindet sich auf dem Rittergut Brokeloh bei Nienburg, die „Weltenschmiede“ ist eine Burg aus Holzbrettern mit Türmen und Eingängen. Das „Larp“ genannte Live-Action-Rollenspiel „ConQuest of Mythodea“ hat begonnen, rund 8000 Teilnehmer aus aller Welt sind in das beschauliche Dorf Brokeloh gekommen. Beim Kampf um den Kontinent erleben sie in der Fantasiewelt spannende Abenteuer.

Einmal im Jahr ist in dem kleinen Ort Brokeloh im Kreis Nienburg die Hölle los: 8000 Teilnehmer machen dann beim Live-Action-Rollenspiel "ConQuest of Mythodea" mit. Mit viel Liebe zum grausigen Detail.

Unter ihnen ist die „mystische Mette“, eine Trickbetrügerin. Sie kämpft zwar nicht mit Waffen, aber mit Köpfchen: „Mit einem bereits zerbrochenen Topf remple ich jemanden an, lasse dann den Topf fallen und behaupte, der andere hätte ihn kaputt gemacht“, erklärt die junge Frau in einem mittelalterlichen Lederkostüm ihre Rolle. Dann fordere sie Bares für das teure Erbstück. In Wirklichkeit kommt Isabel aus Kiel, ist 37 Jahre alt und Psychologin von Beruf.

Sie treibt sich in der Stadt „Tross“ herum. Die Spieler lassen sich dort Quarkbällchen, Barbarenspieße, Zwergenschmaus und ofenfrische Laibereien - also Brot - schmecken und trinken Met. Auch „Ott“, ein Landsknecht aus dem 13. Jahrhundert, hängt in einer zwielichtigen Spelunke herum. Er trägt eine Rüstung, Helm und Schwert. Seine Aufgabe: „Rumpöbeln, Bier trinken und Schlachten schlagen“, sagt Eicke lachend, der sich hinter der Figur verbirgt. Der 20-Jährige kommt aus Scheeßel und arbeitet als Zahntechniker.

In der Stadt gibt es auch eine Armenmission, die Obdachlosen hilft. Künstler haben ihre Zelte aufgeschlagen, ebenso eine Knochenbrecherei, eine Wahrsagerin mit Kristallkugel sowie die Zeitung „Der Fuchsbote“, die täglich zweimal erscheint.

„Larp lebt von sozialen Aspekten, die in der Stadt und im Lager erfolgen“, erklärt Djordje Atlialp vom Organisationsteam. Die Stadt sei zentraler Treffpunkt für alle Spieler. Dort kämen Menschen aus allen sozialen Schichten zusammen. „Es gibt einen hohen Grad an Detailliebe bei der Gestaltung, das ist beeindruckend“, sagt Atlialp. Auch die aufgebauten Kultstätten mit Bibliotheken und Zünften seien fantastisch, man sei sofort in einer anderen Welt – das sei der eigentliche Aufhänger des Larps.

„Das Mittelalter hat Konjunktur. Rollenspiele, Mittelaltermärkte und Unterhaltungsformate wie Game of Thrones belegen die Attraktivität des Mittelalters in der Gegenwart“, sagt Christoph Dartmann, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Hamburg. Dabei würden Klischees bemüht, die nur eingeschränkt mit den historischen Gegebenheiten zu tun hätten: Ritter und edle Fräulein, Schmutz und Gewalt, eingeschränkte Hygiene und religiöser Fanatismus. „Dennoch scheint es eine starke Sehnsucht danach zu geben, aus der unübersichtlichen Gegenwart auszusteigen und sich in eine scheinbar übersichtlichere, weniger zivilisierte, ursprünglichere Zeit hineinzuversetzen“, sagt Dartmann.

Das ConQuest begeistert auch „Osmond“. Er ist Kommandant der Heereswacht, die für Recht und Ordnung sorgt. Noch ist das Gefängnis leer, doch bald werden hier die ersten Diebe sitzen. „Welcome to Hell“ ist in roter Farbe auf die Holzwand geschrieben. Es gibt eine Toilette, einen Fluchttunnel – und Maschendraht, der aber aus Leder ist. „Osmond“, der eigentlich Okko heißt, lässt sich von Magieren und Alchimisten bei der Aufklärung von Verbrechen helfen. „Wir nutzen forensische Alchemie und den Tintenkleckstest“, erklärt der 41-Jährige IT-Teamleiter aus Frankfurt.

Der Veranstalter Live Adventure Event hat für das fünftägige „ConQuest of Mythodea“ mehr als 120 Tonnen Kulissen und mittelalterliches Equipment auf dem Rittergut aufgebaut. Seinen Angaben zufolge ist es das weltweit größte interaktive Festival dieser Art.

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