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Initiative Tierwohl verärgert die Landwirte

Artgerechte Haltung Initiative Tierwohl verärgert die Landwirte

Unter Niedersachsen Bauern gibt es ein großes Interesse an Fördergeldern für artgerechte Haltung. Viele Landwirte gehen bei der Initiative Tierwohl aber leer aus. Allerdings wachsen die Zweifel, ob die Initiative Tierwohl tatsächlich ihren Namen verdient.

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Schwein gehabt – ausreichender Platz im Stall ist eine Grundvoraussetzung für eine artgerechte Tierhaltung. 

Quelle: dpa

Hannover. Hunderte Landwirte in Niedersachsen warten darauf, in die Anfang des Jahres gestartete Initiative Tierwohl aufgenommen zu werden. Das bestätigte ein Sprecher des freiwilligen Zusammenschlusses von Handel, Fleischindustrie, Geflügel- und Schweinemästern der HAZ. Im Rahmen der Initiative haben sich Discounter und Einzelhandelsketten wie Lidl, Aldi und Edeka bereit erklärt, 4 Cent zusätzlich pro Kilogramm Schweine- oder Geflügelfleisch in einen Topf einzuzahlen. Landwirte sollen die Bonuszahlung erhalten, wenn sie bestimmte Kriterien der artgerechten Tierhaltung einhalten, ihre Ställe also entsprechend umgebaut haben. Verbraucherschützer bemängeln die fehlende Transparenz des Tierwohl-Programms für die Kunden.

Besonders lang ist die Warteliste im Schweinebereich: Von 1440 Bewerbern wurden bisher nur 685 ins Programm aufgenommen und damit finanziell unterstützt - obwohl mehr Geld zur Verfügung steht. „Die Landwirte melden sich zurzeit bei uns und fragen nach“, sagte auf Anfrage Gabi von der Brelie vom Landvolkverband in Hannover. Die Mäster erfüllen demnach die Kriterien des Programms, sollen aber dennoch bis zum kommenden Jahr auf Zuschüsse warten. Dabei ist eigentlich Geld dadurch frei geworden, dass rund 100 Betriebe bei der Stallbesichtigung durchfielen oder den Antrag zurückzogen. Allein 7 Millionen Euro hat die bundesweite Initiative Tierwohl als Rückstellung.

Weitere Handelsunternehmen wollen mitmachen

Nach Angaben ihres Sprechers Patrick Klein ist die Warteliste bei Geflügelhaltern kürzer: 358 von 564 interessierten niedersächsischen Hähnchenmästern und 91 von 100 Putenmästern sind in das Tierwohl-Programm aufgenommen worden. Das Agrarland Niedersachsen stellt bundesweit den größten Anteil der Wartenden, sowie auch der teilnehmenden Betriebe. Mit weitem Abstand folgt bei Hähnchen Bayern mit 59 Teilnehmern, bei Puten Nordrhein-Westfalen mit 40. Nach Darstellung des Tierwohl-Sprechers wird, statt die Warteliste abzuarbeiten, inzwischen überlegt, wie die Beteiligten vom Programm noch besser profitieren könnten. Im Gespräch ist, wie aus Fachkreisen zu erfahren war, eine Erhöhung des Einzelhandelsbeitrags - Lidl hatte einen Vorstoß unternommen, 6 statt bisher 4 Cent pro Kilogramm Tierwohl-Fleisch zu zahlen. Zusätzlich werden weitere Handelsunternehmen ins Boot geholt.

Andererseits wachsen die Zweifel, ob die Initiative Tierwohl tatsächlich ihren Namen verdient. „Die Vorgaben bleiben weit unter dem Tierschutzplan Niedersachsen, der 2017 in Kraft tritt“, kritisiert Eckhard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft. Die Tierschutzorganisation Peta befürchtet, dass unter Hinweis auf Tierwohl nun Einsprüche gegen Stallneubauten erschwert würden.

In Kürze wollen auch die Verbraucherzentralen ein Positionspapier vorstellen. „In der Werbung wird vermittelt, dass es eine deutliche Verbesserung der Tierhaltung gibt“, sagte Anneke von Reeken von der Verbraucherzentrale Niedersachsen der HAZ. Wenn sich aber nun 18 statt 20 Schweine eine Abteilung im Stall teilten, sei das noch längst keine tiergerechte Haltung. Da die Produkte nicht gekennzeichnet würden, könne sich zudem kein Fleischkonsument gezielt dafür entscheiden, kritisiert die Ernährungsexpertin. Ähnlich hatte sich auch schon Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) geäußert.

Die Initiative Tierwohl weist auch diese Kritik zurück. „Unser Ansatz ist pragmatisch und geht in die Breite“, sagt Sprecher Klein. Die Erfahrung zeige, dass eigens gekennzeichnete teurere Produkte nur wenige Käufer fänden: „95 Prozent der Verbraucher entscheiden sich für das günstige Produkt.“

Die Vielfalt ist für Kunden verwirrend

Für Verbraucher ist der Fleischmarkt in puncto Tierschutz unübersichtlich. Zu den eingeführten Marken Bioland, Demeter und Neuland kam 2012 das vom Tierschutzbund unterstützte Label „Für mehr Tierschutz“ dazu, 2015 die Initiative Tierwohl.

Initiative Tierwohl: Einzelhandel, Fleischindustrie und Landwirte haben sich auf eine niedrige Stufe artgerechter Tierhaltung geeinigt. Zu den Kriterien zählen 10 Prozent mehr Platz für Schweine, Tageslicht und Frischluft im Stall, Verzicht auf Kastration.

Bioland: Ökologisch angebautes Futter und Stroh gehören für den Biovermarkter zum Standard. Im Stall wird auf Vollspaltenböden verzichtet, der überwiegende Teil der zugänglichen Bewegungs- und Ruhefläche muss aus einer geschlossenen Bodenfläche bestehen.

Demeter: Der von Anthroposophen gegründete Bio-Verband setzt auf kleine Betriebsgrößen, bei Schweinen durchschnittlich nur 20 Tiere. Wie bei Bioland sollen auch Demeter-Ställe so beschaffen sein, dass die Tiere sich ungehindert auf Stroh bewegen und ablegen können. Für ausreichend Frischluft und Tageslicht im Stall muss gesorgt sein.

Neuland: Der Verein hat sich seit mehr als 20 Jahren besonders weitreichenden Tierschutz auf die Fahnen geschrieben, ohne Wert auf ökologisch erzeugtes Futter zu legen. Die Schweine haben Auslauf ins Freie, liegen auf Stroh, bekommen nur einheimische, gentechnisch nicht veränderte Futtermittel zu fressen und haben viel Tageslicht im Stall.

Für mehr Tierschutz: Das wie Neuland vom Tierschutzbund unterstützte Siegel hat zwei Stufen der Kennzeichnung. Stufe eins gibt es bei erweitertem Platzangebot, Stufe zwei verlangt zusätzlich überdachte offene Stallanbauten oder Auslaufmöglichkeiten im Freien.      

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