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„Die Wechselstimmung war da“

Interview „Die Wechselstimmung war da“

Nach der knapp gewonnenen Stichwahl in Celle: Der künftige CDU-Oberbürgermeister Jörg Nigge, lobt seinen Amtsvorgänger und spricht über seine Pläne – wie die Wiederbelebung der Altstadt.

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Schulden abbauen, die Altstadt beleben und Familien ansiedeln: Das sind die ersten Pläne von Jörg Nigge in Celle.

Quelle: Holger Hollemann

Celle. Herr Nigge, Glückwunsch zur Wahl als künftiger Celler Oberbürgermeister. Manche Ihrer Parteifreunde halten es für einen Betriebsunfall, dass das „schwarze“ Celle sieben Jahre vom Sozialdemokraten Dirk-Ulrich Mende regiert wurde. Teilen Sie diese Meinung?

Nein, das war kein Betriebsunfall. Herr Mende hat sich seine Anerkennung hier verdient. Celle ist auch nicht grundsätzlich schwarz. Das kann keine größere Stadt von sich behaupten. In der Kommunalpolitik geht es um Sachthemen und Personen, die sie vertreten - und nicht um Schwarz oder Rot.

Sie hatten in diesem Wahlkrimi 400 Stimmen mehr als ihr SPD-Konkurrent. Was hat den entscheidenden Ausschlag gegeben?

In einer Stichwahl kommt es immer darauf an, wer seine Wähler besser mobilisieren kann. Das haben wir offenbar besser geschafft, wahrscheinlich auch, weil die Wechselstimmung da war. Ich habe als Seiteneinsteiger versucht, einen sehr sachlichen Wahlkampf zu führen. Das hat sich ausgezahlt.

Was meinen Sie, welches Signal von Ihrem Wahlsieg in Celle ausgeht?

Ich glaube, dass mein Wahlsieg ein wichtiges und gutes Signal auch für die Landespartei ist. Denn es war schmerzhaft, vor sieben Jahren die Macht im Rathaus abzugeben. Wir haben uns deshalb besonders ins Zeug gelegt und bewusst eine Zäsur gemacht, indem die CDU mit mir einen Seiteneinsteiger ins Rennen schickte, der zwar Verwaltungs- und Führungserfahrung hat, aber kein Parteisoldat ist. Das war nach außen das Signal, dass die CDU nicht die Parteipolitik nach vorne stellt.

Was bringen Sie als Seiteneinsteiger mit, was ein Parteisoldat vielleicht nicht hat?

Möglicherweise noch ein Gefühl für den Ärger von Bürgern über Dinge wie den Fraktionszwang. Ich glaube, dass die Bürger oft das Gefühl bekommen, dass Dinge nicht nach sachlichen Gesichtspunkten entschieden werden, sondern nach parteitaktischen. Das kann zu Politikverdrossenheit führen.

Was ist Ihr vordringliches Ziel in Celle?

Zum einen ist es mein vordringliches Ziel, die Bürger hinter mich zu bringen. Das Ergebnis war ja zweifellos sehr knapp. Jetzt kommt es darauf an, dass wir als Stadtgesellschaft zusammenstehen, um Celle nach vorn zu bringen. Als erstes sachliches Ziel geht es darum, im städtischen Haushalt wieder Handlungsspielraum zu bekommen. Wir haben einen sehr hohen Schuldenstand und brauchen in erster Linie einen ausgeglichenen Haushalt, um in allen anderen Bereichen wieder strahlen zu können. Wir haben in der Wirtschaft einiges verloren, weil wir als Kommune auf Erfordernisse nicht so flexibel reagiert haben wie andere. Wir müssen Familien ansiedeln, müssen als Stadt wachsen und müssen vor allem den Leerstand in der Altstadt beseitigen. Das ist ein ganz zentrales Thema, dessen Behandlung auch dazu führt, dass wir die Wirtschaft steigern und den Tourismus.

Celle ist ein Standpunkt der Gas- und Erdölindustrie, die beim allgemeinen Publikum etwa wegen des Frackings besonders unbeliebt ist. Was wollen Sie da tun?

Es war ein Fehler der Vergangenheit, sich hier nicht breiter aufzustellen. Wir müssen versuchen, der Erdölindustrie im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen. Wir müssen uns aber in der Wirtschaftsförderung als Kommune breiter aufstellen, sowohl personell als auch mental.

Sie haben im Rat eine konservative Mehrheit, während ihr Vorgänger eine Gegenmacht im Rat hatte. Erleichtert Ihnen das das Geschäft?

Ein bisschen schon. Aber ich will mit allen ins Gespräch kommen und die Ideen von allen sammeln. Das muss der wesentliche Ansatz sein.

Interview: Michael B. Berger

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