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Israel-Kritik von Lehrer sorgt für Proteste

Padagoge aus Oldenburg Israel-Kritik von Lehrer sorgt für Proteste

Ein Lehrer aus Oldenburg hat wegen Israel-kritischer Äußerungen international Empörung hervorgerufen. Er gehört der umstrittenen Gruppe BDS an, einem Zusammenschluss von Kritikern der israelischen Regierung. Das Kultusministerium prüft den Fall, ist aber noch zu keinem Ergebnis gekommen.

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Aktivist der Gruppe BDS: Lehrer Christoph Glanz - hier in Hebron.

Quelle: privat

Hannover. Für einen IGS-Lehrer aus Oldenburg dürfte Christoph Glanz inzwischen ungewöhnlich bekannt sein. Denn sowohl der israelische Botschafter in Deutschland als auch die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, führen Glanz als Beispiel dafür an, dass mit Leuten wie ihm der Antisemitismus in Deutschland und vor allem in Niedersachsen wieder salonfähig werde.

Dabei hat Glanz sich bereits gerichtlich gegen derartige Vorwürfe gewehrt. So ließ er einer Studentin und SPD-Stadträtin in Oldenburg vom dortigen Landgericht untersagen, ihn einen „bekannten Antisemiten“ zu nennen. Ein endgültiges Urteil steht allerdings noch aus. Die Stadträtin ist in Berufung gegangen. Auch das Kultusministerium in Hannover beschäftigt sich mittlerweile mit der Affäre Glanz und der Frage, welche Mäßigung ein verbeamteter Lehrer in Deutschland an den Tag legen muss bei politischen Äußerungen, und welche Äußerungen unter die Meinungsfreiheit fallen. „Das ist eine ziemlich diffizile Frage“, heißt es im Kultusministerium.

Glanz ist Aktivist der Gruppe BDS, einem weltweiten Zusammenschluss von Gegnern der israelischen Regierung. BDS steht für „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“. Die Organisation wirbt für einen Boykott gegen Israel und ist in den Augen Charlotte Knoblochs „eine Gruppierung, die in letzter Konsequenz die Beseitigung Israels anstrebt“, wie die ehemalige Zentralratsvorsitzende diese Woche anlässlich einer Preisverleihung sagte. Die Debatte um den Oldenburger Lehrer stehe für sie für eine verheerende Entwicklung: „Sachliche, faire Kritik an der Politik Israels ist jederzeit und jedem möglich. Aber israelbezogener Antisemitismus ist Antisemitismus.“ Und der dürfe keinen Platz in Deutschland haben. So sieht es auch Benjamin Weinthal, Deutschland-Korrespondent der „Jerusalem Post“, der eine Reihe von Artikeln über Glanz veröffentlichte und immer neue Zeugen sucht, die sich gegen den Lehrer aus Oldenburg aussprechen.

Engagement für die Sache der Palästinenser

Christoph Glanz hat zwei Jahre in Israel und den palästinensischen Gebieten gelebt und soll passabel Hebräisch sprechen. Er engagiert sich für die Sache der Palästinenser. Das Thema Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten schreibt der Lehrer groß. Er selbst, ohne Zweifel ein Linker, bezeichnet sich als friedensbewegt und sieht sich in einer politischen Auseinandersetzung mit rechten Zionisten. Die haben in seinen Augen verhindert, dass er im Sommer einen Vortrag in der Oldenburger Evangelischen Studentengemeinde halten konnte. „Dass die BDS jetzt mit großem Kaliber bekämpft wird, zeigt, dass diese weltweite Solidaritätsbewegung vom Staat Israel und von Zionisten weltweit ernst genommen wird“, sagt Glanz auf Anfrage der HAZ.

Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Oldenburg, die einen langen Aufsatz von Glanz in der Zeitschrift „PaedOl“ veröffentlichen wollte, ist die Sache zu heiß geworden. Nach geharnischten Protesten (auch des israelischen Botschafters) stampfte sie den Artikel wieder ein. Pech nur, dass er dennoch im Internet erschien. Der GEW-Bundesvorstand nahm sich der Affäre an, nachdem Vorwürfe laut wurden, auch in der GEW gebe es Antisemiten. „Die GEW lehnt einen Boykott Israels und antisemitische Positionen strikt ab“, betont Bundessprecher Ulf Rödde. „Mit Boykottaufrufen ist für uns eine rote Linie überschritten.“ Schließlich setze sich die Gewerkschaft für eine friedliche Lösung des Nahost-Konfliktes ein.

„Das gehört zur Meinungsfreiheit“

Friedfertigkeit reklamiert auch Glanz für sich, der in dem geschredderten GEW-Artikel betont hatte, dass sich seine „Graswurzelbewegung“ durch absolute Gewaltfreiheit auszeichne. „Dass wir zum Boykott Israels aufrufen, ist direkte Konsequenz aus den jahrzehntelangen Verbrechen des Staates Israel“, sagt Glanz zur HAZ. „BDS steht in einer Tradition mit beispielsweise den Boykottaufrufen gegen Nazi-Deutschland durch jüdische Verbände in den USA oder dem weltweiten Schulterschluss gegen das Apartheid-Regime in Südafrika.“ Kritiker von Glanz halten dem Lehrer vor, er schlage Töne an wie damals die Nazis mit ihren Rufen „Kauft nicht bei Juden“. Korrespondent Weinthal moniert, Glanz spreche in seinem Artikel zwar von der Vertreibung von 750 000 Palästinensern, nicht aber von den 800 000 vertriebenen Juden aus arabischen Ländern.

Lidia Averbukh, Israelexpertin der unabhängigen Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, warnt vor undifferenzierten Wertungen der umstrittenen Gruppierung BDS. „Das ist ein Pool von verschiedenen Auffassungen, die divergieren. Es gibt Gruppen, die das Existenzrecht Israels anzweifeln, und Gruppen, die sich gegen die Okkupation der West Bank wenden. Letzteres ist meiner Meinung nach legitim“, so die Expertin. „Das Existenzrecht Israels anzuzweifeln ist hingegen antizionistisch und meistens antisemitisch. Aber man muss sich jeden Einzelfall sehr genau anschauen. “

Ein Satz wie „Dass wir zum Boykott Israels aufrufen, ist direkte Konsequenz aus den jahrzehntelangen Verbrechen des Staates Israel“ ist nach Ansicht der Expertin „mindestens grenzwertig“. Es sei aber notwendig, dass man sich auch in Deutschland mit so sensiblen Themen wie der aktuellen Politik Israels gegenüber den Palästinensern „herumplagt“, sagt Averbukh. „Das gehört zur Meinungsfreiheit.“

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