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Der Bauer, der was wagt

Biowirt baut Lupinen an Der Bauer, der was wagt

Er gehörte zu den Pionieren des Sojaanbaus in Deutschland, jetzt experimentiert Jan Wittenberg als einer der Ersten mit Lupinen.

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Jan Wittenberg in seinem Sojafeld. Doch er setzt noch auf viele weitere Früchte.

Mahlerten. Schon beim Sojaanbau zählte er zu den Pionieren in Norddeutschland. Da läuft noch die Experimentierphase, doch Biolandwirt Jan Wittenberg aus Mahlerten im Landkreis Hildesheim plant schon die nächste Premiere. Als einer von zehn deutschen Landwirten will er die Weiße Lupine anbauen. Die nahrhafte Frucht ist rund ums Mittelmeer weit verbreitet. In Deutschland hat sich noch niemand an das sensible Pflänzchen herangewagt, denn das hat es gern warm. Doch was beim Soja klappt, soll auch mit anderen Hülsenfrüchten gehen, hofft Wittenberg.

Sein Ziel: „Wir brauchen mehr eiweißhaltige Feldfrüchte.“ Deshalb ist er nach Frankreich gereist, um den Lupinenanbau zu studieren.

Das Soja freilich ist das Flaggschiff der Eiweißoffensive. „Weil es schon die höchsten Werte hat“, wie Wittenberg sagt. Aber auch, weil es vom Namen mehr hermacht als Erbse oder Lupine. Bei Soja denkt der Betrachter gleich an Bioläden und vegetarische Lebensmittel, auch an Gentechnik und an die Rodung riesiger Flächen vor allem in Brasilien. Dem setzen Wittenberg und seine Kollegen mit wissenschaftlicher Unterstützung den Versuch entgegen, den Sojaanbau in Deutschland zu etablieren.

Vor zwei Jahren herrschte deshalb großer Trubel auf Wittenbergs Hof. Der damalige Landwirtschaftsminister Gert Lindemann schaute mit Fernsehteams im Schlepptau vorbei. Soja in Deutschland - das hatte etwas Exotisches. Hat es auch immer noch. Selbst wenn sich seit 2012 die Anbaufläche bundesweit verdoppelt hat. „Aber wir müssen noch mehr Biobauern überzeugen“, sagt Wittenberg, der auch im Beirat der Landesregierung für ökologischen Landbau sitzt.

Seine eigene Anbaufläche für Soja hat er indes nicht vergrößert. Warum nicht? Wittenberg holt weit aus: „Dann würde ich ja tun, was ich der konventionellen Landwirtschaft vorwerfe - Monokulturen etablieren“, sagt er. Also bleibt es bei 15 Hektar, einem knappen Zehntel seiner Fläche.

Dafür kommen andere Früchte zur Geltung. Erbsen etwa sät Wittenberg gemischt mit Weizen ein. Die wackligen Pflänzchen halten sich am Getreide regelrecht fest. Das Korn profitiert, weil die Erbse Stickstoff aus der Luft bindet und im Boden einlagert - und damit den wachsenden Weizen sozusagen live düngt. Nach der Ernte werden Erbsen und Weizenkörner per Sieb wieder getrennt. Auch Dinkel und Buchweizen gibt es - ein Drittel der Fläche belegt Klee. Der fungiert als Bodenkur, weil er dem Acker wieder Stickstoff zuführt. Nun soll die Weiße Lupine dazukommen. Und den Sojaanbau will Wittenberg weiter forcieren: „Ich experimentiere mit Sorten und Saatterminen.“

Während in Süddeutschland, vor allem im Rheintal, auch schon Speisesoja wächst, dient der Anbau im Norden bislang nur als Tierfutter. Wittenbergs Soja steht vor allem auf dem Speiseplan von Hähnchen, die nach Biovorgaben gemästet werden. „Ich will erreichen, dass Biohähnchen auch Biofutter aus hiesigem Anbau bekommen können, und zwar komplett“, sagt er. „Wenn jeder Biolandwirt in Niedersachsen nur fünf Hektar für Soja reservieren würde, würde das schon reichen.“

Wittenberg betont, nicht weniger zu verdienen als vor der Umstellung seines Betriebs von konventionell auf bio. Er habe zwar weniger Ertrag pro Hektar, bekomme aber auch mehr Geld pro Tonne und spare Dünger und Pflanzenschutzmittel: „Das gleicht sich mindestens aus, ich muss nur selbst mehr arbeiten als früher!“

Dass ihn viele Berufskollegen misstrauisch beäugen, teilweise für einen Spinner halten? „Ich wünsche mir mehr Offenheit, es geht schließlich um die Zukunft unserer Erde.“

Und tatsächlich gibt es auch die Chance, niedersächsisches Soja zu essen. Dafür muss man allerdings nach Berlin fahren: „Da gibt es eine kleine Tofuküche, die ich beliefere. Ein kleiner Anteil nur an der Produktion, aber ein Anfang.“

Von Tarek Abu Ajamieh

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  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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