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So leiden die Jesiden im Nordirak unter dem IS

Friedensnobelpreis-Anwärterin zu Gast im Landtag So leiden die Jesiden im Nordirak unter dem IS

Nadia Murad war drei Monate lang Gefangene des sogenannten Islamischen Staats (IS). Am Dienstag berichtete die 21-Jährige vor der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag von den Leiden der Jesiden im Nordirak.

Im Landtag in Hannover  sprach auf Einladung der SPD-Fraktion die Jesidin Nadia Murad.

Quelle: dpa

Hannover. Die zierliche junge Frau ist gewohnt, vor großem Publikum zu sprechen - bis hin zum Sicherheitsheitsrat der Vereinten Nationen vor knapp einem halben Jahr. ,,Ich wünsche mir, dass den noch mehr als 3000 gefangenen Frauen und Kindern geholfen wird", sagt sie immer wieder mit klarer Stimme. Nadia Murad kämpft für die Menschenrechte derer, die vom IS buchstäblich mit Füßen getreten werden. Sie will, dass die Greueltaten der Islamisten gegenüber den jesidischen Kurden als Völkermord geächtet werden. Dafür reist die gerade mal 21-Jährige durch die Welt und erzählt von dem Leid, das ihr 2014 als Gefangene des IS selbst widerfuhr. Am Dienstag hielt sie vor der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag eine bewegende Rede.

Das Land hat ein Aufnahmeprogramm für Frauen aus dem Nordirak mit 1,1 Millionen Euro unterstützt und 100 traumatisierte Frauen aufgenommen. ,,Eine schnelle und gute Entscheidung", wie SPD-Fraktionsvorsitzende Johanne Modder bei der Begrüßung betonte. Weitere Hilfe werde aber dringend gebraucht.

An Niedersachsens Hilfsbereitschaft appellierte gleich zu Beginn auch Nadia Murad. Denn hier leben so viele Angehörige der jesidischen Glaubensgemeinschaft wie nirgendwo sonst außerhalb Kurdistans. ,,Niedersachsens ist die zweitgrößte Heimat der Jesiden", sagte sie. Murad hat nach ihrer Flucht aus dem Irak im Raum Stuttgart Zuflucht gefunden und zieht von dort aus als Botschafterin für die Menschenrechte durch die Welt. Auf Vorschlag der irakischen Regierung ist sie für den diesjährigen Friedensnobelpreis nominiert. 

  Von ihren Volksgenossen wird die junge Frau wie eine Heldin gefeiert. Denn sie verkörpert den Widerstand gegen das Unrecht, dass die Dschihadisten des IS gegenüber den ihrer Ansicht nach Ungläubigen in den besetzten Kurdenregionen im Irak und in Syrien verüben. Ehrenamtliche jesidische Unterstützer begleiten Murad auf ihren Reisen. Vor dem Auftritt in Hannover filmten und veröffentlichten sie die kurze Presseansprache der ganz in Schwarz gekleideten Menschenrechtsaktivistin live auf ihrer Facebook-Seite im Internet - und sofort flogen ihr dort die Herzen zu.

Schon auf dem Weg zum Landtag hatten sich etliche junge Leute mit ihr fotografieren lassen, wie Bedri Özdemir vom SPD-Ortsverein Burgwedel berichtete - er hatte den Auftritt vor der Fraktion vermittelt und stand Nadia Murad als Dolmetscher zur Seite. Die Bewunderung kommt nicht von ungefähr, wie sich auch am Dienstag zeigte: Die schwer traumatisierte 21-Jährige bringt auf beeindruckende Weise Mut und Kraft auf, für ihr politisches Anliegen sehr Persönliches preiszugeben, statt ihr Leid zu verdrängen.

Nadia Murad war Anfang August 2014 vom IS aus ihrem Dorf im Norden des Irak verschleppt worden. ,,Wir Frauen und jungen Mädchen wurden in der Schule eingesperrt", erzählt sie gefasst. ,,Durch die Fenster sahen wir mit an, wie innerhalb von zwei Stunden 700 Männer und Jugendliche getötet wurden - auch meine sechs Brüder." Die extremistischen Moslems sortierten danach die Frauen und Kinder. 80 ältere Frauen, die ,,für ihre Zwecke nicht zu gebrauchen" waren, seien ebenfalls getötet worden, zu ihnen habe auch ihre Mutter gehört. Nadia wurde mit einer Gruppe von Mädchen zwischen 9 und 25 Jahren per Bus nach Mossul gebracht und dort als Sex-Sklavin gehalten. ,,Wir wurden als Beute unter den Kämpfern aufgeteilt", berichtet die junge Frau. ,,Wenn einer fertig war, gab er uns an den nächsten weiter".

Nach drei Monaten gelang Murad die Flucht durch ein offen gelassenes Fenster. Etwa ebenso lange, erzählt sie, habe sie gebraucht, das Geschehene ansatzweise überhaupt zu begreifen. In ihrer neuen Heimat Baden-Württemberg fühle sie sich nun sicher - im Gegensatz zu vielen anderen geflohenen oder freigekauften Frauen, die in Flüchtlingslagern weiter Übergriffe durch extremistische Moslems zu fürchten hätten. Sie selbst, sagt Murad, sei in Deutschland noch nie nach ihrer Konfession gefragt worden: ,,In einem Land, wo die Religionszugehörigkeit eine so geringe Rolle spielt, bleibe ich gern."

Die Landtagsabgeordneten der SPD dankten ihr mit stehendem Applaus und einem Strauß Rosen. Sie wollen, wie Modder versprach, die Nöte der jesidischen Minderheit nicht aus dem Blick verlieren.

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