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Der Norden Gauck will mehr für die Syrer tun
Nachrichten Der Norden Gauck will mehr für die Syrer tun
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11:25 22.11.2013
Mit offenen Ohren: Bundespräsident Joachim Gauck trifft im Durchgangslager Friedland syrische Flüchtlinge. Quelle: Andreas Fischer
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Friedland

Eine Zahl will Joachim Gauck nicht nennen - nicht mitten in den Verhandlungen zur Bildung einer Regierung. Doch die Botschaft des Bundespräsidenten bei seinem Besuch am Donnerstag im Durchgangslager Friedland bei Göttingen ist deutlich: Über die Aufnahme von mehr Syrien-Flüchtlingen müsse nachgedacht werden. Es gebe Länder, sagt Gauck, die „verglichen zur Bevölkerungsdichte viel mehr aufnehmen“.

Syrische Flüchtlinge finden in Friedland im Landkreis Göttingen einen Zufluchtsort.

Eine Stunde lang hatte sich das Staatsoberhaupt zusammen mit Lebensgefährtin Daniela Schadt mit Flüchtlingen aus Syrien unterhalten. Dann dieses Resümee: Es sei ein Unterschied, ob man in der Zeitung Zahlen liest oder ob man Menschen ins Gesicht schaut, ihnen zuhört und von ihrem Leid, ihrer Hoffnung und ihrem Glück hört. Er habe die Bitten der Flüchtlinge vernommen, und er werde ihre Bitte weitergeben, versprach Gauck, mehr Menschen aus der Not in Syrien und dem Libanon ins Land zu holen. In ein Land, so Gauck, das sich vor dieser Not nicht verschließen könne, „sonst ist es nicht mehr unser Land“. Deutschland werde nicht jedes Elend auf der Erde lindern können. Aber wir Deutschen müssten uns fragen, meinte Gauck, ob wir genug tun. Das werde er in der Politik vortragen, das sage er aber auch den Bürgern dieses Landes.

Was das Präsidentenpaar zuvor gehört hatte, waren dramatische Lebensgeschichten: Etwa die von Manar Farzat, der einzigen verschleierten Frau im Stuhlkreis mit zehn Flüchtlingen. Die promovierte Pädagogin aus Homs sprach von der zu 80 Prozent zerstörten Stadt, vom „wahllosen Töten“, von Scharfschützen, die Kinder erschießen, von den eigenen Kindern, die weder in Homs noch als Flüchtlinge im Libanon zur Schule gehen können. „Wir danken, dass Deutschland die Katastrophe sieht und wir hier nun wieder leben dürfen.“ Eine andere Mutter berichtete von der Freude der Kinder, die endlich wieder ruhig schlafen und begeistert mit Stift und Block eine Schule besuchen.

Die zehn Syrer gehören zu jenen 5000, die Deutschland aufzunehmen bereit ist. 137 sind erst am Montag in Friedland angekommen, davon die Hälfte Kinder. Sie werden nach 14 Tagen, in denen sie bereits an einem „Wegweiserkurs“ teilnehmen, auf die Bundesländer verteilt. Viele von Gaucks Gesprächspartnern hatten am Donnerstag gerade die erste Deutschstunde hinter sich - und probierten die ersten Vokabeln aus.

Auch First Lady Daniela Schadt hörte aufmerksam zu, stellte Fragen, wie es den Kindern geht, und mischte sich später unter jene Syrienflüchtlinge, die nicht das Privileg der Aufnahme im Rahmen des Kontingents genießen: ganz normale Asylbewerber. 100 der 350 Asylbewerber, die gerade in Friedland leben, haben sich auf eigene Faust bis nach Deutschland durchgeschlagen.

Draußen vor dem Lager hielten unterdessen Mitglieder der Gesellschaft für bedrohte Völker eine Mahnwache ab. Ihre Forderung: Deutschland möge sein Aufnahmekontingent für SyrienFlüchtlinge verzehnfachen.

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