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Kaliberg soll mit Schutt abgedeckt werden

Anwohner fürchten Verkehr und giftige Stoffe Kaliberg soll mit Schutt abgedeckt werden

K+S will den Kaliberg in Wathlingen mit Schutt abdecken, ein Antrag beim Landesamt für Bergbau wird bereits vorbereitet. Ein großer Teil der Abdeckung soll aus Bauschutt bestehen, der mit Schwermetallen wie Blei und Quecksilber belastet ist. Deshalb sind Anwohner nun besorgt. 

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Der Kaliberg in Hildesheim.

Quelle: dpa

Wathlingen . „Der Kaliberg gehört zu Wathlingen wie der Eiffelturm zu Paris“ – so sagt es Ortsbürgermeister Torsten Harms gern. Und viele in der 6000-Einwohner-Samtgemeinde stimmen zu. Als Relikt des Salzabbaus für die Düngemittelindustrie thront der 80 Meter hohe Koloss – bei Sonne weiß, im Regen braun – über der rund 100 Jahre alten ehemaligen Bergarbeitersiedlung im südöstlichen Kreis Celle. Nun aber rufen Pläne des früheren Bergwerkbetreibers in der Region Ängste und Unruhe hervor.

K+S will den Berg bis 2040 abdecken, begrünen, verbreitern und um knapp 20  Meter erhöhen; ein Antrag beim Landesamt für Bergbau wird vorbereitet. Täglich 100 bis 400 Lkw-Anfahrten hat die Kasseler Chemiefirma den Bürgern benachbarter Dörfer angekündigt – rund 20 Jahre lang. Ein großer Teil der Abdeckung soll aus Bauschutt bestehen, der mit Schwermetallen wie Blei und Quecksilber sowie anderen bedenklichen Stoffen belastet ist.

Einigkeit besteht, dass etwas passieren muss. Denn der Berg löst sich nach und nach auf, und obwohl der herunterfließende Niederschlag gesammelt wird, bedroht salziges Abwasser das Grundwasser. Mehrfach haben Landwirte geklagt, weil sie ihre Brunnen nicht für die Beregnung von Kartoffeln, Erdbeeren und Blaubeeren nutzen konnten. K+S will dem Umweltproblem durch eine dicke Schicht aus Erde und Schutt begegnen, die den Berg auf fast das doppelte Volumen wachsen lässt – obenauf Grün, an dem sich Mensch und Natur erfreuen sollen. Warum nicht einfach Erde benutzt wird, begründet K+S-Sprecher Ulrich Göbel mit den Kosten: „Der laufende Betrieb soll im Wesentlichen aus der Annahme der Stoffe gedeckt werden.“ Es handele sich um überwachungsbedürftige Abfälle, etwa nach Hausbränden oder Straßensanierungen, die gut kontrolliert würden.

Rückstände des Bergbaus

Kalibergbau war früher in Niedersachsen sehr verbreitet, besonders in der weiteren Umgebung Hannovers kam es zu länger anhaltender Bergbautätigkeit. Rückstandshalden der Kaliwerke enthalten Nebenbestandteile des Kaliroh­salzes, die bei Aufbereitung und Herstellung von Kalidünger und Kalichemikalien abgetrennt worden sind, hauptsächlich Steinsalz. Mit Halden in ähnlicher Größe wie in Wathlingen hat es Betreiber K+S im Land noch an vier weiteren Standorten zu tun.

Die größte Rückstandshalde liegt in Wunstorf-Bokeloh. „Das Werk produziert noch bis ungefähr 2020, betriebsbegleitend wird abgedeckt“, sagt K+S-Sprecher Ulrich Göbel. Für Lehrte, das trotz Förderstopp noch als aktives Betriebsgelände gilt, sei noch kein Plan erarbeitet. Umstritten ist die mögliche Wiederaufnahme der Kaliförderung in Giesen (Kreis Hildesheim), die 1987 eingestellt worden war. Sollte K+S wieder aktiv werden, soll dort zusätzlich eine zweite, flachere Halde entstehen. Das Salz in Giesen wird zurzeit über ein Drainagesystem in die Innerste geleitet. Bereits in den Siebzigerjahren wurde der Betrieb in Sehnde eingestellt; die mehr als 20 Jahre währende Abdeckung und Begrünung soll in zwei Jahren abgeschlossen sein. Kleinere Halden auch anderer Betreiber liegen unter anderem in Ronnenberg und Empelde. In Empelde ist bereits ein begrüntes Naherholungsgebiet entstanden. gs

Dagegen wächst Widerstand – und damit eine kürzlich gegründete Bürgerinitiative. Aber auch Kommunalpolitiker halten sich mit Kritik an den Plänen nicht zurück. „Da sind Gefahren im Verzug“, sagt Alexander Schadow, Vorsitzender der örtlichen FDP. Der Psychotherapeut sorgt sich vor allem wegen der enormen Zahl von Lastwagen, die womöglich giftige Stoffe durch Ortschaften transportieren. Schließlich handele es sich beim sogenannten Z-2-Material, das verwendet werden dürfe, auch um Restbestände aus Mülldeponien. Nicht einmal radioaktiv belastete Stoffe seien ausgeschlossen. Doch abgesehen vom Gefahrgut sei die reine Verkehrsdichte gefährlich genug: „Bei mir in Nienhagen ist es jetzt schon schwer, als Fußgänger über die Hauptstraße zu kommen.“ Zumindest werde nun der Vorschlag seiner Fraktion geprüft, für die Anlieferung auch alte Eisenbahngleise zu nutzen.

Auch Bürgermeister Harms, der die Begrünung anfangs erfreut kommentiert hatte, äußert inzwischen Bedenken. Der Anfahrverkehr belaste Bürger und Straßen enorm. „Ich fürchte, wir können das nicht verhindern“, sagt der 51-Jährige. Wathlingen werde darauf dringen, dass die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen regelmäßig veröffentlicht werden. Immerhin solle der Berg „eine Stufe vor der Deponieklasse“ eingestuft werden.

Der neuen Bürgerinitiative (BI) Umwelt Wathlingen rund um den Vorsitzenden Mar-Heinz Marheine geht das nicht weit genug. „Wir fordern, so viel vom Kaliberg wie möglich wieder nach unten in das Bergwerk zu bringen“, sagt der Grünen-Ratsherr. Zwar sei behauptet worden, das Abtragen des Berges würde doppelt so lange dauern wie die Abdeckung, doch das sei widerlegt. Die Rückstände könnten in Hohlräume des Bergwerks verfüllt werden.

„Ein Abtragen des Bergs wäre viel zu teuer“, meint dagegen K+S-Sprecher Göbel. Auch seien die Hohlräume in Wathlingen nicht groß genug. Vergleichbarer Bauschutt, wie er zurzeit die Gemüter erhitzt, werde im Übrigen schon längst als Teil des Entsorgungskonzepts vor allem der Region Hannover ins nahe Sehnde gebracht. Dort arbeitet K+S seit fast 20 Jahren an Abdeckung und Begrünung des Kalibergs, in vier Jahren soll alles fertig sein, der weitere Z-2-Schutt anschließend nach Wathlingen gebracht werden. Auch in Sehnde, wo die Anlieferung unproblematischer über eine Landesstraße vonstatten geht, beschweren sich Anwohner noch über Staub und Lärm. Viele anfangs wegen des Schutts Besorgte ließen sich aber im Lauf der Jahre beruhigen. „Die Mehrheit der Sehnder liebt diesen Berg“, sagt Stadtsprecherin Ines Raulf. Die kommunalen Bergfeste auf dem knapp 100 Meter hohen Sehnder „Kalimandscharo“ sind sehr beliebt. Das nächste steht am dritten Augustwochenende bevor.

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Uetze
Auf dem K+S-Gelände in Hänigsen-Riedel reiht sich auf dem einzigen verbliebenen Gleis Schienenfahrzeug an Schienenfahrzeug. Es sind inzwischen so viele, dass der Kalibahn-Verein ein zweites Gleis bauen will, um Platz zum Rangieren zu haben.

Der K+S-Konzern will sich die Option offenhalten, das Material für die geplante Kaliberg-Abdeckung in Wathlingen auf der alten Kalibahntrasse zu transportieren. Daher hat er dem Verein Kalibahn Niedersachsen-Riedel überraschend einen neuen Pachtvertrag für die Strecke Hänigsen–Wathlingen angeboten.

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