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Kaufsüchtige leiden zur Weihnachtszeit

Tabu-Thema Kaufsüchtige leiden zur Weihnachtszeit

Weihnachten sei besonders schlimm. „Wenn alle über Geschenke reden und was sie ihren Liebsten kaufen wollen – das ist die Hölle für Kaufsüchtige“, sagt die Leiterin der anonymen Selbsthilfegruppe für Kaufsüchtige in Hannover, Sieglinde Zimmer-Fiene.

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Prall gefüllte Einkaufstüten, wohin an auch schaut: Gerade in der Weihnachtszeit ist die Versuchung für Kaufsüchtige groß.

Quelle: dpa

Hannover. Die Expertin war selbst lange betroffen: Erst seit wenigen Jahren fühlt sie sich geheilt von ihrer Kaufsucht. Einmal in der Woche trifft sich die Gruppe. „Häufig hilft es den Süchtigen schon, wenn sie merken, dass sie kein Einzelfall sind“, sagt Zimmer-Fiene. Die Betroffenen erhalten Hilfe von Ärzten und Therapeuten, es gibt ein deutschlandweites Netzwerk von Experten. Einige Krankenkassen übernehmen inzwischen die Kosten der Therapie. „Wir müssen zeigen, dass Kaufsucht eine Krankheit ist, die jeden betreffen kann.“ Experten gingen von bis zu 800.000 Betroffenen in Deutschland aus. „Bis jetzt waren vor allem Frauen betroffen. In den vergangenen Jahren haben sich aber auch immer mehr Männer gemeldet, die Kaufsucht haben.“

Im Mittelpunkt jeder Kaufsucht stehe die Verdrängung des Problems. Viele Betroffene hätten große Angst, dass ihr Umfeld erkennt, was los ist. Dabei äußere sich die Sucht auch körperlich. „Viele Betroffene haben Depressionen, manche denken sogar an Selbstmord.“ Zimmer-Fiene erinnert sich an einen besonders drastischen Fall: Die Ehefrau eines Süchtigen bat um Hilfe - wenige Wochen danach hatte ihr Mann sie und die Kinder getötet.

„Ohne Hilfe von Außen schaffen es die meisten nicht, loszukommen“, so die Expertin. Verbote seien dabei jedoch nur selten ein Hindernis für Betroffene. „Ein Kaufsüchtiger, der richtig drauf ist, kommt immer an seine Sachen.“ Das Internet sei besonders tückisch: „Ein Klick - und schon hat man wieder etwas gekauft.“ Damit Angehörige nichts mitbekommen, würden viele Kaufsüchtige die Pakete irgendwann nicht mehr zu sich nach Hause schicken lassen, sondern zu Freunden oder zur Arbeitsstelle. „Alle Tricks werden gemacht, damit es kein Ärger im Umfeld gibt.“
Für Zimmer-Fiene ist eine bessere Aufklärung innerhalb der Gesellschaft wichtig. Besonders Jugendlichen sollte beigebracht werden, dass man sich mit bestimmten Produkten nicht aufwerten könne. „Das Teure ist nicht zwangsläufig das Bessere.“ Liebe, Freundschaft oder Respekt könne man mit Geld nicht kaufen.

dpa/nw

Mehr Informationen zur Kaufsucht und Hilfe finden Sie auf der Webseite der anonymen Selbsthilfegruppe für Kaufsüchtige in Hannover.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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