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Klage über Trophäen-Jagd im Schutzgebiet

Früherer Nationalparkleiter Klage über Trophäen-Jagd im Schutzgebiet

Der frühere Leiter des Nationalparks Harz, Wolf-Eberhard Barth, beklagt den Abschuss des Rotwilds im Schutzgebiet: „Da werden praktisch Trophäen gejagt.“ Auch ein zwölf Jahre alter Zwanzigender wurde 2015 geschossen. Die Nationalparkverwaltung verweist dagegen auf ein großes "Rotwildproblem".

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„Wir geben nach bestimmten Kriterien zum Abschuss frei“: Im Nationalpark Harz leben rund 730 Hirsche.

Quelle: Carsten Rehder

Schulenberg im Oberharz. Er habe lange geschwiegen, sagt Wolf-Eberhard Barth, und nur die Fachleute auf Fehlentwicklungen hingewiesen, auch hohe Beamte aus dem niedersächsischen Umweltministerium. Denn er wollte immer loyal zu seinem Projekt stehen - dem Nationalpark Harz. Doch so wie bislang gehe es nicht weiter, klagt Barth, der von 1994 bis 2004 Chef und Mitgründer des Nationalparks war. Der frühere Forstdirektor kritisiert die Rotwildjagd in dem Schutzgebiet. Die sollte es eigentlich nur unter streng ökologischen Kriterien geben. Doch unter der Hand habe sich eine widersinnige Entwicklung vollzogen. „Wir haben praktisch eine Trophäenjagd bekommen, die dem Gedanken eines Nationalparks völlig zuwiderläuft“, sagt Barth. Dies belegten Veröffentlichungen des Rotwildringes Harz, in denen sich unter dem erlegten Rotwild ungewöhnlich viele kapitale Hirsche fänden. „Das“, sagt Barth, „widerspricht absolut dem Geist eines Nationalparks.“

Der Nationalpark Harz, der als gesamtdeutsches Projekt 2006 fusionierte, umfasst etwa ein Zehntel der Mittelgebirgsregion rund um den Brocken. Im Gegensatz zum Schweizer Nationalpark ist hier die Jagd auf Hirsche erlaubt, wobei Friedhart Knolle, Sprecher der Nationalparkverwaltung, lieber von „Wildtierreduktion“ spricht. Die müsse man schon deshalb vornehmen, weil der Harz vergleichsweise dicht besiedelt sei, das Rotwild wandere und große Schäden an jungen, heranwachsenden Bäumen anrichte. „In Kanada, wo große Prädatoren wie Wölfe und Bären herumlaufen, da braucht man so etwas nicht“, sagt Knolle. Aber im Harz müsse der Mensch das ausgleichen. Doch Trophäenjagd gebe es nicht. „Wir haben ausschließlich eine an ökologischen Kriterien orientierte Jagd“, sagt der Sprecher der Nationalparkverwaltung.

Auch ein zwölf Jahre alter Zwanzigender war dabei

Zu den Regeln dieser Jagd gehört, sich an die natürlichen Regulationsmechanismen der Tiere anzupassen. „Das heißt: Wir geben nach bestimmten Kriterien zum Abschuss frei“, sagt Sabine Bauling vom Fachbereich Wald. Und die lauten: „Jung vor alt, schwach vor stark. Bei uns werden gezielt die weiblichen Tiere reduziert.“ So soll es auch sein, sagt Kritiker Barth. Der Abschuss von Rotwild solle sich gezielt auf weibliches Wild und Kälber beschränken. Männliche Hirsche, die in den Rudeln wesentliche Leittierfunktionen wahrnähmen, sollten aber nur in einem Alter bis zu vier Jahren bejagt werden. „So ist es in den Konzepten des Nationalparks festgehalten.“ Doch die jüngste Statistik (2015) des Rotwildringes Harz spreche eine andere Sprache. „Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Hirschen war mit 368 zu 366 fast gleich. Und unter den erlegten Hirschen war sogar ein zwölf Jahre alter Zwanzigender“, klagt der frühere Forstdirektor.

Sabine Bauling von der Nationalparkverwaltung widerspricht hier nicht. Sie bestätigt, dass derzeit auch ältere als vier Jahre alte Hirsche abgeschossen würden. „Nicht gezielt, nicht wegen der Trophäen“, sagt sie: „Aber wir haben ein echtes Rotwildproblem.“ Dass man von den selbst gesetzten Regeln abweiche, sei eine „temporäre Sache“, von der man erst lasse, wenn die Population zurückgegangen sei. Deshalb habe man seit 2010 steigende Abschusszahlen. Bauling verweist auf den „extremen Wildtierverbiss“: „Wenn zehn Jahre alte Buchen wie ein Bonsai aussehen, dann hat das nichts mit Nationalpark zu tun.“

Für Barth führt diese Abschuss-Strategie in die völlig falsche Richtung. Denn man vergräme die Hirsche, die doch Besucher des Nationalparks anziehen sollten. Die derzeitigen Jagden stellten das Konzept auf den Kopf. „Ich habe die Umweltstaatssekretärin auf dieses Problem hingewiesen, doch keine Antwort bekommen“, klagt Barth. Dass das grün regierte Umweltministerium so etwas zulasse, ist für ihn ein Politikum.

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