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Der Norden Klinik in Uslar zahlt keine Löhne mehr
Nachrichten Der Norden Klinik in Uslar zahlt keine Löhne mehr
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20:14 13.03.2012
Von Klaus Wallbaum
Quelle: dpa
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Uslar

Die Betriebsratsvorsitzende ist sauer. "Wir könnten viel mehr, wenn man uns nur ließe", sagt Marion Lütkenhaus. Aber vielleicht habe der Arbeitgeber, die Leitung des Krankenhauses Uslar im Kreis Northeim, längst aufgeben. Denn wirtschaftlich arbeitet die Klinik sowieso nicht mehr.

Seit Dienstag herrscht unter den 75 Mitarbeitern, darunter fünf Ärzte, eine Untergangsstimmung. Seit Monaten müssen sie eine schlechte Nachricht nach der anderen wegstecken: Erst fehlen Ärzte, dann kommt das Gehalt verspätet, von Weihnachts- und Urlaubsgeld ganz zu schweigen. Nun ist der März bald zur Hälfte rum, aber Lohn hat es 2012 noch gar nicht gegeben. "Alle Kollegen sind verzweifelt", sagt Lütkenhaus, "sie wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll."

Womöglich muss das Krankenhaus in Uslar mit seinen gerade noch 35 Betten demnächst schließen. Die Menschen in Uslar bräuchten dennoch keine Angst zu haben, die Krankenhäuser in Göttingen und Holzminden sind nicht weit, und auch die Mutterklinik im hessischen Lippoldsberg liegt nur acht Kilometer entfernt. "Die Versorgung wäre in jedem Fall sichergestellt", betont Thomas Spieker, Sprecher des Sozialministeriums.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Uslar liegt in einer Gegend mit schrumpfender Bevölkerungszahl und einem ohnehin schon großen Angebot an Kliniken. Vor Jahren hat das Gesundheitszentrum Solling-Oberweser (GSO) das Krankenhaus gekauft, genutzt wird es als Außenstelle für Lippoldsberg. Das Land hätte damals nein sagen und das Ende der kleinen, schrumpfenden Klinik besiegeln können. Gegen den Rat der Kassen geschah das aber nicht. Nun gedeihen unterschiedliche Spekulationen darüber, warum das GSO ausgerechnet in Uslar investiert hat. Eine Theorie besagt, der Kauf einer bestehenden Klinik ebne den Zugang zum Gesundheitsmarkt und zur Abrechnung mit den Kassen - deshalb lohne sich sogar der Erwerb eines defizitären Krankenhauses. Andere meinen, das GSO habe sich verkalkuliert: Als der Kauf besiegelt wurde, galt noch das alte Abrechnungssystem, das die Umlage der tatsächlichen Kosten vorsah. Inzwischen gibt es Fallpauschalen, und die decken die Kosten in den unwirtschaftlichen Kliniken nicht mehr ab. In Uslar sind die Kosten hoch.

Vielleicht hatte der Investor auch ein wenig auf ein Wunder gehofft. Manche Kliniken versuchen eine Spezialisierung und wollen damit Patienten anlocken. In Lippoldsberg entstand 2009 die Idee, in Uslar Schwerstschädelhirnverletzte zu behandeln. Doch daraus wurde nichts - die Kassen hatten massive Bedenken, denn gerade solche Kliniken sind nichts für das flache Land, sie müssen in Ballungsräumen angesiedelt werden. Das Sozialministerium sah es ähnlich. Vielleicht glaubte man in Lippoldsberg auch, das Land Niedersachsen werde die Klinik in Uslar - und damit den Betreiber - subventionieren, zumal zehn Monate vor der Landtagswahl. Danach sieht es aber nicht aus. "Das Land ist kein Ersatzbürge für fehlende Wirtschaftlichkeit", sagt Ministeriumssprecher Spieker.

Die Betriebsratssprecherin spricht von den vielen Ideen, die in der Belegschaft entwickelt wurden: Man hätte Notärzte stärker an das Haus binden, neue Konzepte der Schmerztherapie entwickeln oder einen Onkologen anlocken können. "Aber die Geschäftsleitung wollte darüber mit uns nicht mehr reden", sagt Lütkenhaus. Angeblich will die GSO-Leitung vom Land vier Millionen Euro haben, um die Schließung der Klinik abzufedern. Dazu gäbe es aber nur einen Anspruch bei unzumutbarer Härte. "Die liegt in diesem Fall allerdings nicht vor", betont Sprecher Spieker.

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