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Kloster Loccum wird für 25 Millionen Euro saniert

Größtes Bauprojekt der Landeskirche Kloster Loccum wird für 25 Millionen Euro saniert

Für 25 Millionen Euro wird derzeit das Kloster Loccum im Landkreis Nienburg umgebaut. In dem 855 Jahre alten ehemaligen Kloster soll ein modernes Ausbildungszentrum für Pastorinnen und Pastoren entstehen.

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Schon mehrmals umgebaut in den vergangenen Jahrhunderten: Bis 2020 soll das Großprojekt der Landeskirche abgeschlossen sein.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Loccum. Es staubt gewaltig. Der Putz ist ab und legt den Blick frei auf uralte Tapeten und Mauern, die zum Teil noch im Mittelalter entstanden sind. „Das, was Sie hier sehen, ist das Ergebnis einer Schadstoffsanierung, die wir machen mussten“, sagt Werner Lemke. Der Herr, der an diesem sonnigen Wintertag über die Baustelle führt, ist Baudirektor der hannoverschen Landeskirche.  „Wegen der Verwendung von asbesthaltigem Wandputz musste alles ab“,  erläutert er.

Auch die elektrischen Anlagen waren uralt und marode. So blieb im Innern des Klosters, das auch durch die alljährlichen Neujahrsempfänge bekannt ist, kein Stein auf dem anderen. 2020 soll das Projekt beendet sein, zu dem unter anderem der Neubau einer Bibliothek sowie eines Schlafhauses für die Vikarinen und Vikare zählt.

Die hannoversche Landeskirche hat ihr größtes und anspruchsvollstes Bauprojekt tief in der Provinz – im Kloster Loccum im Landkreis Nienburg. Die mehr als 850 Jahre alte Anlage ist schon seit 1600 kein katholisches Kloster mehr, sondern ein evangelisches, das zwar keine Mönche mehr aber dennoch einen Abt hat (Altbischof Horst Hirschler). Die Kontakte zu den Zistersiensern, die einst das Kloster gründeten, werden nachwievor gepflegt.

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So sieht es in der Baustelle im Kloster Rehburg-Loccum aus. Ein Rundgang durch das Gebäude.

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Der Zahn der Zeit nagte indes gewaltig an den Bauten, die seit 1820 der Ausbildung von Pastoren dienen und mehrmals umgebaut worden sind – vom Mittelalter über die Barockzeit bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch so umfassend wie jetzt ist das Kloster Loccum, dessen Kirche bereits zur 850-Jahrfeier vor fünf Jahren saniert wurde,  noch nie erneuert worden. An die 25 Millionen Euro lässt sich die Landeskirche die Sanierung der imposanten Anlage kosten, die spätestens 2020 als Ausbildungszentrum für den theologischen Nachwuchs dienen soll. Dies ist seit Jahrzehnten das größte Bauprojekt der hannoverschen Landeskirche – nach den Sanierungen der Michaeliskirche in Hildesheim (10 Millionen Euro) und der Holzkirche in Clausthal-Zellerfeld (Kreis Goslar).

Dort, wo früher die Vikare für ihr Zweites Examen büffelten, schuften jetzt die Bauarbeiter, legen jahrhundertealtes Mauerwerk frei oder eine Tapete aus den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, die aus einer Art Linoleum besteht und den merkwürdigen Namen „Linkrusta“ bekam, wie ein Architekt erläutert.

Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas, dessen Stiftung auch einen 150.000 Euro-Zuschuss für die neue Bibliothek gegeben hat. ist sichtbar beeindruckt von der Baustelle, die er zum ersten Mal zu sehen bekommt. Alles wird neu gemacht, das alte Schlafhaus, das Treppenhaus, die alte Wohnung von Abt und Studiendirektor.

Die Vikare, die derzeit in Loccum unterrichtet werden, sind ausquartiert worden, etwa in die nahegelegene Evangelische Akadamie oder eine Heimvolkshochschule in Loccum. Manche sogar nach Hildesheim. „Wir bilden hier 125 junge Theologen aus fünf Landeskirchen aus, in fünf Kursen“, erläutert Adelheid Ruck-Schröder, Leiterin des Predigerseminars, an dem Theologen aus Bremen, Oldenburg, Schaumburg-Lippe, Braunschweig und aus der hannoverschen Landeskirche ausgebildet werden. Sie werden künftig in einem völlig neuen „Slaphus“ wohnen können, das neben der Försterei des Klosters entstanden ist.

Noch nicht zu sehen, aber in feinen Architekturstudien gut vorstellbar, ist der Anbau einer völlig neuen Klosterbibliothek, an dem in zwei Jahren mehr als 130.000 Bände stehen und studiert werden sollen, unter ihnen sehr wertvolle Drucke, Handschriften und uralte Bibeln wie etwa die „Kölner Bibel“ von 1478, die Bibliothekar Jörg Fiedler mit verzücktem Augenaufschlag präsentiert. Das Werk, eine der ersten Bilderbibeln, sei dem Kloster vermutlich geschenkt worden – nicht die einzige Kostbarkeit.

Auch ein „Kräuterbuch“ von 1545 findet sich im Loccumer Bücherbestand – ein Buch, für das Liebhaber mehr als 130.000 Euro ausgeben würden, auch wenn manche Rezepte nicht mehr ganz zeitgemäß erscheinen, etwa Kräuter „gegen hässliche Hessen“, die Fiedler erwähnt. Die hessische Architektin Ulrike Pape, die den 4,6 Millionen Euro teuren Bibliotheksanbau präsentiert, nimmt’s gelassen.

Der aus Natursteinen geplante Anbau entsteht auf einem Grundstücksteil, der auch schon im Mittelalter bebaut, in der Zwischenzeit aber wieder abgerissen war. So wird sich der Neubau an den alten Grundriss der Klosteranlage anfügen. Die Bibliothek, die noch um Bücherbestände aus Hildesheim ergänzt wird, soll auch öffentlich zugänglich sein. Sie erhält eine hochmoderne Brandschutzanlage, die mit Sauerstoffentzug arbeiten wird, um im Falle eines Brandes und Löscheinsatzes nicht den wertvollen Bücherbestand zu gefährden, wie die Architektin erläutert.

„Loccum hat einen ausgezeichneten Ruf auch als Ausbildungsplatz. Deshalb investieren wir hier“, sagt Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamtes. Die Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten an diesem Ort könne auch die Attraktivität der Theologenausbildung in Niedersachsen steigern. Denn im Gegensatz zu früher werden heute Theologen gesucht.

Von Michael B. Berger

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