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Verwirrung um Kometen Ison

Nienburg Verwirrung um Kometen Ison

Ein unbekanntes Flugobjekt hat am Montagabend in Nienburg für Aufregung gesorgt. Die Polizei vermutete zunächst, eine Anwohnerin habe den Kometen Ison gesichtet. Nun stellt sich heraus: Das ist gar nicht möglich.

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Der Komet Ison im Anflug auf die Sonne.

Quelle: dpa

Nienburg. Eine Anwohnerin aus Nienburg hatte am Montagabend ein hell scheinendes Objekt beobachtet, das aus ihrer Sicht eine Rauchwolke hinter sich herzog und abzustürzen schien. Die Frau alarmierte die Polizei, die sich mit der Flugsicherung in Hannover in Verbindung setzte. Dort gab es aber keine Hinweise auf einen Absturz in der Region.

Anhand von Handyaufnahmen der Anwohnerin sei das Flugobjekt schließlich als Komet Ison identifiziert worden, teilte ein Polizeisprecher mit. 

Laut Jan Hattenbach von der Sternwarte Aachen war das jedoch eine falsche Vermutung. "Der Komet Ison steht zurzeit so dicht bei der Sonne, dass er von der Erde nicht mehr zu beobachten ist", sagte der Astronom. Er vermute, dass es sich bei dem fotografierten Objekt um ein Flugzeug mit Kondensstreifen handelt, das von der Sonne angeleuchtet wird. 

Ison sorgt für Aufregung

Der Komet Ison aus den eisigen Randbezirken unseres Systems ist im Anflug auf die Sonne und könnte zu einem beeindruckenden Anblick werden. Astronomen erhoffen sich von ihm einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Sonnensystems, die zum Teil in dem "schmutzigen Schneeball" eingefroren ist, und zur Entstehung des Lebens auf der Erde.

Am Donnerstag wird Ison haarscharf an der Sonne vorbeirasen. Ob er dabei zerbricht, komplett verdampft oder im Gegenteil spektakulär erstrahlt, ist völlig offen, wie Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau erläutert. Ison passiert die Sonnenoberfläche in knapp 1,2 Millionen Kilometern Abstand, das ist etwas weniger als der Durchmesser der Sonne. "An der Oberfläche des Kometen wird es 1500 bis 2000 Grad Celsius heiß - das wird ein besonderer Stresszustand", betont Böhnhardt.

Ursprungsmaterialien von vor 4,6 Milliarden Jahren

Ison wurde am 21. September 2012 mit einem Teleskop des International Scientific Optical Network (Ison/Internationales wissenschaftliches Netz optischer Teleskope) entdeckt, nach dem er auch benannt wurde. Die Laufbahn des Kometen kann man hier live beobachten.

Kometen kommen aus den Außenbezirken unseres Sonnensystems. Damit eröffnen sie den Astronomen die Möglichkeit, die Regionen zu erkunden, wo die Ursprungsmaterialien des Systems aus seiner Entstehungszeit vor rund 4,6 Milliarden Jahren weitgehend unverändert eingefroren sind. Die Analyse auftauender Kometen erlaubt somit eine Art Archäologie des Sonnensystems.

Ison ist dafür ein besonderer Kandidat: "Im Vergleich zu anderen Kometen, die wir beobachtet haben, gilt Ison als Frischling", erläutert Böhnhardt. "Er ist bisher kaum verändert worden durch Sonneneinstrahlung." Möglicherweise ist es sogar sein erster Besuch im inneren Sonnensystem, wie Jian-Yang Li vom Planetary Science Institute in Tucson betont. "Die während seiner Annäherung an die Sonne erwartete große Helligkeit des Kometen erlaubt viele wichtige Messungen, die bei den meisten anderen frischen Kometen unmöglich sind."

Auch für die Erdgeschichte ist Ison interessant. "Bis heute ist ungeklärt, woher das Wasser der Ozeane kommt", sagt Böhnhardt. "Kometen enthalten etwa zur Hälfte Wasser. Manche Theorien gehen davon aus, dass die Ozeane durch Kometeneinschläge entstanden sind." Auch Grundbausteine des Lebens könnten so auf die Erde gelangt sein.

ang/dpa

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