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Die Lage in Friedland spitzt sich zu

Konflikte unter Flüchtlingen Die Lage in Friedland spitzt sich zu

Die Polizei muss immer mehr bei Streitereien und Tumulten unter Flüchtlingen im Lager Friedland eingreifen. Die meisten Auseinandersetzungen gibt es bei der Verteilung von Essen, Bekleidung und anderen lebenswichtigen Gegenständen.

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Schlange stehen als Alltag: Das Erstaufnahmelager Friedland ist mit Flüchtlingen überfüllt.

Quelle: dpa

Friedland. Nachdem Anwohner am Sonntag eine Schlägerei zwischen 50 Flüchtlingen um Essen und einen darauf folgenden Großeinsatz der Polizei beobachtet hatten, wurden jetzt weitere Vorfälle bekannt. So kam es zum Beispiel in der Nacht zu Dienstag vorvergangener Woche zum Streit zwischen Mitarbeitern des Lagers und einem Flüchtling bei der Ausgabe von Bett­decken. Anlass seien „Unstimmigkeiten hinsichtlich der Anzahl der zu empfangenden Decken“ gewesen, erklärt die Göttinger Polizei dazu. Einen „massiven Polizeieinsatz“, wie von Anwohnern geschildert, bestätigten die Beamten aber nicht.
„Spannungen und Streitigkeiten bis hin zu polizeilich relevanten körperlichen Auseinandersetzungen unter einzelnen Flüchtlingen oder Gruppen, die aus den unterschiedlichsten Religionsbeziehungsweise Kulturkreisen stammen, bleiben in Anbetracht der räumlichen Enge zwangsläufig nicht aus“, kommentiert ein Polizeisprecher. Für die Zeit ab der mittäglichen Essensausgabe im Lager bis zum Abend wird mittlerweile täglich ein Einsatzzug mit etwa 25 Beamten bereitgestellt.

Das auf eine Kapazität von 700 Menschen ausgelegte Lager ist inzwischen mit 2500 Menschen belegt, die meisten kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Eritrea. „Wir sind an der Grenze dessen, wo eine verantwortungsvolle Betreuung der Flüchtlinge noch möglich ist“, sagte Leiter Heinrich Hörnschemeyer dem NDR. Er fordert das Land auf, die Zahl der in Friedland untergebrachten Flüchtlinge so bald wie möglich zu reduzieren.

Auch in der Freizeitgestaltung sind die Flüchtlinge stark eingeschränkt. Die Deutschkurse, die Freiwillige anbieten, sind hoffnungslos überlaufen. Hereingelassen wird nur, wer Unterrichtsmaterialien dabei hat, alle anderen können nicht teilnehmen. Probleme gibt es auch mit dem öffentlichen Sportplatz. Dort wurde nach Informationen des NDR kürzlich ein Schild aufgestellt, das in drei Sprachen verkündet, Fußballspielen außerhalb der Trainingszeiten sei verboten. „Ich habe vollstes Verständnis für das Bedürfnis, einfach mal zu bolzen. Aber täglich so viele Leute – das hält der Platz nicht aus“, sagt Hans-Jörg Raub, Vorsitzender des SC Blau-Weiß Friedland. Beobachtungen von Nachbarn, dass Flüchtlinge gezwungen seien, auch bei Regen auf Matratzen im Freien zu übernachten, bestätigt der Lagerleiter nicht. Kein Flüchtling müsse im Freien schlafen, versichert Hörnschemeyer. Es sei „aber bekannt, dass einige Personen lieber draußen als in Fluren oder Zelten übernachten“.

Am Dienstag will Innenminister Thomas de Maizière (CDU) mit seinem niedersächsischen Amtskollegen Boris Pistorius (SPD) das Lager Friedland besuchen und sich ein Bild von der Situation machen.
n Somalischer Pirat im Flüchtlingslager: Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt gegen einen mutmaßlichen somalischen Piraten, der an der Entführung des Frachters „Susan K.“ vor Oman im April 2011 beteiligt gewesen sein soll. Der Mann sei vor etwa drei Wochen in einer Asylbewerberunterkunft in Reutlingen festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Eine Beteiligung an der Entführung habe der Festgenommene eingeräumt. Nach Angaben aus baden-württembergischen Sicherheitskreisen kamen die Ermittler auf die Spur des Mannes durch den Abgleich von Fingerspuren. Bei der Registrierung von Asylbewerbern werden Fingerabdrücke genommen. Dabei gab es eine Übereinstimmung mit auf dem Frachter gesicherten Fingerspuren.

Von Matthias Heinzel
und Isabel Christian

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