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Mehr Angriffe auf Rettungskräfte

Kriminalität Mehr Angriffe auf Rettungskräfte

Rettungssanitäter, Notärzte und Feuerwehrleute werden immer häufiger Ziel von gewalttätigen Angriffen – das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Laut Kriminalstatistik wurden von 2011 bis 2013 jährlich um die 100 Angriffe auf Rettungskräfte angezeigt.

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Bei ihren Einsätzen kämpfen Ärzte, Feuerwehrleute und Sanitäter um das Leben von Opfern – und immer häufiger auch gegen die Aggression von Umstehenden.

Quelle: Tim Winzentsen/dpa

Hannover. Diese Zahl stieg 2014 auf 117 und 2015 auf 154 angezeigte Angriffe an. Betroffene vermuten, dass die Dunkelziffer weit darüber liegt. „Es ist richtig, dass die Aggressivität zugenommen hat“, sagt Michael Lukas, Sprecher des Malteser-Rettungsdienstes. Das beobachte man bereits seit einigen Jahren. So komme es immer wieder vor, dass Rettungskräfte etwa auf einem Volksfest einem am Boden liegenden Betrunkenen helfen wollten, dieser die Hilfe aber nicht wolle und dann wild um sich trete und schlage.

Mit Gewalt müssten Feuerwehrleute mittlerweile überall rechnen, meint Olaf Rebmann vom Landesfeuerwehrverband Niedersachsen: Auf dem Land oder in der Stadt, bei kleinen Einsätzen oder beim Löschen eines Großbrands. „Die Situationen sind wirklich vielschichtig.“ So komme es vor, dass ein Gartenbesitzer die Feuerwehrleute anpöbele, weil diese ein nicht genehmigtes Feuer in seinem Garten löschen. Oft würden Rettungskräfte angegangen, weil sie angeblich zu lange gebraucht haben, um mit einem Rettungswagen zu einer Unfallstelle zu kommen. Oder der Patient ist nicht zufrieden, wenn der Notarzt entscheidet, dass der Patient keine Rettungsfahrt mit dem Krankenwagen braucht, sondern selber zum Arzt gehen kann. Dass es dabei laut werden kann, versteht Rebmann sogar: „Man darf nicht außer acht lassen, dass die Anrufer unter Stress stehen. Da kann es schon mal passieren, dass jemand ausrastet.“

Michael Lukas führt die gestiegene Aggressivität darauf zurück, dass die Art der Einsätze sich verändert hat. „Wir haben mehr Einsätze im sozialen Bereich, bei denen wir es mit Suchtproblemen zu tun haben.“ Drogen und Alkohol enthemme die Menschen auch in ihrer Wut. Auch er vermutet, dass die tatsächliche Anzahl der Angriffe weit über die Zahl der Anzeigen hinausgehe. „Wir stellen häufig keine Anzeige bei so etwas. Es macht ja auch keinen Sinn“, sagt Lukas.

Die Landesregierung verurteilt die Angriffe auf Hilfskräfte scharf. „Wir müssen dem Phänomen entgegenwirken, dass Rettungskräfte immer häufiger Opfer von Gewalt werden“, sagt Meta Janssen-Kucz, Landeschefin der Grünen. Die Ausbildung der Helfer in den Bereichen Gewaltprävention, Eigenschutz und Deeskalation müsse verbessert werden.

Schärfere Gesetze fordert die Grünen-Chefin nicht. Das würde vermutlich auch nichts bringen, meint Michael Lukas. Für ihn sind die Angriffe ein Merkmal für den Respektverfall gegenüber Uniformierten - das betreffe die Polizei, aber eben auch Feuerwehrleute und Sanitäter.

Polizei fordert härtere Strafen

Auch Polizisten sind immer häufiger Opfer von Übergriffen. Nach Gewerkschaftsangaben werden täglich im Schnitt rund 160 Beamte zum Ziel eines Angriffs. Sowohl die Gewerkschaft der Polizei (GdP) als auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordern einen eigenen Strafrechtsparagraphen, um solche Attacken härter zu bestrafen.

Die rot-grüne Koalition in Niedersachsen zeigt bislang keine Ambitionen, dieser Forderung auf Bundesebene Nachdruck zu verleihen. Mit dem neuen Polizeigesetz, das derzeit im Landtag verhandelt wird, will sie aber Polizisten erlauben, kleine Kameras auf den Schultern, sogenannte Bodycams, zu tragen. Diese sollen während eines Einsatzes die Situation filmen und so Angreifer abschrecken. Allerdings sieht das Gesetz den Einsatz solcher Kameras nur in der Öffentlichkeit vor, etwa bei Demonstrationen. Wird ein Polizist zu einem Streit in eine Wohnung gerufen, darf er die Kamera nicht einschalten. Dagegen haben insbesondere die beiden Gewerkschaften in Niedersachsen Protest eingelegt.

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