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Der Norden Künstlerin zeigt Schönheit behinderter Menschen
Nachrichten Der Norden Künstlerin zeigt Schönheit behinderter Menschen
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11:51 17.05.2016
Thorsten Föllmer (unten) und Sabrina Schmidt haben sich in der Kapelle des Henriettenstifts vor die Kamera von Julia Krahn gewagt. Quelle: Julia Krahn
Göttingen/Hannover

Die Fotokünstlerin Julia Krahn hat mit Bewohnern einer Behinderteneinrichtung aus Hannover den biblischen Text des "Hohelied Salomos" mit zärtlichem, teils erotischem Inhalt inszeniert. Dabei gehe es auch darum, das gängige Schönheitsideal zu hinterfragen, sagte Krahn. "Die Leute sollen sehen, dass es Menschen sind, und erst auf den zweiten Blick die Krankheit erkennen."

Die 26 Aufnahmen sind ab Donnerstag erstmals in der Ausstellung "SchönerHeit" in der Göttinger St. Johanniskirche zu sehen. Alle zwölf Projektteilnehmer leben in Einrichtungen vom Diakovere Annastift, dem größten Rehabilitationszentrum für Körperbehinderte in Niedersachsen. Für die Bewohner sei es wichtig gewesen, nicht wegen ihrer Behinderung wahrgenommen zu werden, sagte Geschäftsführer Ulrich Spielmann. Bis heute müssten sie um ihre gesellschaftliche Anerkennung kämpfen. "Die Fotografien zeigen uns die einzelnen Menschen, ohne sie zur Schau zu stellen."

Die in Italien lebende und international ausgezeichnete Fotografin Krahn hatte die Bewohner vor drei Jahren in der Kapelle des hannoverschen Henriettenstifts fotografiert. Sie hat für dieses Projekt erstmals mit behinderten Menschen zusammengearbeitet. "Ich möchte an der Schönheit und Fröhlichkeit arbeiten, die ich in ihnen sehe", sagt Krahn. Mit jedem ihrer körperlich behinderten Fotomodelle hat Krahn vorher ausführlich über die Textstellen gesprochen und gemeinsam haben sie die jeweilige Szene entwickelt.

In einer Szene kniet Thorsten Föllmer auf einem Tierfell, nur mit einem Tuch bedeckt. Sein Rollstuhl steht nur wenige Meter vom Fotoshooting entfernt. Föllmer stellt einen Mann dar, der zu seiner Geliebten aufschaut. "Schön bist du, meine Freundin, Zwei Tauben sind Deine Augen", heißt es in dem biblischen Text. Auf dem mit Moos dekorierten Altarstein über ihm liegt in weiße Tücher gewickelt Sabrina Schmidt und lächelt versonnen. Um ihren Kopf trägt sie eine Krone aus Federn. Der Kirchenraum ist extra mit zahlreichen Scheinwerfern in sanftes, warmes Licht getaucht. Ein einziger Kamerablitz könnte bei beiden Fotomodellen eine Spastik auslösen. In der Stille ist oft nur das Klicken der Kamera zu hören. "Wunderschön", sagt Fotografin Krahn. Über die Gesichter ihrer beiden Fotomodelle huscht ein stolzes Lächeln.

Während der Aufnahmen erzählt Schmidt, dass sie schon immer einmal Fotomodell sein wollte. Fotografin Krahn drapiert währenddessen Moos um ihren Körper. "Darf ich?", fragt die Fotografin. Schmidt nickt selbstsicher und Krahn lüftet die Tücher. Für die Darstellung des innigen Liebespaares zeigt sie sich mit nacktem Oberkörper. Zu der Ausstellung ist auch ein 112 Seiten umfassender Katalog entstanden. Darin hat Schmidt selbst rückblickend nur einen Satz geschrieben: "Das sieht so real aus, ich bin überwältigt." Und Föllmer ergänzt: "Wenn ich das Bild jetzt sehe, dann stelle ich fest, dass es ganz wichtig für mich war und das sich das gelohnt, wirklich gelohnt hat."

Die Schau wird als Wanderausstellung in den kommenden Monaten auch in Hannover, Bremerhaven, Hildesheim und Verden zu sehen sein. Gefördert wurde das Projekt von der Anna von Borries Stiftung und der Hanns-Lilje-Stiftung. In Göttingen gastiert die Ausstellung vom 19. Mai bis zum 22. Juni in der St. Johanniskirche. Nach Hannover kommt "SchönerHeit" erst im Frühjahr 2018. Die Fotografien werden dann in der Marktkirche ausgestellt.

epd

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