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Der Norden Das Land erbt immer mehr
Nachrichten Der Norden Das Land erbt immer mehr
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20:04 22.05.2016
Von Karl Doeleke
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Das Land erbt so viel wie noch nie von seinen Bürgern. Das liegt unter anderem an einem Grundsatz des Erbrechts: Dass es keinen Erben gibt, gibt es nicht. Immer, wenn der Verstorbene keine Nachkommen hat, das Nachlassgericht keinen Erbberechtigten finden kann oder die Kinder die Erbschaft ausgeschlagen haben, tritt der Staat an ihre Stelle. Warum das aber zuletzt immer häufiger passiert ist, darüber kann Detlef Huhs von der Oberfinanzdirektion nur Mutmaßungen anstellen. „In immer mehr Familien gibt es nur wenige oder gar keine Kinder“, sagt er. Immer häufiger sterben daher alleinstehende Menschen.

Was die Mitarbeiter in der Oberfinanzdirektion aber auch beobachtet haben: Öfter als früher schlagen Erben den Nachlass aus. „Die Menschen werden immer älter“, sagt Behördensprecher Huhs. „Die Rente reicht dann nicht für die Kosten bei Krankheit und Pflege. Wenn Grundstücke vorhanden sind, werden diese oft über Wert belastet.“ Um sich nicht selbst zu verschulden, lehnen die Nachkommen dann häufig die Annahme des Erbes ab.

So landen dann Immobilien wie das „abrissreife Einfamilienhaus mit attraktivem Grundstück“ in Rhauderfehn (Kreis Leer) für 29.500 Euro im Internet. Auf www.immobilien.niedersachsen.de und den üblichen Immobilienportalen bietet die Oberfinanzdirektion geerbte Immobilien zum Kauf an. Schmuck, Autos oder andere Sachen werden auf www.zoll-auktion.de versteigert. Der Erlös kommt der Landeskasse zugute, soweit es nicht Gläubigern zusteht.

In den meisten Fällen geht das Land aber nicht mit einem Minus aus einer Erbschaft. Zuletzt hat der Fiskus immer mehr eingenommen. Im Jahr 2013 erlöste das Land 5,8 Millionen Euro aus Erbschaften, 2014 waren es 7,4 Millionen – und im vergangenen Jahr lag die Summe mit 7,2 Millionen Euro nur knapp darunter. Das liegt auch daran, dass die Zahl der Erbschaften gestiegen ist. 2005 erbte der Staat in 343 Fällen pflichthalber. Im Jahr 2011 waren es bereits 1200 Erbschaften, jetzt mehr als 1700 – in etwas mehr als zehn Jahren hat sich ihre Zahl also mehr als verfünffacht. Dazu kommen fast 3200 Nachlässe, die noch gar nicht verwertet sind.

Die Verwertung sei manchmal anstrengend für die Mitarbeiter in der Oberfinanzdirektion, sagt der zuständige Referatsleiter Holger Holl. Der Staat erbt nicht nur in Niedersachsen, sondern in ganz Europa: Spanien, Türkei, Frankreich, Italien, Polen, Ungarn und Schweden zählt Holl auf. „Das sind überwiegend Immobilien, aber keine Luxusimmobilien.“ Oft seien die Eigentumsverhältnisse unklar. „Das macht viel Arbeit.“

Froh ist Holl zum Beispiel auch, dass er endlich die fast 40 Jahre alte Yacht losgeworden ist, die das Land vor etwa sechs Jahren geerbt hatte. „Da können Sie ja nicht hinfahren, um sie zu verkaufen.“ Über einen englischen Makler hat das Land das Schiff jetzt endlich verkaufen können. „Für einen unteren fünfstelligen Betrag“, sagt Holl. Mehr will er nicht sagen.

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