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Land zapft Erdwärme aus der Tiefe an

Bad Bevensen Land zapft Erdwärme aus der Tiefe an

In der Kurstadt Bad Bevensen sollen künftig zwei Kliniken, die Therme und das Kurhaus mit Wärme aus tiefen Erdschichten beheizt werden. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hat sich nach einer Vorauswahl für die Unterstützung der Stadt im Kreis Uelzen entschieden.

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Ins Innere der Erde: Mit Industriediamanten wird bei der Geothermie tief gebohrt.

Quelle: Boris Roessler

Bad Bevensen. „Dort ist eine Tiefenbohrung so vielversprechend, dass wir sie mit einer Landesbürgschaft fördern wollen“, sagte der Minister dieser Zeitung. Die Bohrung soll bis zu 2,4 Kilometer tief in die Erde reichen. Das Wirtschaftsministerium will der Stadt als Betreiber des 20-Millionen-Euro-Projekts als Bürge unter die Arme greifen und mit Hilfe der N-Bank eine auf 5 Millionen Euro geschätzte „Wirtschaftlichkeitslücke“ schließen. „Das Projekt ist ökologisch nachhaltig und nach außen darstellbar“, meint Lies. Bisher wurden in Niedersachsen sieben Voruntersuchungen zu Tiefenbohrungen gefördert.

Die Wärme aus der Erde wird schon vielfach genutzt, vor allem zum Beheizen einzelner Häuser. Die sogenannte Tiefen-Geothermie steckt dagegen, wie es in der Branche heißt, in einem Dornröschenschlaf. Niedersachsen gilt als besonders geeignet für Pilotprojekte, weil tiefere Erdschichten hier im Zuge der Erdöl- und Erdgasförderung sehr gut untersucht sind. Bereits unter dem FDP-Minister Stefan Birkner hatte das Land eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, Nachfolger Lies brachte mit 250 000 Euro pro Standort weiterführende Untersuchungen auf den Weg - unter anderem in Wunstorf und am Flughafen Hannover. Gute Chancen werden neben Bad Bevensen auch Heede im Emsland attestiert, wo Erdwärme aus bis zu 5 Kilometern Tiefe gefördert werden soll. 2012 allerdings scheiterte ein Großprojekt in Hannover: Hier sollte das Gebäude der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffen in Groß-Buchholz mit Geothermie beheizt werden. Das 3900 Meter tiefe Bohrloch musste wieder verschlossen werden, kristallisiertes Salz hatte es verstopft - bis dahin waren 20 Millionen Euro aus Bundesmitteln in das Projekt geflossen.

Eine regenerative Energie

Bei der Geothermie wird in der Erdkruste gespeicherte Wärme genutzt, sie zählt zu den regenerativen Energien. Für die Nutzung eignen sich besonders solche Regionen, in denen durch Klüfte im Gestein warmes Tiefenwasser nachströmen kann. Mit der Bohrung in 2400 Metern Tiefe betritt Bad Bevensen in Norddeutschland Neuland. Anders sieht es im Bereich der mitteltiefen Geothermie aus, etwa beim Schwimmbadbetrieb. Das Nettebad Osnabrück etwa testet seit zwei Jahren mit Erfolg die Nutzung von Wärme aus 400 Metern Tiefe. Mögliche Risiken wie die Erdbebengefahr lassen sich bisher nur schwer abschätzen.

Beim Favoriten Bad Bevensen spricht Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer nun von einem „Projekt mit Signalwirkung“. Er sagt: „Wir sehen in der Geothermie eine nachhaltige Energiegewinnung, die über die Kliniken und das Kurhaus hinaus ausbaufähig ist.“ Schon mit wenigen Großabnehmern sei die Wirtschaftlichkeit gesichert. Geplant ist, auch Rathaus und Schule mit Tiefenwärme zu heizen. Zusätzlich soll über eine zweite Bohrung in einem gemeindeeigenen Waldstück auch Wärme in tiefen Sandsteinschichten angezapft werden. Alles geschieht ohne den Einsatz von Chemikalien, im Gegensatz zum Fracking.

Von den auf 20 Millionen Euro geschätzten Kosten beträgt der Eigenkapitalbedarf für den Projektstart 8 Millionen Euro. „Diese Summe kann die Stadt Bad Bevensen nicht aufbringen“, sagt Kammer. Wirtschaftsminister Lies hat sich auch in Berlin und Brüssel um Förderung bemüht. Er will die langwierigen Entscheidungen dort jedoch nicht erst abwarten. „Wir wollen den Beweis antreten, dass ein solches Projekt technisch verwirklicht und wirtschaftlich betrieben werden kann“, sagt der Minister.

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