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Der Norden "Bewusstsein für Behinderte stärken"
Nachrichten Der Norden "Bewusstsein für Behinderte stärken"
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00:17 06.12.2015
Von Michael B. Berger
„Die Potenziale sind immens“: Behinderten­beauftragte Petra Wontorra. Quelle: dpa
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Hannover

„Es ist in erster Linie eine Frage des Bewusstseins“, sagt Petra Wontorra. Seit knapp einem Jahr ist die 56-Jährige, die im Rollstuhl arbeiten muss, Behindertenbeauftragte des Landes. Sie versteht sich als Mutmacherin und will immer wieder das Bewusstsein der Gesellschaft dafür schärfen, dass Menschen mit Handicap dazugehören – bei der Arbeit, im öffentlichen Leben. Überall. „Die Teilhabe ist der Schlüssel. In dem Moment, in dem ich Behinderte von vorneherein mit einbeziehe, läuft vieles anders. In den USA ist der Gedanke der Inklusion angekommen“, sagt sie.

Selbstbestimmung ist für die ehemalige Verwaltungsangestellte und Mutter von zwei Kindern auch ein Schlüsselwort. Am Vorabend des Welttages für Menschen mit Behinderung hat sie gestern vor der Landespressekonferenz eine Broschüre vorgestellt, die sowohl Arbeitgebern als auch Menschen mit Handicaps Mut machen soll, aus den Behindertenwerkstätten in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu wechseln – als Altenpflegerin, Gabelstaplerfahrer oder auch Lagerarbeiter. Drei von sechs Beispielen, die Wontorra in ihrer Broschüre anführt. „32 000 Menschen mit Behinderungen leben in den Werkstätten. Aber leider haben es nur 65 Menschen in Niedersachsen geschafft, mit einem persönlichen Budget in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu kommen.“

Persönliches Budget? Eine Art Zuschuss, den der Staat an die Werkstätten zahle, etwa 900 bis 1000 Euro, erläutert Wontorra. Ein Geldbeitrag, der anstelle einer Sachleistung monatlich bezogen werden könne. Er ermögliche es den Behinderten, Dienstleistungen, die sie im Alltag bräuchten, selbst zu organisieren. In Göttingen gebe es dafür extra ein „Budgetbüro“, das die Behinderten berate und unterstütze. Es wird selbst von der Klosterkammer unterstützt. „Mein Wunsch ist, dass es im Lande viel mehr solcher Büros gibt“, sagt Wontorra. Es seien mehr solcher Zentren erforderlich, die auch die Arbeitgeber auf andere, neue Ideen brächten. „Die Potenziale von Menschen mit Behinderungen sind immens. Nur viele Arbeitgeber wissen gar nichts davon.“

Autisten etwa, erläutert sie, könnten hervorragende Leistungen vollbringen. „Sie brauchen nur einen ruhigen Arbeitsablauf, einen ruhigen und strukturierten Arbeitsplatz.“ Wontorra weiß, dass sie mit diesen Wünschen ein dickes Fass aufmacht. „Mein Job ist Bewusstseinsbildung.“     

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