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Der Norden Rettungsaktion für den alten Welfensitz
Nachrichten Der Norden Rettungsaktion für den alten Welfensitz
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00:17 25.01.2017
Die Schlossanlage in Herzberg ist teilweise einsturzgefährdet. Quelle: pid
Herzberg

Das Welfenschloss in Herzberg gehört zu den kulturhistorisch bedeutenden Bauwerken in Niedersachsen. Die imposante Anlage hoch über der Stadt Herzberg (Kreis Göttingen) ist nicht nur das größte Fachwerkschloss Norddeutschlands, sondern gilt auch als Wiege des hannoverschen Königshauses. Hier kam 1629 Ernst August zur Welt, der erste Kurfürst von Hannover und Vater des späteren englischen Königs Georg I. Ein Jahr zuvor war in dem Schloss seine Schwester Sophie Amalie geboren worden, die später Königin von Dänemark wurde. Heute ist vom einstigen Glanz nur noch wenig zu sehen. Die Anlage befindet sich in einem extrem schlechten Zustand. Nach Jahren des Stillstands soll der Verfall nun gestoppt werden. Die Landesregierung hat für die nächsten beiden Jahre zunächst 7,5 Millionen Euro für die schrittweise Sanierung bereitgestellt.

Marder im Amtsgericht

Inzwischen sind erste vorbereitende Untersuchungen angelaufen, im Frühjahr sollen die eigentlichen Instandsetzungsarbeiten beginnen. „Das ist eine herausragende Baustelle für uns“, sagt der Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen, Marcus Rogge. Zunächst sollen zwei Gebäudeteile des vierflügeligen Schlosskomplexes saniert werden, in denen besonders dringender Handlungsbedarf besteht: Der mit zahlreichen Schnitzereien verzierte Uhrenturm weist einige Schäden auf, sodass Teile herabzufallen drohen. Der seit Langem leer stehende Marstall-Flügel ist sogar akut einsturzgefährdet. Hier sind derzeit Bauarbeiter damit beschäftigt, die tragenden Konstruktionen freizulegen. „Wir müssen uns zunächst einen Überblick über das Schadensbild verschaffen, um dann den Sanierungsaufwand ermitteln zu können“, sagt Rogge.

Das Land investiert Millionen in die Sanierung des Herzberger Schlosses – es ist zum Teil einsturzgefährdet.

Wie groß die Schäden tatsächlich sind, lässt sich noch nicht verlässlich abschätzen. Derzeit gehen die Experten von einem Gesamtbedarf von mehr als 20 Millionen Euro aus. Bereits 2001 war auf dem Dachboden der Schlossanlage ein massiver Schwammbefall festgestellt worden. Daraufhin waren dann zwar erste Rettungsmaßnahmen angelaufen. 2005 ließ der damalige Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) jedoch alle Arbeiten einstellen. Die Landesregierung wollte zu dem Zeitpunkt nichts mehr in den Erhalt investieren, sondern das landeseigene Schloss zu einem symbolischen Wert verkaufen. Dieser Plan erwies sich jedoch als illusorisch, kein Investor wollte das Baudenkmal übernehmen. Der jahrelange Stillstand führte dazu, dass immer mehr Balken und Deckenteile verrotteten.

Unter dem maroden Gebäudezustand hatten vor allem die Beschäftigten und Besucher des ebenfalls im Schloss befindlichen Amtsgerichts zu leiden. In den vergangenen Jahren waren Waschbären und Marder durch Lücken im Gemäuer und Gebälk auf den Dachboden gelangt, was im darunter liegenden Sitzungssaal aufgrund der Urin-Hinterlassenschaften der Tiere zu erheblicher Geruchsbelästigung führte. Wegen möglicher Einsturzgefahr musste der Verhandlungssaal außerdem vorsorglich mit Balken abgestützt werden, sodass sich die Prozessbeteiligten kaum sehen konnten. Inzwischen wurden Dachboden und Sitzungssaal so hergerichtet, dass die Verhandlungen nun ohne störende Gerüche und andere Beeinträchtigungen stattfinden können.

Lehmstaub rieselt herunter

Voraussichtlich im nächsten Jahr soll dann auch das Torhaus saniert werden. Das Torhaus solle ebenso wie der Marstall-Flügel nach der Instandsetzung als Ausweichfläche genutzt werden, wenn in einem späteren Bauabschnitt die Sanierungsarbeiten im Gebäudekomplex des Amtsgerichts beginnen, erläutert Baumanagement-Leiter Marcus Rogge. Bis dahin müssen die Justizmitarbeiter vermutlich noch mit manchen Überraschungen rechnen. Erst vor wenigen Tagen musste das Baumanagement schnell Abhilfe schaffen, weil im Sozialraum des Amtsgerichts Lehmstaub der Decke durch die Vertäfelung rieselte.

Auch die Marienburg bröckelt

Auch an der Marienburg bei Pattensen in der Region Hannover sind umfangreiche Baumaßnahmen nötig. Unter anderem droht die Außenmauer des 1860 errichteten Gebäudes abzurutschen. Aus diesem Grund laufen derzeit Gespräche zwischen dem Eigentümer, Ernst August Erbprinz von Hannover, und der Landesregierung. Die Staatskanzlei bestätigt, dass der Eigentümer Anfragen wegen möglicher Förderprogramme gestellt hat. Diese würden generell „unabhängig vom persönlichen Status der Antragsteller fachlich geprüft“, heißt es weiter.

Bereits vor gut zwei Jahren hatte sich der Bund bereit erklärt, die Hälfte der damals veranschlagten 500.000 Euro für erste Sicherungsmaßnahmen aus dem Denkmalschutzprogramm zu übernehmen.

von Heidi Niemann

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