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Landwirt sperrt Strahlenschutzamt aus

Atomlager Asse Landwirt sperrt Strahlenschutzamt aus

Ein Bauer will seine Ackerflächen nicht für seismische Messungen freigeben und sperrt dem Strahlenschutzamt den Zugang für die großen Messwagen. Dabei sollen die für die Asse-Sanierung wichtige Daten liefern.

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Der Landwirt will die großen Messwagen nicht auf seinen Acker lassen.

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz

Hannover. Hannover. Vor der geplanten Sanierung des Atomlagers Asse bei Wolfenbüttel bauen sich neue Hürden auf. Eigentlich wollte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im April kommenden Jahres mit umfangreichen seismischen Messungen beginnen, die genaueren Aufschluss über die unterirdische Situation um das Atomlager herum geben sollten. Doch das 30 Millionen Euro teure Messverfahren kann nicht beginnen. Einige Grundeigentümer im Landkreis Wolfenbüttel weigern sich, die Messwagen auf ihre Grundstücke zu lassen.

Einer von ihnen ist der 45-jährige Landwirt Rolf Steinkampf. Er hält die für 2033 geplante Herausholung des Mülls für „Unsinn“ und meint, dass es besser wäre, wenn die Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll in dem ehemaligen Salzbergwerk blieben. „Sie stellen keine Gefahr dar, solange sie dort in über 500 Meter Tiefe lagern“, schrieb Steinkampf an das BfS und beruft sich auf die Argumentation des hannoverschen Physikers Hermann Hinsch.

Steinkampf ist nicht der einzige, der derzeit dem Strahlenschutzamt die Stirn bietet. „Von 700 Grundeigentümern, die wir fragen müssen, haben einige gesagt, dass sie dem nicht zustimmen werden“, sagt BfS-Sprecherin Ina Stelljes. Es seien zwar nur wenige, aber das mache die Situation jetzt schwierig. „Im April können wir jedenfalls nicht mit den Messungen beginnen.“ Die Messungen seien eine wesentliche Voraussetzung der gesamten Stilllegungsplanung.

Bei den seismischen Untersuchungen werden zuerst kleine Bohrlöcher in den Untergrund geführt, etwa zweieinhalb bis acht Meter tief. Die werden nach BfS-Angaben mit sorgfältig dosierten Explosivladungen befüllt und sicher verschlossen. Die in der Tiefe ausgelöste Zündung ist an der Oberfläche nur als leichte Erschütterung zu spüren. Angeschlossene Geofone, die wie Mikrofone arbeiten, liefern über eine Fülle elektrischer Signale ein dreidimensionales Bild des Untergrundes.

Bauer Steinkampf zweifelt weniger an den Messungen als am Sinn der gesamten 2010 politisch beschlossenen Rückholung des Atommülls. Er weist darauf hin, dass zwischen 1909 und 1925 mit dem Kalium 40 etwa so viel Radioaktivität aus dem ehemaligen Salzbergwerk geholt wurde, wie später in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wieder eingelagert wurde. Zudem sei die Radioaktivität in der Asse wesentlich geringer als die der Glaskokillen, die im Zwischenlager Gorleben aufbewahrt werden. „In der Asse lagern Abfälle, die lediglich etwa die Radioaktivität einer einzigen Kokille haben, in Gorleben lagern mehr als 2000 Kokillen“, schrieb Steinkampf an das BfS.

Der Landwirt, der über etwa 100 Hektar an der Asse verfügt und dessen Familie schon seit dem 16. Jahrhundert in der Region lebt, will ein „Zeichen setzen, damit über die Asse wieder rationaler geredet wird“. Viele reagierten schon hysterisch, wenn sie das Wort „Asse“ nur hörten.

Welche Konsequenzen die Weigerung der wenigen Grundstückseigentümer habe, wollte BfS-Sprecherin Stelljes nicht sagen. „Wir setzen weiter auf das Gespräch.“

Streit um Atomfirma

Umweltminister angerufen: Im Streit um ein Braunschweiger Gelände mit radioaktiven Stoffen haben Anwohner und die Bürgerinitiative Strahlenschutz beim Umweltministerium einen Lizenzentzug beantragt. Die zum Teil schon vor 40 Jahren erteilten Strahlengenehmigungen des Betreibers Eckert & Ziegler, der auch Asse-Müll konditionierte, würden den heutigen Risiken nicht Rechnung tragen, teilten die Autoren des Antrags mit. Sowohl mit Blick auf mögliche Terrorgefahren wie auch andere Risiken sei der Standort ungeeignet – zumal er in der Anflugschneise des Braunschweiger Flugplatzes liege. Das Ministerium bestätigte den Eingang des Schreibens und will es nun prüfen. Thomas Huk, einer der Antragsteller, kündigte für den Fall des Scheiterns eine Klage an. Die Nuklear­firma Eckert & Ziegler stellt radioaktive Komponenten für medizinische Zwecke her und lagert in Braunschweig auch Atomabfälle. Ein Unternehmenssprecher erklärte: „Eckert & Ziegler hat für seinen medizinisch-technischen Betrieb in Braunschweig eine lupenreine und grundsolide Genehmigung. Es gibt von der Sache her keinen Anlass, das zu ändern.“

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