Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Biokontrolleure unter Betrugsverdacht
Nachrichten Der Norden Biokontrolleure unter Betrugsverdacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:42 01.07.2013
Von Karl Doeleke
Roland Herrmann von der Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen eine private Ökokontrollstelle aus Süddeutschland wegen des Verdachts der Beihilfe zum Betrug. Quelle: Carmen Jaspersen (Archiv)
Anzeige
Hannover

Am 18. Juni habe es Durchsuchungen bei einem Prüfinstitut mit Sitz in Konstanz und bei fünf Kontrolleuren in vier Bundesländern gegeben, sagte der Leiter der Oldenburger Staatsanwaltschaft, Roland Herrmann, am Montag. Es bestehe der Verdacht, dass die Kontrolleure Betrieben das Biozertifikat erteilt haben, obwohl die Voraussetzungen dafür fehlten. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt.

Bereits seit zwei Jahren ermittelt die für Landwirtschaftsstrafsachen zuständige Zentralstelle in Oldenburg gegen mehr als 200 Landwirte aus Niedersachsen. Mehr als jeder fünfte Hof steht damit am Pranger. Die Betriebe sollen mehr Hühner eingestallt haben, als es nach den jeweiligen Haltungsvorschriften für Bio-, Freiland, Boden- oder Käfighaltung erlaubt war. So ist es nur zulässig, Eier als Bioprodukte zu verkaufen, wenn eine bestimmte Anzahl von Tieren pro Stallfläche nicht überschritten wird. Dasselbe gilt für alle anderen Haltungsformen. Bio-Eier sind 10 bis 15 Cent teurer als Eier aus Bodenhaltung.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Landwirten in erster Linie gewerbsmäßigen Betrug vor, den Biolandwirten dazu Verstöße gegen das Ökologische Landbaugesetz. In 26 Verfahren hat sie inzwischen in Strafbefehlen Bewährungsstrafen zwischen sieben Monaten und einem Jahr beantragt. In allen Fällen haben die Landwirte laut Herrmann Widerspruch eingelegt.

Laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ handelt es sich bei dem beschuldigten Prüfinstitut um das Konstanzer Institut für Marktökologie, den Marktführer in Deutschland. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer hat im Mai bei den Behörden in Baden-Württemberg beantragt, dem Unternehmen die Zulassung zu entziehen. Es gebe Zweifel an der Zuverlässigkeit des Unternehmens. Meyer beruft sich auf eine Vielzahl detaillierter Mängel und Versäumnisse. Die Prüfer hätten Überbelegungen in den Ställen toleriert oder diese gar nicht erst geprüft. Laut Staatsanwaltschaft schwankte der Grad der zu viel eingestallten Tiere zwischen einem und 50 Prozent.

Doch das Land geht noch weiter. Da das Konstanzer Institut außerhalb des direkten Zugriffs liegt, will es über den Bundesrat neue Regelungen schaffen. Ökokontrollstellen sollen auch in dem Land die Zulassung entzogen werden können, in dem sie tätig werden. Außerdem hat Agrarminister Meyer angekündigt, mehr staatliche Kontrolleure einzustellen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Das regnerische Wetter macht auch den Bauern zu schaffen. Sie können nicht auf ihre überfluteten Felder, Erdbeeren und Spargel wachsen nur langsam. Doch nicht für alle Pflanzen ist der Regen schlecht.

03.06.2013

Erst gab es Entwarnung – jetzt hat die Dioxinbelastung in Eiern Niedersachsen doch noch erreicht. In Eiern von zwei niedersächsischen Legehennenbetrieben sind erhöhte Werte an dioxinähnlichem PCB festgestellt worden.

13.04.2012

Da werden böse Erinnerungen wach: Schon wieder sind mit Dioxin belastete Eier aus Niedersachsen in den Handel gelangt. Anders als beim Skandal um Dioxin in Futtermitteln vor eineinhalb Jahren soll dieses Mal aber nicht die Nahrung der Tiere schuld sein.

03.08.2012

Ein neues Vermarktungskonzept soll den Umsatz im JadeWeserPort ankurbeln. Seit seiner Inbetriebnahme im vergangenen Jahr bleibt der einzige deutsche Tiefwasserhafen bisher hinter den Erwartungen zurück.

01.07.2013
Der Norden Chirurgen lernen von Piloten - Überflieger im OP

Sowohl im Cockpit als auch im OP-Saal können kleine Fehler fatale Folgen haben. In Bremen werden Chirurgen deshalb künftig von Piloten lernen.

01.07.2013
Der Norden Neues Hundegesetz in Niedersachsen - Das müssen Hundehalter ab heute beachten

Ab dem heutigen 1. Juli 2013 gilt ein neues Gesetz für Hundehalter in Niedersachsen. Die Tiere müssen in einem zentralen Register gemeldet werden und neue Halter benötigen einen Hunde-Führerschein. Welche Ausnahmen gelten und welche Bußgelder fällig werden können, verraten wir hier.

01.07.2013
Anzeige