Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Lehrer geben Flüchtlingen Sprachunterricht

Endlich Schule Lehrer geben Flüchtlingen Sprachunterricht

Zwischen Ängsten und Abschiebungen: Lehrer geben im Flüchtlingslager Bramsche Sprachunterricht und sind dabei vor zahlreiche Herausforderungen gestellt. Neben Traumatisierung spielt auch die immer wieder drohenende Abschiebung eine Rolle.

Voriger Artikel
Droht Göttingen 
weitere Gewalt
 von links?
Nächster Artikel
Wetter verhagelt Landwirten die Ernte

„Das Wissen nehmen sie für ihr Leben mit“: Grundschullehrerin Pia Loock unterrichtet Flüchtlingskinder in der Landesaufnahmestelle Bramsche.

Quelle: dpa

Bramsche. Ein kleiner Stuhlkreis in einem Klassenzimmer, Lehrerin Pia Loock sitzt mittendrin. „Woher kommst du?“, fragt sie. Die Antwort des kleinen Jungen ist etwas unsicher, aber Loock hilft ihm: „Ich komme aus der Russischen Föderation.“ Auch die anderen sechs Kinder im Alter von sieben und acht Jahren beantworten einfache Fragen: Wie heißt du? Wie alt bist du? Dann springt Loock auf, geht zu einem CD-Spieler und startet ein Lied: „Hallo, hallo, wie geht’s? – Danke, gut!“, singen die sieben Kinder und ihre Lehrerin mit.

So sieht Sprachunterricht für Flüchtlingskinder aus – wobei diese Grundschule im Flüchtlingslager Bramsche steht. In gewisser Weise ist das Sprachlernangebot in Bramsche landesweit einzigartig, sagt Henry Albowsky, Leiter der Grundschule im Bramscher Ortsteil Hesepe, in dem sich die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes befindet. In der Aufnahmestelle betreibt die Grundschule eine kleine Zweigstelle, es unterrichten vier Lehrer der Grundschule. „Das ist ein Stundenkontingent, was wir von der Landesschulbehörde auch zugewiesen bekommen haben“, sagt Albowsky. Die Schülerzahl schwankt. Im März betreuten die Sprachlernklassen in Hesepe 26 Kinder, im Juni zehn, jetzt sind es 43 – Tendenz stark steigend.

Auch die Verweildauer der Kinder in den Klassen ist sehr unterschiedlich. Entweder gehen sie in die Kommunen, oder sie müssen mit ihren Familien in ihre Heimatländer zurückreisen. Das kann manchmal schnell gehen. Aber das beeinträchtige nicht den Erfolg des Unterrichts, sagt Lehrer Hansjörg Hoppe. Ein kleiner Junge aus Serbien habe in wenigen Wochen die Sprache super gelernt. „Er wäre eigentlich schon reif gewesen, auf die reguläre Grundschule zu wechseln“, erzählt der Lehrer. Aber in wenigen Tagen muss er mit seiner Familie wieder zurück in die Heimat. „Da macht ein Wechsel keinen Sinn.“

So kurz der Schulunterricht im Einzelfall auch sein mag, vergeblich ist er aus Sicht der Heseper Pädagogen nicht. „Wir legen da einen Keim hinein, der geht zu Hause auf, und wenn es nur das gute Gefühl ist, in Deutschland haben wir was gelernt“, sagt Albowsky. Viele Kinder seien in dem Erstaufnahmelager überhaupt zum ersten Mal in ihrem Leben in einer Schule gewesen. Gerade diesen Kindern gebe der Schulaufenthalt viel mit, sagt Lehrerin Loock. „Es geht um soziale Interaktionen, wie Schule funktioniert. Dieses Wissen nehmen sie für ihr Leben mit.“

Allerdings treffen die Lehrer auch immer auf Besonderheiten, mit denen sie umgehen müssen. So fahren die Kinder einmal in der Woche mit dem Bus in die Grundschule Hesepe, um in Fachräumen zu arbeiten oder die Sporthalle zu nutzen, erzählt Hoppe. Zu Beginn dieses Schuljahres hätten aber sowohl einige Kinder als auch Eltern Angst gehabt, in den Bus zu steigen: „Da ist meine Kollegin spontan mit in den Bus gestiegen. Ein Papa kam auch noch mit, der saß den ganzen Morgen mit dabei.“ Gerade die syrischen Kinder seien unsicher. „Die hatten richtige Angst vor dem Linienbus, weil sie vermutet haben, dass es hier sein könnte wie damals zu Hause.“ An solchen Details zeige sich oft, dass die Flüchtlinge traumatisiert seien.

Von Elmar Stephan

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der Norden

Finden Sie, dass es momentan zu viele schlechte Nachrichten gibt? Das möchten wir gerne ändern, und zwar mit Ihrer Hilfe. Gemeinsam mit dem NDR, den Kieler Nachrichten, der Ostsee-Zeitung in Rostock und dem Hamburger Abendblatt sammeln wir die guten Nachrichten der Leser und Hörer. Teilnehmer können einen exklusiven Besuch der Elbphilharmonie in Hamburg gewinnen.  mehr

So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Schlürfen, trinken, spucken - zu Besuch bei einem Teeverkoster

Wenn Stefan Feldbusch Tee trinkt, ist häufig wenig Genuss dabei. 300 Tassen trinkt der 53-Jährige am Tag - als Teeverkoster für die Ostfriesische Teegesellschaft.