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Der Norden Letzter Menschenaffe in Zirkus soll freikommen
Nachrichten Der Norden Letzter Menschenaffe in Zirkus soll freikommen
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20:50 19.10.2015
Prost, Robby: Zirkusdirektor Klaus Köhler fühlt sich gut Freund mit dem Schimpansen. Sieht der das genauso? Quelle: Oheim/Archiv
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Celle

Seit bald vier Jahrzehnten geht Schimpanse Robby mit "Circus Belly" auf Tournee, doch nach dem Willen des Kreisveterinärs in Celle soll der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus bald in Ruhestand. Bis Ende des Jahres müsse der Zirkus Robby an eine für die Resozialisierung von Schimpansen spezialisierte Einrichtung abgeben, hat Veterinär Heiko Wessel bestimmt. Der Zirkus dürfe Robby nicht weiter halten und nicht mehr zur Schau stellen - eine entsprechende Genehmigung wurde nicht verlängert. Die Nachricht ist für Zirkusdirektor Klaus Köhler eine Katastrophe. Seitdem Robby drei ist, gehört er wie ein Familienmitglied zur Zirkustruppe.

"Wir lassen nicht zu, dass das Tier woanders eingesperrt wird und da dann verendet", empörte sich Köhler am Montag. Zuletzt noch hätten Amtstierärzte bei einer Zirkusvisite bescheinigt, dass es Robby gut gehe. Außerdem habe ein Gutachten ergeben, dass Robby zu alt für eine Resozialisierung sei. Vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg klagt Köhler daher, dass Robby beim Zirkus bleiben kann. Der Veterinär habe die Genehmigung nur deshalb nicht mehr verlängert, weil er von ständigen Protesten von Tierschützern genervt sei, mutmaßte Köhler.

Dabei hatte die Behörde zuletzt "eine ganz besondere Einzelfallprüfung" vorgenommen und berücksichtigt, dass Robby "wie ein Kind" in enger Bindung zur Zirkus-Familie lebt - und damit seinen Verbleib bei der letzten Prüfung noch gerechtfertigt. Heute jedoch werde eine Haltungsgenehmigung für vergleichbare Fälle nicht mehr erteilt, hieß es - ohne weitere Affen in der Umgebung sei die Haltung ohne jeden Zweifel nicht artgerecht.

Erfreut reagierte denn auch die Tierschutzorganisation Peta, die für eine Freilassung des Schimpansen mobilisiert hatte. "Natürlich begrüßen wir die Entscheidung, sie kommt aber Jahre zu spät", sagte Peta-Mitarbeiter Peter Höffken.

Aber einen Schimpansen resozialisieren, wie soll das eigentlich funktionieren? Bei der niederländischen Stiftung "Aap", die sich bereits zur Aufnahme von Robby bereit erklärt hat, ist man genau darauf spezialisiert. "Schritt für Schritt muss das Tier lernen, in einer Gruppe Schimpansen zu leben", sagte David van Gennep von der Stiftung. Dafür werde geschaut, zu welchem der anderen Schimpansen der Affe passen könne. Manchmal dauere die Wiedereingliederung lange, manchmal gehe dies aber überraschend schnell. "Ich will nicht sagen, dass der Zirkus schlecht für den Affen sorgt." Glücklich aber sei der Affe nicht, sondern ohne Artgenossen sehr einsam. Um das Halten von wilden Tieren in Zirkussen gibt es immer wieder Diskussionen. Den Ruf nach einem Verbot, Elefanten im Zirkus zu halten, hatte es zuletzt im Sommer gegeben, nachdem ein aus einem Zirkus ausgebrochener Elefant im Odenwald einen Spaziergänger getötet hatte. In den Niederlanden wurde das Auftreten von wilden Tieren in Zirkussen im letzten Monat verboten.

Ab Donnerstag gastiert der deutschlandweit bekannte Circus Belly in Wunstorf. Ob die Zuschauer den Menschenaffen Robby dann bereits nicht mehr zu sehen bekommen, ist noch unklar. 

dpa/r.

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