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Letztes Jahr 235 Tiere von Wölfen gerissen

Niedersachsen Letztes Jahr 235 Tiere von Wölfen gerissen

Die weitaus meisten Wölfe in Deutschland leben in Brandenburg und Sachsen. Dennoch ist die Zahl der Weide- und Gattertiere, die Wölfen zum Opfer fallen, in Niedersachsen mit Abstand am größten. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor. 

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Quelle: dpa

Hannover. Die Zahlen deuten darauf hin, dass es in Niedersachsen erheblichen Nachholbedarf beim Herdenschutz gibt. „Maßnahmen zum Herdenschutz müssen auf Länderebene organisiert und ergriffen werden“, heißt es in der Antwort.
Die Zahlen stammen aus dem Zeitraum 2015 bis einschließlich April 2016 – in Niedersachsen wurden da sechs Rudel, zwei Paare und ein Einzeltier erfasst. Seitdem kamen weitere Rudel hinzu, in der Lüneburger Heide wurde zudem vor wenigen Tagen Nachwuchs bestätigt. Die Populationen in Brandenburg und Sachsen, wohin schon früher Wölfe aus Polen eingewandert waren, sind dennoch größer: Brandenburg verzeichnet 16 Rudel, Sachsen 15. In Schleswig-Holstein wurden sieben Rudel erfasst.

Betrachtet man die Zahl der gerissenen Tiere auf Weiden oder in Gatterhaltung, sieht das Bild anders aus. Mit 103 nachweislich von Wölfen getöteten Tieren lag Niedersachsen schon 2014 an der Spitze. Im Folgejahr hat sich die Zahl sogar auf 235 mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: In Brandenburg gab es 96 Risse, in Sachsen 168, in Schleswig-Holstein 84. Bei den insgesamt 64 nachgewiesenen Übergriffen in Niedersachsen kamen 185 Schafe, vier Ziegen, sieben Rinder und 39 Stück Gatterwild (Rehe und Damhirsche) ums Leben. Dabei sind die Fälle nicht mitgezählt, bei denen Wölfe unter Verdacht standen, es aber keinen DNA-Nachweis gab.

Der Naturschutzbund Nabu führt die hohen Zahlen in Niedersachsen auf einen unzureichenden Herdenschutz zurück. „Es sind immer noch zu viele Tiere ungeschützt“, sagte Sprecher Ulrich Thüre. Die Tierhalter hätten die vom Land unterstützten Herdenschutzmaßnahmen – etwa Spezialzäune oder Herdenschutzhunde – noch nicht ausreichend in Anspruch genommen. Betrachte man die Zahl der gerissenen Tiere im Verhältnis zur stark gewachsenen Wolfs­population, habe sich das Verhältnis der verlorenen Nutztiere pro Rudel dennoch verringert. „Es geht nicht um die Frage Wolf oder nicht, sondern wie mit dem Wolf gelebt werden kann“, meinte Thüre.

Ein Problem sei die gedeckelte Förderung der Herdenschutzmaßnahmen auf höchstens 15  000 Euro pro Tierhalter über drei Jahre. Niedersachsen sollte nach Ansicht des Nabu eine Befreiung von dieser Regelung anstreben und darauf dringen, dass der Wolf auf EU-Ebene betrachtet wird wie ein „Naturereignis“, durch das unvorhersehbare Einzelschäden verursacht werden können.

Das für das Wolfsmanagement in Niedersachsen zuständige Landesamt für Naturschutz verwies darauf, dass etwa Sachsen über viel mehr Erfahrung beim Herdenschutz verfüge. „Statistiken zeigen, dass der vermehrte Einsatz von wolfsabweisendem Grundschutz dort im Laufe der Jahre zu einem Rückgang von Rissen geführt hat“, sagte Sprecher Achim Stolz. In dem östlichen Bundesland hatte sich das erste Wolfspaar aus Osteuropa 1998 angesiedelt. In Niedersachsen gab es 2006 die ersten Hinweise auf die Rückkehr des Wolfes. „Ein Großteil der nachgewiesenen Wolfsrisse hat auf nicht ausreichend gesicherten Weiden stattgefunden“, sagte Stolz. Hierzulande gebe es zudem viel mehr Weidetiere als in Sachsen.

Tierhalter hatten schon Anfang des Jahres bei einer Anhörung im Landtag gefordert, Niedersachsen solle ihnen beim Herdenschutz ähnlich großzügig helfen wie Sachsen. Sachsen zahle mehr für Schutzzäune und Herdenschutzhunde. Nach Nutztierrissen werde dort unbürokratisch entschädigt.     

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