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Der Norden Die spritzigste Idee des Sommers
Nachrichten Der Norden Die spritzigste Idee des Sommers
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00:24 13.08.2015
Selfie gefällig? Hauptsache, das Handy ist gut verpackt. Nach der Fahrt ist Zeit für eine kurze Entspannung. Zur Sicherheit werden alle Benutzer der Wasserrutsche gewarnt. Quelle: Abu Ajamieh
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Listringen

Übermütig stürzt sich Manuel Picker in die Bahn. Eine halbe Bratwurst guckt noch aus seinem Mund heraus - doch darauf kann er jetzt keine Rücksicht nehmen. Es gilt, nicht den Anschluss an den „Bob“ zu verpassen. Mit Picker stürzen sich elf junge Listringer hintereinander in die Wasserrutsche. Sie wissen: Je mehr Masse den Berg hinab donnert, umso höher das Tempo. Weiter vorn hebt einer sein Handy, vorsichtshalber in Plastikfolie verpackt. So rast das wilde Team ins Tal, um schließlich mit einem gigantischen Platsch in einem improvisierten Auffangbecken zu landen. Zehn eilen danach wieder den Berg hoch. Der elfte sucht in der trüben Brühe seine Sonnenbrille.

Mit seinen rund 180 Einwohnern gehört Listringen zu den kleinsten Dörfern im Landkreis Hildesheim. Doch in diesem Jahr hat eine handvoll junger Leute das abgefahrenste Sommervergnügen des Landkreises erfunden. Die Listringer haben sich ihre eigene Wasserrutsche gebaut - 173 Meter lang führt das Bauwerk vom südlichen Dorfrand schnurstracks bis ins Tal.

Die Idee ist schon drei Jahre alt. Sie stammt von Jonathan Klages, der von seiner Wohnung aus direkt auf besagten Hang guckt: „Ein paar hundert Meter weiter rodeln wir immer. Ich fand, man müsste auch mal im Sommer was machen.“ Allerdings musste Klages ein paar Jahre warten, bis sein Traum Wirklichkeit werden konnte. Wegen der Fruchtfolge auf dem Feld. Doch in diesem Jahr war es so weit: Landwirt Stefan von der Heide, junger Familienvater und selbst Teil der Gruppe, baute auf dem Feld am Hang Raps an. Und der wird besonders früh geerntet. „Deshalb konnten wir das jetzt umsetzen - stünden hier Zuckerrüben, wäre das wohl eher eine Eisbahn geworden“, unkt Klages.

Eine ähnliche Wasserrutsche hatten die Freunde schon im Internet gesehen: „Die war allerdings viel zu kurz“, sagt Klages verächtlich. Zunächst ging es auf Erkundungstour durch Schwimmbäder in der Region: Wie groß muss das Auffangbecken sein, damit es gut bremst und sich niemand verletzt? Dann ging es ans Eingemachte. Carsten Künnecke, selbst Landwirt, erklärt: Zuerst lockerten die Rutschenfreunde den Boden auf und zogen dann mit dem Trecker einen Silageballen durch, um eine Rinne zu schaffen. Zunächst trauten sie sich vom Tal aus nur halb den Berg hoch - 90 Meter: „Wir hatten ja keine Erfahrungswerte, was die Geschwindigkeit angeht. Und Sicherheit geht vor“, betont Künnecke.

Im Baumarkt kaufte die Gruppe Malervlies, um Rinne und Ränder auszulegen. Aus einer nahen Biogasanlage besorgten sich die Listringer Folienreste, die dort kein Mensch mehr brauchte - und legten so nach und nach ihre Rutsche aus. Schon der Erstling war gigantisch - doch die ersten Tests ergaben: Das Tempo ist kein Problem, das Auffangbecken super. Also geht es noch höher! Wieder schuftete vor allem ein harter Kern aus fünf bis sieben Listringern, immer wieder verstärkt durch sporadische Helfer. Sie bauten die Rutsche weiter bis ans Dorf heran. Fehlte nur noch das Wasser - das besorgt Künnecke mit seinem Tankwagen aus einem nahen Brunnen. 5000 Liter reichen etwa für eine halbe Stunde Rutschvergnügen.

Was einer der Gründe ist, warum die Listringer zwar stolz sind auf ihre Riesenrutsche, aber nicht den ganzen Landkreis einladen wollen. Wenn sie die Anlage öffnen, erfahren es die Einwohner und ein paar Freunde, mehr nicht: „Es muss übersichtlich bleiben, damit wir das verantworten können - und man braucht natürlich sehr viel Wasser“, erklärt Künnecke. Auch gibt es auf die Lebensdauer der Rutsche keine Garantie. Nach jedem Durchlauf kontrollieren Helfer die Bahn, flicken bei Bedarf Risse aus. Würde sich jemand mit dem Fuß verfangen, könnte das schließlich ziemlich gefährlich werden. „Und wer so etwas haben will, kann es ja auch selber bauen, wenn er einen Abhang vor der Haustür hat“, merkt Jonathan Klages an.

Nächstes Jahr stehen die Chancen übrigens gut, dass Listringen erneut eine solche Wasserrutsche bekommt. „Es wird wieder Raps angebaut“, weiß Klages. Und Künnecke betont: „Das waren jetzt 200 Arbeitsstunden, das war echt hart - aber nun wissen wir ja, wie‘s geht!“

Von Tarek Abu Ajamieh

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