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TiHo-Projekt wertet Schlachthof-Statistik aus

Massentierhaltung TiHo-Projekt wertet Schlachthof-Statistik aus

Der Zustand, in dem Tiere in die Schlachthöfe angeliefert werden, sagt einiges darüber aus, wie es ihnen während der Mast ergangen ist. Diese Daten wollen Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover nun deutschlandweit auswerten - für bessere Kontrollen und eine artgerechtere Tierhaltung.

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Kontrollsystem im Schlachthof: Mitarbeiter eines Zerlegebetriebs in Garrel.

Quelle: dpa

Garrel. Wie geht es den Tieren in den Mastställen? Fühlen sie sich wohl? Geht es ihnen gut? Oder quälen sie sich und sind über lange Zeit ihres kurzen Lebens krank? Auf solche kritischen Fragen müssen Landwirte und ihre Tierärzte, Schlachthöfe und der Lebensmittelhandel den Kunden inzwischen überzeugende Antworten geben. Teils ist das Misstrauen der Verbraucher groß - nach vielen Lebensmittelskandalen wohl wenig überraschend. Auskunft über das Wohlbefinden der Tiere gibt der Zustand, in dem sie am Schlachthof ankommen. In Niedersachsen sieht man darin einen Ansatz, die Tierhaltung nachhaltig zu verbessern. 

Die Idee ist einfach und kompliziert zugleich. „Man will wissen, wie war die Tiergesundheit während der Mast“, erklärt Diana Meemken. Die Tiermedizinerin ist Juniorprofessorin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und steckt als Projektleiterin hinter einem Vorhaben mit dem sperrigen Namen „Befundharmonisierungsprojekt“.

Krankheiten lassen Rückschlüsse auf Haltungsbedingungen zu

Dass der Zustand der Tiere erfasst wird, gehört zum Standardprogramm in deutschen Schlachthöfen. In der allgemeinen Verwaltungsvorschrift für Lebensmittelhygiene ist genau festgelegt, auf was die amtlichen Tierärzte und ihre Fachassistenten bei der Fleischuntersuchung achten müssen - dazu gehören etwa Hinweise auf Brustfellentzündung, auf Herzbeutelentzündungen oder Veränderungen an der Leber. Solche Auffälligkeiten geben Hinweise auf Krankheiten, die die Tiere während ihrer Mast im Stall gehabt haben und lassen damit Rückschlüsse auf ihre Haltungsbedingungen zu.

Jetzt kommt das Aber: Jeder Schlachthof erfasst zwar solche Daten und gibt den Landwirten Rückmeldung. Als Indikatoren für das Tierwohl taugen die Daten aber zunächst einmal wenig. Auch wenn es mit der allgemeinen Verwaltungsvorschrift ein Bewertungssystem gebe, fehle es an einer standortübergreifenden standardisierten Erfassung, sagt Meemken.

Ob Tiere artgerecht gehalten wurden, erkennt man auch daran, wie ihr Zustand beim Ankommen im Schlachtbetrieb ist. So geht es danach weiter: ein Rundgang durch einen Schlachthof im niedersächsischen Garrel. 

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Sie nennt ein Beispiel: Landwirte, die an verschiedene Schlachthöfe liefern, können durchaus die Erfahrung machen, dass nach der Begutachtung auf dem einen Betrieb alles in Ordnung ist, während der zweite Schlachthof eine deutliche Leberverwurmung feststelle. Aufschluss darüber, wie es ihren Tieren geht, bekommen sie so nicht.

Es müssen also Voraussetzungen für eine standardisierte Begutachtung geschaffen werden. Und genau darum dreht sich das Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Cloppenburg zusammen mit dem Schlachthof der Erzeugergemeinschaft Böseler Goldschmaus in Garrel, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands.

Kern des Projekts sei die Schulung der Fachassistenten, die am Schlachtband stehen, erklärt der Kreisveterinär des Landkreises Cloppenburg, Karl-Wilhelm Paschertz. Die bei Böseler Goldschmaus eingesetzte Technik erlaube es, die Arbeit der amtlichen Fachassistenten untereinander zu vergleichen - bei Abweichungen kann gezielt geschult werden. „Je einheitlicher die Befunddatenerfassung erfolgt, desto größer ist der Nutzen für den Tierhalter“, sagt er.

 „Die meisten Landwirte haben ein Interesse daran, dass es ihren Tieren gut geht“

Die Idee des Projekts ist nicht nur, dass die Daten nach einheitlichem Maßstab erfasst werden. Sie sollen auch für Transparenz sorgen: Die Landwirte können die Daten ihrer Schlachttiere mit denen ihrer Kollegen vergleichen, und wissen damit, wie gut oder schlecht es um die Tiergesundheit in ihren Ställen bestellt ist. Fällt ein Stall zu sehr ab, erkennt das der Landwirt mit Hilfe der Statistik. Er kann zusammen mit seinem eigenen Tierarzt an Verbesserungen arbeiten. Bei Böseler Goldschmaus werden zusammen mit dem Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer zusätzliche gezielte Schulungen angeboten. Aber so weit müsse es gar nicht kommen, sagt Meemken. „Die weitaus meisten Landwirte haben ein eigenes Interesse daran, dass es ihren Tieren gut geht.“

„Die Kommunikation zwischen Tierhalter, Schlachthof und Veterinäraufsicht hat sich verbessert, und es wurden bereits verschiedene Schulungen durchgeführt“, sagt Gerald Otto, Tierschutzbeauftragter bei Böseler Goldschmaus. Er verweist auf hauseigene Statistiken, aus denen hervorgeht, dass sich in der Praxis tatsächlich die Befunddaten nach Schulungen verbessert haben. Im Landkreis Cloppenburg solle das System flächendeckend in den Schlachthöfen eingeführt werden, sagt Paschertz. „Die spezifische Umsetzung ist noch unterschiedlich weit in den Betrieben.“ Wissenschaftlerin Meemken sieht auch für eine landesweite Umsetzung des Projekts gute Chancen. Die Landesregierung habe sich interessiert gezeigt. Zusätzliche Kosten verursache das Programm kaum. 

Und die anderen Tierarten, die wir mästen und die auf unseren Tellern landen? Bei Geflügel werde bereits unterstützend mit Kamerasystemen gearbeitet, dort sei die standardisierte Datenerfassung leicht möglich, sagt Meemken. Bei Rindern sehe sie allerdings noch großen Nachholbedarf - das zeigten auch Voruntersuchungen aus einzelnen Schlachthöfen: „Beim Rind ist der Bedarf da, es lohnt sich, das standardisiert zu erfassen.“

Von Elmar Stephan/dpa

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