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Der Norden Mehr Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen
Nachrichten Der Norden Mehr Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen
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00:16 26.03.2016
Von Michael B. Berger
Zwölf der 37 historischen Grabsteine wurden in Bleckede umgestoßen. Quelle: privat
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Bleckede

Der Judenfriedhof in Bleckede an der Elbe gilt als Kulturdenkmal, schließlich existiert die Totenstätte seit dem 18. Jahrhundert. Seit Anfang dieser Woche bietet der alte, in einem kleinen Waldstück gelegene Friedhof ein Bild der Zerstörung. Zwölf der 37 historischen Grabsteine wurden umgestoßen, die Stelen abgeschlagen, Einfassungen zerstört. „Teilweise irreversible Schäden“, notierte ein Mitglied der jüdischen Gemeinde. Die Polizei ermittelt wegen Störung der Totenruhe. Der Sachschaden beträgt mindestens 15 000 Euro.

Kein Einzelfall

„Das ist kein Einzelfall“, sagt Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. „Die Zahl der Grabschändungen nimmt in letzter Zeit in besorgniserregender Weise zu.“ Der Hannoveraner Fürst zählt gewöhnlich nicht zum Lager der Alarmisten. Dennoch ist er nicht nur durch die Geschehnisse in Belckede äußerst alarmiert. „Wir erleben derzeit einen stillen Antisemitismus, der sich mit Fremdenfeindlichkeit und offenem Rassismus vermengt“, sagt Fürst.

Die massive Grabschändung im Waldstück in Bleckede war nicht die erste in diesem Jahr. Auch in der Strangriede, mitten in Hannover, sind Mitte Januar zwei Grabsteine mit großer Gewalt umgestoßen worden, auch eine Fensterscheibe aus Butzenglas wurde eingeschlagen. Vierzehn Tage vorher wurden in der Strangriede schon einmal acht Grabsteine umgestoßen, Fenster in der Predigthalle eingeschlagen. Sechs Wochen zuvor waren am selben Friedhof sogar Hakenkreuze aufgebracht und die Predigthalle beschädigt worden. Auch auf jüdischen Grabsteinen in Gleidingen in der Region Hannover fanden sich im vergangenen Jahr Hakenkreuze, auch auf dem Oldenburger Friedhof. In Osterholz-Scharmbeck machten sich Täter an die Grabsteine, rüttelten sie locker und warfen sie um. Alle Grabschändungen wurden zur Anzeige gebracht. „In der Regel werden die Täter nie gefasst - das ist bitter“, sagt Michael Fürst.

Grabschändungen wegen zugespitzter Flüchtlingspolitik?

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden führt die Grabschändungen vor allem auf die zugespitzte politische Diskussion um Flucht und Asyl zurück. Früher, so berichtet er, hätte vor allem der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern antisemitische Reflexe geweckt. Doch an dieser Stelle sei es Gott sei Dank ruhiger geworden. Dafür habe man es jetzt mit rechtspopulistischen Diskussionen zu tun, erlebe wie sich in Deutschland Rechtspopulisten an jüdische Einwanderer aus Russland heranpirschen wollten. „Der weltweite Rassismus schwappt zu uns rüber.“

Fürst empfindet die Gräberschändungen als „Vorstufe zu einer wirklichen Bedrohung“. Er fordert Bürger, die so etwas wahrnehmen, auf, sich bei der Polizei zu melden - als Dienst an der gesamten Gesellschaft.

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