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Der Norden Mehr als 1300 Vermisste in Niedersachsen
Nachrichten Der Norden Mehr als 1300 Vermisste in Niedersachsen
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00:17 31.12.2015
Keine Spur: Mit Hunden wurde auf der Elbe nach der Familie aus Drage gesucht. Quelle: dpa
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Hannover/Wiesbaden

Nach einer Weihnachtsfeier am 5. Dezember war Lars Wunder plötzlich verschwunden. Wochenlang suchten Feuerwehr, Polizei und Freunde nach dem 31-Jährigen aus Jemgum (Kreis Leer), doch bis heute fehlt jede Spur von ihm. Wunder ist kein Einzelfall: Die Polizei in Niedersachsen hat aktuell über 1363 Vermisstenmeldungen registriert, bestätigte eine Sprecherin der HAZ, bundesweit sind es fast Zehntausend.

Die meisten Fälle können nach Erfahrungen des Bundeskriminalamts (BKA) schnell wieder abgeschlossen werden: In der Hälfte der Fälle werden die Vermissten – tot oder lebendig – innerhalb einer Woche gefunden. Nach spätestens einem Monat sind 80 Prozent der Verschwundenen wieder da. Das zeigt sich auch in der täglichen Polizeiarbeit: In ganz Deutschland werden pro Tag 250 bis 300 Vermisstenmeldungen neu geschrieben und etwa genau so viele auch wieder als erledigt abgehakt. Knapp zwei Drittel der Verschwundenen sind männlich. Nur rund drei Prozent der Betroffenen bleiben länger als ein Jahr verschwunden.

Intensität der Suche lässt nach eingen Wochen nach

Aufmerksamkeit erregen die spektakulären und besonders rätselhaften Vermisstenfälle – wie der von Lars Wunder. Oder das plötzliche Verschwinden der dreiköpfigen Familie aus Drage (Kreis Harburg) im Juli. Der Vater wurde einige Tage später tot aus der Elbe bei Lauenburg geborgen, er hatte sich das Leben genommen. Die Polizei geht von einem Familiendrama aus, doch die Ehefrau und die zwölfjährige Tochter des Mannes blieben trotz intensiver Suche der Polizei spurlos verschwunden. Manche Fälle können auch nach Jahren nicht geklärt werden, wie der von Katrin Konert, die 2001 als 15-Jährige am Neujahrsabend in Waddeweitz bei Lüchow spurlos verschwand.

In der Regel lässt die Intensität der Suche nach ein paar Wochen nach. Auch im Landkreis Leer seien die Suchaktionen nach Lars Wunder mit Helikopter, Hunden und Sonarboot in der Umgebung von Jemgum mittlerweile eingestellt, sagte am Montag eine Polizeisprecherin. Abgeschlossen sei der Fall damit aber nicht: „Wir ermitteln weiter in alle Richtungen.“ Konkrete Hinweise oder Spuren gebe es derzeit aber nicht, so die Sprecherin.

Nur ein kleiner Teil dauerhaft verschwunden

Wer verschwunden bleibt, dessen Name wird für 30 Jahre in der Vermisstenkartei des BKA gespeichert. Wer länger als zehn Jahre verschwunden bleibt, kann gerichtlich für tot erklärt werden – das ist nötig, etwa damit Angehörige eine Lebensversicherung ausbezahlt bekommen oder ein Erbe antreten können. Die Frist ist kürzer, wenn jemand etwa bei nach einem Schiffs- oder Flugzeugunglück als vermisst gilt oder in den Wirren eines Krieges verloren geht.
Über die Hälfte der als vermisst gemeldeten Personen sind minderjährig. Bundesweit sind 5171 der 9780 Vermissten zwischen 14 und 17 Jahre alt, 879 sogar maximal 13 Jahre alt. Auch hier gilt, dass nur ein kleiner Teil dauerhaft verschwunden bleibt, etwa bei Kindesentziehungen, wenn ein Elternteil zusammen mit dem Kind verschwindet, um dem anderen Elternteil jeden Kontakt unmöglich zu machen.

Auch die Flüchtlingskrise hat Auswirkungen auf die Vermisstenstatistik: 133 minderjährige allein reisende Flüchtlinge sind in Niedersachsen im Jahr 2015 als vermisst gemeldet worden. In der Regel gehe man davon aus, dass die Jugendlichen sich auf eigene Faust auf den Weg gemacht haben, um etwa bei Familienmitgliedern in einem anderen Teil Deutschlands unterzukommen.

Von Heiko Randermann und Denise Peikert

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