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Mehrzahl der Unis für Studiengebühren

Hochschulen in Niedersachsen Mehrzahl der Unis für Studiengebühren

Niedersachsen ist mit Bayern das letzte Bundesland, das alle Studenten generell zur Kasse bittet. Die SPD will die Gebühren abschaffen, wenn sie die Wahl gewinnt. Das Problem: Die meisten Unis halten davon gar nichts - sie fürchten um die Qualität der Lehre.

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Studenten protestieren in Osnabrück gegen die Studiengebühren an Hochschulen und für mehr Geld für Bildung.

Quelle: dpa

Hannover.  Die Mehrzahl der Hochschulen in Niedersachsen ist gegen eine Abschaffung der Studiengebühren, die die SPD nach einem Sieg bei der Landtagswahl durchsetzen will. Von den elf Unis sind acht gegen die Pläne der Sozialdemokraten. Sie wollen die Studenten weiterhin mit 500 Euro pro Semester zur Kasse zu bitten. Darunter sind die Unis in Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück und Vechta, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die Hochschulen befürchten, dass sich die Studienbedingungen verschlechtern, wenn es keinen Ersatz für wegbrechende Einnahmen gibt. Lüneburg und Göttingen möchten sich nicht positionieren.

Gegen die Abschaffung:

Leibniz Universität Hannover: Uni-Präsident Erich Barke geht davon aus, dass die Gebühren angesichts der derzeitigen Diskussion abgeschafft werden, wenn die SPD sich bei den Landtagswahlen durchsetzt. In diesem Fall befürchtet Barke für seine Hochschule Nachteile. An der Leibniz-Uni fließen allein zwei Drittel der Studienbeiträge in befristete Verträge für zusätzliche Mitarbeiter, die dann nicht verlängert werden könnten. Auch andere Leistungen müssten ohne die Gebühren gestrichen werden: „Da werden sich die Studierenden beschweren.“

Universität Braunschweig: Leistungen wie Tutorien, kleinere Lerngruppen, längere Bibliotheksöffnungszeiten oder eine bessere Geräteausstattung könnten ohne Studienbeiträge nicht aufrechterhalten werden, heißt es bei der Hochschulleitung. Auch die Möglichkeiten für Studenten, sich als Tutoren Praxiserfahrung anzueignen, wären eingeschränkt.

Universität Osnabrück: Die Uni befürwortet Studiengebühren, weil dadurch die Lehre verbessert werden konnte - und damit auch die Berufschancen der Absolventen. Bei einem ersatzlosen Wegfall der Beiträge könnte die Uni wichtige Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, das Sprachenzentrum etwa wird zu fast 100 Prozent aus Studienbeiträgen finanziert. Auch würden etwa 500 Studenten ihre Jobs als bezahlte Hilfskräfte verlieren.

Universität Oldenburg: „Fallen die Studiengebühren weg, wird dies zu Lasten der Qualität und Vielfalt unseres Lehrangebots gehen“, heißt es bei der Carl von Ossietzky Uni. Die Stellen von 100 jungen Wissenschaftlern werden aus Studienbeiträgen finanziert. Hinzu kommen die Stellen von rund 900 Tutoren und wissenschaftliche Hilfskräften, die jüngere Studis von ihren Erfahrungen profitieren lassen.

Universität Hildesheim: Die Uni ist für Semestergebühren: Dort werden damit 72 Arbeitsverträge, 250 Jobs von wissenschaftlichen Hilfskräften und vieles mehr finanziert.

Universität Vechta: „Ich würde einen Verzicht auf die Gebühren für eine ziemliche Katastrophe halten“, sagt Präsidentin Prof. Marianne Assenmacher. „Die Qualität des Studiums hat sich maßgeblich verbessert.“ Die Uni Vechta hat 19 Millionen Euro Budget, davon 2,5 Millionen Euro Studienbeiträge. „Ohne die können wir eigentlich nicht leben.“ Bei einer Abschaffung werde den Unis zwar Kompensation versprochen. „Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen aber, dass das sehr schwierig ist. Mir macht das große Sorgen.“

Universität Clausthal: Präsident Prof. Dr. Thomas Hanschke ist tendenziell gegen die Abschaffung der Studiengebühren: „Durch die Studienbeiträge haben sich zahlreiche positive Effekte für unsere Studierenden ergeben. So konnten beispielsweise die Betreuung der Studenten verbessert und die Öffnungszeiten unserer Unibibliothek umfangreich erweitert werden.“ Sollten die Studiengebühren abgeschafft werden und es nicht zu einem Ausgleich kommen, würden an der TU Clausthal Angebote und Leistungen gekürzt werden müssen, sagt der Präsident.

Tierärztliche Hochschule Hannover: Die Hochschulleitung würde einen Wegfall der Studienbeiträge außerordentlich bedauern, weil sie Verschlechterungen in der Qualität der Lehre fürchtet. Werden die Gebühren abgeschafft, müsste der praktische Anteil des Studiums auf das Mindestmaß reduziert werden. Praktische klinische Übungen in Kleingruppen, ein wesentlicher Baustein für die Qualität der Lehre an der TiHo, sei dann nicht mehr in selben Umfang wie bisher möglich.

Medizinische Hochschule Hannover: Präsident Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann sagt: „Wir sind eindeutig für Semestergebühren. Wenn sie abgeschafft werden sollten, bräuchte die MHH, um die Qualität unseres Modellstudienganges Medizin aufrechtzuerhalten, eine Kompensation über den Landszuschuss in gleicher Höhe.“

Hochschule Ostfalia: Für den Erhalt der Studienbeiträge spricht sich die Leitung der Fachhochschule aus, die in Wolfsburg, Salzgitter, Wolfenbüttel und Suderburg Standorte hat. Serviceeinrichtungen würden wegfallen, auch Exkursionen könnten nicht mehr unterstützt werden - es sei denn, es gebe einen Ausgleich. Angesichts knapper Kassen sei der aber fraglich.  

Keine Positionierung:

Universität Göttingen: Die Leitung der Uni möchte sich ausdrücklich nicht für oder gegen Gebühren aussprechen. „Die Existenz von Studienbeiträgen beweist, dass die Hochschulen chronisch unterfinanziert sind“, sagt Vizepräsident Prof. Wolfgang Lücke. Die Hochschulen bräuchten bei einer Streichung einen Ausgleich, um die derzeitige Betreuung sicher stellen zu können.

Universität Lüneburg: Die Uni will sich nicht positionieren.

dpa/jk

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