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Der Norden „Besser kann es nicht werden“
Nachrichten Der Norden „Besser kann es nicht werden“
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07:51 26.11.2015
„Ich freue mich auf die nächsten Jahre“: Marianne Hartwig, Heinz Westphal.Foto: Lilienthal Quelle: Dietmar Lilienthal
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Stralsund

Mein Jahr 2015 hat eigentlich nicht so gut begonnen. Seit Februar lebe ich in einem Pflegeheim. Anfangs konnte ich mich nicht mit dem Gedanken abfinden, dass ich hier meine letzten Lebensjahre verbringen werde. Es ist nicht leicht, mit 81 Jahren noch einmal von vorn anzufangen. Alles war neu für mich: die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Pflegebedürftigen und den Behinderten, die hier auch leben. Aber es ging nicht mehr anders.

Es ist nicht meine Art, mich abzuschotten. Wahrscheinlich habe ich deshalb schnell neue Freunde gefunden. Ich wurde sogar in die Bewohner-Vertretung gewählt, obwohl ich erst ein paar Monate hier wohnte. Die Heimleitung hat eine kleine Ausstellung mit meinen Aquarellbildern organisiert. Ich habe schon immer gerne gemalt. Außerdem schreibe ich. Es gibt eine lange Geschichte von mir, in der eine Katze von ihren Erlebnissen berichtet. Eine Weihnachtsgeschichte habe ich auch geschrieben. Die muss aber noch mal überarbeitet werden.

Dann ist mir etwas passiert, mit dem ich im Traum nicht gerechnet hätte. Ich habe eine neue Liebe gefunden. Sie lebt auch hier im Heim. Ihr Name ist Marianne, sie ist 79 Jahre alt und sehr, sehr nett. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Wir haben uns immer viel zu erzählen. Nachdem wir uns kennengelernt hatten, waren wir ständig zusammen und haben geredet. Aber es blieb immer beim Sie. Ich war der Herr Westphal, sie die Frau Hartwig. Schließlich habe ich mir ein Herz gefasst und ihr im Gemeinschaftsraum bei einem Glas Sekt das Du angeboten. Dazu gehört natürlich auch ein Kuss. Seitdem sind wir ein Paar.

Meine Frau starb 2012. Dass ich mich noch einmal verliebe, hätte ich nie für möglich gehalten. Aber seither ist das Leben viel schöner geworden. Wir machen zusammen Ausflüge mit dem Rollator in das Einkaufszentrum. Das ist nur zehn Minuten entfernt. Auch den Tierpark mögen wir beide sehr. Wir können stundenlang Vögel beobachten. Unser Lieblingsvogel ist der Lachende Hans. Wenn er schreit, klingt das wie das Lachen eines Menschen. Wir lachen selbst viel, wahrscheinlich mögen wir diesen Vogel deshalb so sehr.

Ein bisschen Angst hatte ich davor, meiner Tochter von meiner neuen Liebe zu erzählen. Ich wusste nicht, wie sie reagieren würde. Sie hat gesagt: „Papa, das ist das Wunderbarste, was du mir sagen konntest.“ Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Nicht alle haben so reagiert. Unter den Mitbewohnern hier im Pflegeheim sind manche neidisch. Jemand sagte sogar: „Das bleibt nicht so.“ Marianne hat sich darüber geärgert. „Lass sie doch reden, wir wissen es besser“, habe ich daraufhin zu ihr gesagt.

Wir sind jetzt seit ein paar Wochen ein Paar. Die Liebe wird immer stärker. Jeden Morgen, wenn ich in ihr Zimmer komme, begrüße ich sie mit einem Küsschen, wir halten Händchen, und wir kuscheln zusammen. Ich bin glücklich, besser als jetzt kann es nicht werden. Hoffentlich bleibt das noch lange so. Ich fühle mich jedenfalls nicht alt. Mein Vater ist 98 Jahre alt geworden. Ich freue mich auf die nächsten Jahre.

Aufgezeichnet von Gerald Kleine Wördemann

"Meine gute Nachricht des Jahres 2015"

Die HAZ stellt zusammen mit NDR Info, den „Kieler Nachrichten“, der „Ostsee-Zeitung“ und dem Hamburger Abendblatt sechs gute Nachrichten aus diesem Jahr vor.  Hier finden Sie nach und nach alle Teile im Überblick. 

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