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Methadon-Arzt muss nicht ins Gefängnis

Urteil Methadon-Arzt muss nicht ins Gefängnis

Drogenabhängige sollen mit Methadon ein weitgehend normales Leben führen können. Wegen seiner eigenwilligen Methoden bei der Abgabe der Ersatzdroge wurde jetzt in Lüneburg ein Arzt aus Uelzen verurteilt. Das Gericht sah die Grenzen der Therapiefreiheit überschritten.

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Der Arzt M. Fredrich steht am Montag in Lüneburg (Niedersachsen) vor dem Landgericht. Wegen seiner eigenwilligen Methoden bei der Abgabe der Ersatzdroge wurde er jetzt in Lüneburg verurteilt.

Quelle: dpa

Lüneburg. Weil er die Ersatzdroge Methadon unerlaubt abgab, hat das Landgericht Lüneburg einen Arzt aus Uelzen zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er sei des unerlaubten Verschreibens in 294 Fällen schuldig, entschied die Kammer am Dienstag. Der Mediziner hatte seinen Patienten Dosen des Betäubungsmittels für mehrere Tage mitgegeben. Auch Verwandte, Bekannte und sogar Taxifahrer dienten dabei als Boten. Der Arzt hatte sich auf eine eigene Behandlungsphilosophie berufen. Er habe die Betroffenen in Eigenverantwortung erst stabilisieren und dann entwöhnen wollen, erklärte der 46-Jährige.

„Sie haben Ihr Konzept über die gesetzlichen Regelungen gestellt“, erklärte die Richterin dem Angeklagten auch im zweiten Verfahren. Im Februar vergangenen Jahres hatte bereits die 2. Große Strafkammer in Lüneburg als wohl erstes deutsches Gericht die Grenzen zur Strafbarkeit abgesteckt. Am Ende eines 17-monatigen Verfahrens hatte das Landgericht den Mediziner damals zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil jedoch aufgehoben. Wegen rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung gelten zwei Monate der am Dienstag verhängten Strafe als verbüßt.

Die Patienten hätten das Methadon in der Praxis des Arztes einnehmen müssen, hieß es in der Urteilsbegründung. Die gesetzlichen Vorgaben verlangten einen «unmittelbaren Verbrauch». Nur ein Apotheker dürfe unter bestimmten Bedingungen die Ersatzdroge auf Rezept auch zum Mitnehmen aushändigen.

Der Arzt habe dabei nicht aus wirtschaftlichen Gründen gehandelt, bescheinigte ihm die 4. Hilfsstrafkammer. „Die Motivation für ihre Tätigkeit war sicher ihre eigene ärztliche Ethik, nicht Gewinnstreben“, betonte die Richterin. „Sie sind nicht derjenige gewesen, der völlig bedenkenlos Betäubungsmittel verteilt hat.“

Ein Berufsverbot verhängte das Gericht nicht. Die Approbation war dem Arzt vorläufig entzogen worden, die Krankenkassen haben sechsstellige Rückzahlungsforderungen. Der Mediziner hatte ohnehin angekündigt, bei den geltenden Regelungen nicht mehr als Substitutionsarzt für Drogenabhängige arbeiten zu wollen.

Der Arzt und seine Verteidiger berufen sich auf das Grundgesetz und die Therapiefreiheit. Vor dem Urteil hatte er angekündigt, notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Während die Anklage zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert hatte, plädierten die Verteidiger auf Freispruch.

dpa

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