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Der Norden Metronom spricht Bahnverbot für Randale-Fans aus
Nachrichten Der Norden Metronom spricht Bahnverbot für Randale-Fans aus
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19:05 24.04.2015
Von Tobias Morchner
Eisenbahngesellschaft Metronom: „Wir wollen ein Umdenken bei Fans und Vereinen erreichen.“ Quelle: dpa
Uelzen

Die Eisenbahngesellschaft Metronom, die auf etlichen Linien in Niedersachsen fährt, hat drastische Konsequenzen aus der erneuten Verwüstung eines Zuges durch Fußballfans gezogen. Das Unternehmen wird sich künftig weigern, randalierende Anhänger von Fußballvereinen der Bundesligen zu befördern. So sollen die übrigen Fahrgäste besser geschützt werden.

Metronom beruft sich dabei auf das Hausrecht. „Sollten gewaltbereite Fans der Aufforderung nicht nachkommen, den Zug oder den Bahnsteig zu verlassen, fährt der Metronom künftig nicht mehr weiter oder verlässt gar nicht erst das Depot“, sagt Unternehmenssprecher Björn Pamperin. Dass man damit möglicherweise gegen die Beförderungspflicht verstoße, nehme man in Kauf. „Die Vertragsstrafe, die wir vom Land Niedersachsen dann aufgebrummt bekommen, holen wir uns von den entsprechenden Vereinen wieder“, sagt der Metronom-Sprecher. Von Seiten der Landesregierung erhält die Eisenbahngesellschaft allerdings Rückendeckung. „Wir werden das Unternehmen nicht stoppen“, sagt Stefan Wittke, der Sprecher des niedersächsischen Verkehrsministeriums. Man könne Verständnis für eine derartige Haltung haben. „Sicherheit geht nun mal vor.“

Die Eisenbahngesellschaft nimmt bei der neuen, strengen Auslegung ihres Hausrechts auch in Kauf, dass von der Maßnahme auch friedliche Fans betroffen sein könnten. „Beim Alkoholkonsumverbot machen wir es auch so: Weil sich einige nicht mit Alkohol im Griff haben, haben wir allen den Alkoholkonsum im Zug untersagt“, erklärt das Unternehmen. Das Ziel sei, dass „risikobehaftete Fangruppen“ nicht mehr in Züge des Metronoms einsteigen.

Johannes Seidel, dem Fanbeauftragten von Hannover 96, geht dies zu weit. „Wir verurteilen grundsätzlich Sachbeschädigungen. Den geäußerten Generalverdacht gegen alle Fußballfans finde ich bedenklich“, betont er. Die Deutsche Bahn will den Schritt von Metronom derzeit nicht mitgehen. Man wünsche sich aber, dass die Fußballvereine beim Thema Fantransport mehr Verantwortung übernähmen, sagt Michael Greschniok von der Deutschen Bahn.

Am Sonntag hatten rund 300 Fans des HSV mehrere Wagen eines Metronom beschädigt. Sie zerstörten Deckenplatten und Sonnenblenden, zerschlugen Fensterscheiben und zündeten im Zug Pyrotechnik. Der Schaden beläuft sich auf rund 100 000 Euro. Im September 2014 hatten Anhänger von Hannover 96 auf der Rückfahrt von einem Auswärtsspiel der U23 beim FC St. Pauli ebenfalls einen Metronom verwüstet.

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