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Minister wusste nichts von Kontaminationen

AKW Stade Minister wusste nichts von Kontaminationen

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel gilt als besonders strenger Hüter der Atomaufsicht. Um die Frage, wie gut er eigentlich bei unerwarteten Ereignissen vom eigenen Haus informiert wurde, ging es am Montag bei einer Sitzung des Umweltausschusses des Landtages.

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Das stillgelegte Atomkraftwerk in Stade.

Quelle: Christian Charisius

Hannover. Von einer leichten Kontamination des Betonsockels des Kraftwerks Stade, das zurzeit abgerissen wird, wusste Wenzel jedenfalls monatelang nichts. Dabei hatte der Betreiber e.on bereits im Februar dieses Jahres schriftlich auf die unerwarteten Funde im Betonsockel des größtenteils ausgeschlachteten Meilers hingewiesen. Wenzel erfuhr dies erst am Donnerstag vergangener Woche - nach einem Fachgespräch mit e.on.

Werner Fieber, stellvertretender Referatsleiter im Umweltministerium, berichtete den Abgeordneten von den Abrissarbeiten im Inneren des Kraftwerks, das bereits 2003 abgeschaltet worden war. Am Betonsockel sei man auf Feuchtigkeit gestoßen, auf kristallisierte Borsäure, auf Wasser mit Cäsium 137 und Kobalt 60, wenn auch in sehr kleinen Konzentrationen. „Das war dort nicht erwartet worden.“

Die unerwarteten Funde werfen die komplizierten Abrissarbeiten des Kraftwerkbetreibers e.on um zwei bis vier Jahre zurück. Sie seien vermutlich durch „Drucküberprüfungen während der vielen Kraftwerksrevisionen“ in der 30-jährigen Betriebsgeschichte entstanden, meinte Fachmann Fieber. Das radioaktiv belastete Wasser sei in das „Gebäudesumpfsystem“ des Kraftwerkes gelangt. „Dass man da eine Kontamination vorfindet, ist für uns nichts Besonderes, zumal Leib und Leben von niemanden gefährdet waren“, erklärte Fiebers Vorgesetzter Gerhard Feige. Deshalb habe man auch die Hausspitze nicht davon in Kenntnis gesetzt: „Das hat uns damals nicht vom Hocker gerissen.“ Das Ministerium informierte allerdings gleichwohl im Juli auf einer Fachkonferenz andere Bundesländer. „Bei so einem Pilotprojekt macht man das schon.“

Nur der eigene Minister blieb uninformiert. „Hinterher ist man klüger“, meinten gestern die Männer vom Fach - Wenzels Untergebene. Denn der Minister hatte vergangene Woche die Presse schon lang und breit über andere Probleme bei der Müllentsorgung des teilweise abgerissenen Reaktors unterrichtet, nur die Erkenntnisse aus dem „Gebäudesumpf“ nicht weitergeben können.

Die Abgeordneten fragen sich nun, ob der Minister sein eigenes Haus überhaupt im Griff hat. „Ich kann mich nur wundern“, meinte der CDU-Umweltexperte Martin Bäumer. Die „spezielle Vorliebe“ des Ministers für knifflige Atomfragen sei doch bekannt - spätestens seitdem er den Atommeiler Grohnde dieses Jahr erst nach besonderen Nachprüfungen ans Netz gehen ließ: „Wir werden bei diesem Thema am Ball bleiben.“

Den FDP-Abgeordneten Gero Hocker riss das Verhalten der Umweltministeriumsbeamten zwar nicht vom Stuhl. Er fragte die Beamten aber spitz: „Wie oft schlägt der Minister proaktiv bei ihnen auf?“ Bei einem meldepflichtigen Ereignis wie bei den Vorkommnissen in Grohnde, wo während der Revision Fremdkörper im Reaktorinnern gefunden wurden, geschehe dieses „natürlich sofort“, erklärte Gerhard Feige: „Ein Abteilungsleiter hat eine gewisse Flexibilität, dem Minister etwas zu sagen.“ Miriam Staudte von den Grünen zeigte Verständnis für Wenzel. Da hätte doch Kraftwerksbetreiber e.on die Öffentlichkeit informieren können.

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